Klaus Weber · DTM-Korrespondent
Im ersten freien Training zur DTM-Runde am Nürburgring liegen 21 Fahrzeuge innerhalb von weniger als anderthalb Sekunden, ein Wert, der die Wirkung der aktuellen Balance of Performance unterstreicht.
Matteo Cairoli fuhr für Emil Frey Racing mit 1:26.144 Minuten die schnellste Runde des ersten Trainings und markierte damit die Bestzeit vor Lucas Auer im Mercedes-AMG von Team Landgraf, der 0,053 Sekunden zurücklag. Auffälliger als die Spitzenzeit selbst ist die Kompaktheit des Feldes: Zwischen Cairoli auf Platz eins und Christian Engelhart auf dem letzten Platz liegen lediglich 1,394 Sekunden, verteilt auf 21 Fahrzeuge aus zwölf verschiedenen Teams.
Enges Spitzenquintett, klare Tendenz
Hinter Cairoli und Auer reihten sich Marco Mapelli (Abt Sportsline, 1:26.222), Marco Wittmann (1:26.261) und Kelvin van der Linde (1:26.289), beide für Schubert Motorsport, in die Top 5 ein. Die Differenz vom ersten zum fünften Platz beträgt gerade einmal 0,145 Sekunden, ein Wert, der in einem freien Training mit unterschiedlichen Kraftstoffmengen und Reifenzuständen wenig über die tatsächliche Renntrimm-Pace aussagt, aber die Nähe der Fahrzeugkonzepte unter der aktuellen Balance of Performance deutlich macht.
Bemerkenswert ist, dass sich in den ersten fünf Plätzen vier verschiedene Teams abwechseln, mit Schubert Motorsport gleich zweifach vertreten auf den Rängen vier und fünf. Das deutet darauf hin, dass die BoP-Eingriffe vor dem Wochenende ihre Wirkung wie geplant entfalten: Kein Team dominiert die erste Session, stattdessen entscheiden Kleinigkeiten im Set-up und in der Reifenwahl über Zehntel.
Teaminterne Unterschiede fallen ins Auge
Ein Blick auf die Teamkollegen zeigt grössere Streuungen als an der Spitze insgesamt. Bei Emil Frey Racing trennen Cairoli und Thierry Vermeulen 0,603 Sekunden, Vermeulen kam nicht über Platz 16 hinaus. Bei Mercedes-AMG Team Landgraf liegt Tom Kalender auf Platz 12 sogar 0,393 Sekunden hinter Auer. Solche Abstände innerhalb eines Teams deuten in einem frühen Training häufiger auf unterschiedliche Programme hin, etwa auf Longrun-Arbeit im Renntrimm statt auf einen Qualifying-Versuch mit frischen Reifen.
Bei Abt Sportsline und Schubert Motorsport fallen die internen Abstände dagegen deutlich kleiner aus: Mapelli und Luca Engstler liegen 0,157 Sekunden auseinander, Wittmann und van der Linde nur 0,028 Sekunden. Beide Teams demonstrieren damit eine konsistente Abstimmung über beide Fahrzeuge hinweg, ein Indiz dafür, dass das Grund-Set-up für den Nürburgring bereits vor der Session feststand und im Training primär verfeinert wurde.
Mittelfeld und die Lücke nach hinten
Auch im Mittelfeld liegen die Zeiten dicht beieinander: Arjun Maini (HRT Ford Performance, P7) bis Bastian Buus (Land Motorsport, P17) trennen nur 0,430 Sekunden, ein Bereich, in dem elf Fahrzeuge um jeweils wenige Hundertstel konkurrieren. Auffällig ist hier vor allem Comtoyou Racing: Nicki Thiim kam auf Platz 11 (1:26.570), sein Teamkollege Nicolas Baert dagegen erst auf Platz 20 (1:27.312), eine Differenz von 0,742 Sekunden, die grösste innerhalb eines Teams im gesamten Feld.
Am Ende der Zeitenliste stand Christian Engelhart im TGI Team by GRT mit 1:27.538 isoliert auf Platz 21, mit 0,226 Sekunden Rückstand auf den nächstplatzierten Nicolas Baert. Für ein Auto, das laut Papierform im Bereich des übrigen Feldes mithalten können sollte, ist das ein Ausreisser, den es im zweiten Training zu erklären gilt. Insgesamt bestätigt Training 1 aber vor allem eines: Bei einer Feldstärke von unter 1,4 Sekunden Streuung wird das Qualifying am Nürburgring über Zehntel und nicht über halbe Sekunden entschieden, und jedes Team wird bis dahin genau prüfen müssen, ob die eigene interne Differenz auf Fahrer, Programm oder tatsächliches Handling-Defizit zurückzuführen ist.





