Palou dreht in Portland weiter auf, Lundgaard rast von Platz 25 nach vorn

Alex Palou - OnlyBulls Grand Prix of Portland - By: Travis Hinkle
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Bobby Travis · NASCAR/IndyCar-Korrespondent

Sechster Saisonsieg für den Spanier, ein Wochenende der Extreme für das restliche Feld: von Lundgaards Comeback aus dem Hinterfeld bis zu Rahals Absturz und Armstrongs nächstem Motorschaden.

Das OnlyBulls Grand Prix of Portland lieferte über drei Tage genau das Bild, das die IndyCar-Saison 2026 schon seit Wochen prägt: Álex Palou fährt eine Klasse für sich, während sich dahinter ein Feld sortiert, das von Session zu Session komplett anders aussieht. Wer am Freitag vorn stand, war am Sonntag längst nicht mehr sicher, und wer im Qualifying hinten steckenblieb, konnte sich im Rennen noch weit nach vorn kämpfen. Am Ende stand wieder Palou im Siegerkreis, aber die eigentliche Geschichte des Wochenendes spielte sich über das gesamte Feld verteilt ab.

Von Armstrongs Bestzeit zu Rosenqvists Pole

Im ersten freien Training gab Palou schon mal die Richtung vor, knapp vor Kirkwood und VeeKay. Doch im zweiten Training drehte Marcus Armstrong auf und setzte mit 58.2981 die schnellste Rundenzeit des gesamten Wochenendes, klar vor Palou und Dixon. Auf dem Papier sah das nach einem Meyer-Shank-Auto aus, das in Portland um den Sieg mitfahren würde.

Im Qualifying kam davon nichts mehr an. Armstrong fiel auf Startplatz 21 zurück, während sein Teamkollege Rosenqvist die Pole holte, hauchdünn vor Palou und Power. Dahinter reihten sich Ericsson und VeeKay ein, ein Topfeld, das auf dem Papier eng zusammenlag. Ganz hinten im Feld stand ausgerechnet Christian Lundgaard, der wegen eines Problems am Hybrid-System nicht über Startplatz 25 hinauskam, obwohl das Auto zuvor in den Trainings ordentlich mitgehalten hatte.

Palou zieht durch, Podium streitet über lahme Verkehrsregeln

Felix Rosenqvist - Portland, OR- OnlyBulls Grand Prix of Portland in Portland OR  (Photo by Travis Hinkle | IMS Photo)
Penske Entertainment: Travis Hinkle

Im Rennen übernahm zunächst Rosenqvist von der Pole die Führung. Nach einer frühen Caution in Runde 7 baute er bis Runde 28 einen ordentlichen Vorsprung auf. Doch nach der ersten Pit-Sequenz kam Palou an die Spitze und zog dem Feld davon, zeitweise um fast sieben Sekunden. Am Ende reichte es für seinen sechsten Saisonsieg, 4,1 Sekunden vor Rosenqvist. Power komplettierte mit Platz drei ein rein von Honda-Motoren besetztes Podium, nachdem er sich in den Schlusslaps gegen VeeKay und Kirkwood behaupten musste.

Nach der Zielflagge wurde es dann lauter als auf der Strecke. Rosenqvist und Power kritisierten in den Medieninterviews unverblümt die IndyCar-Regeln zu rundenlangsamen Fahrzeugen. Auslöser war, dass Palou und Rosenqvist im Kampf um den Sieg hinter Backmarkern wie Foster mehrere Sekunden pro Runde verloren hatten. Rosenqvist sprach davon, es sei Zeit für die Serie, in dieser Frage endlich erwachsen zu werden, Power legte trocken nach und sekundierte, die Regeln stammten quasi noch aus den Siebzigern. Eine Debatte, die IndyCar in den kommenden Wochen sicher weiter begleiten wird, unabhängig vom Rennergebnis selbst.

Lundgaard von ganz hinten, Rahal stürzt ab, Armstrongs Motorenfluch geht weiter

Das eigentliche Spektakel spielte sich im Mittelfeld und dahinter ab. Lundgaard, von Startplatz 25 losgefahren, arbeitete sich durch das komplette Feld nach vorn und kam am Ende als Neunter ins Ziel, ein Sprung von 16 Positionen. Trotzdem klang er nach dem Rennen nicht zufrieden, er sprach davon, dass man eigentlich woanders stehen müsste, was bei einer solchen Aufholjagd durchaus nachvollziehbar ist, wenn man weiss, wie stark das Auto grundsätzlich war. In die gleiche Kerbe schlugen McLaughlin (von P14 auf P7) und Newgarden (von P15 auf P8), die beide je sieben Positionen gutmachten und Team Penske damit zumindest über das Rennwochenende hinweg wieder ins Bild rückten.

Die Gegenrichtung nahm Graham Rahal. Von einem starken achten Startplatz fiel er im Rennen bis auf Platz 23 zurück, eine Runde im Rückstand, der grösste Absturz im gesamten Feld. Auch Malukas (P9 auf P12) und Grosjean (P11 auf P17) verloren spürbar Boden. Und dann war da noch Armstrong, dessen Wochenende symptomatisch für seine ganze Saison wurde: die schnellste Zeit im zweiten Training, Startplatz 21 im Qualifying, und in Runde 33 der nächste Honda-Motorschaden, der dritte in vier Rennen. Für ihn bedeutete das Rennen null Punkte und wachsenden Frust über eine Zuverlässigkeit, die seinem Speed einfach nicht gerecht wird.

Alex Palpou - OnlyBulls Grand Prix of Portland - By: Chris Owens
Penske Entertainment: Chris Owens

Für die Meisterschaft ändert das am grossen Bild wenig: Palou baut seinen Vorsprung auf Malukas mit dem sechsten Saisonsieg weiter aus und nähert sich historischen Marken bei den Saisonsiegen. Aber Portland hat gezeigt, dass es fünf Rennen vor Saisonende noch reichlich Bewegung im Feld gibt, sowohl nach vorn wie nach hinten, und genau das macht die kommenden Wochenenden interessant zu beobachten.