Bobby Travis · NASCAR/IndyCar-Korrespondent
Josef Newgarden setzte die Bestzeit im ersten freien Training zum Milwaukee Mile Doubleheader, während Titelanwärter Álex Palou trotz drittbester Trainingszeit mit einer Grid Penalty ins Wochenende geht.
Josef Newgarden hat das erste freie Training zum Milwaukee Mile Doubleheader am Samstag mit 00:22.9191 Sekunden für sich entschieden, knapp vor Dennis Hauger von Dale Coyne Racing und Meisterschaftsführer Álex Palou von Chip Ganassi Racing. Auf der 1,015 Meilen langen Ovalstrecke in West Allis, Wisconsin, ging es in der ersten Stunde vor allem darum, ein Gefühl für die Balance im Verkehr zu bekommen, bevor am Nachmittag das Qualifying für die Snap-on Makers and Fixers 250 ansteht.
Penske vorn, aber mit Fragezeichen im Feld dahinter
Newgarden bestätigte mit seiner Bestzeit früh, dass Team Penske auf dem Mile-Oval konkurrenzfähig ist. David Malukas brachte den zweiten Penske-Boliden auf Platz vier, nur drei Hundertstelsekunden hinter Palou. Scott McLaughlin dagegen kam über Rang zwölf nicht hinaus, gut drei Zehntel langsamer als Newgarden.
Dahinter drängte sich das Feld eng zusammen. Rinus VeeKay brachte den Juncos Hollinger-Boliden auf Platz fünf, Alexander Rossi für ECR auf Platz sechs, beide innerhalb von zwei Zehnteln zur Spitze. Auf einem kurzen Oval wie Milwaukee, wo Pack-Racing und der Draft in den Kurven über Zehntel entscheiden, ist das ein Zeichen, dass das Qualifying später am Tag eng werden dürfte.
Palou fährt vorn, aber die Startaufstellung ist eine andere Geschichte
Dass Palou mit 00:22.9971 auf Platz drei landete, wäre an einem gewöhnlichen Wochenende die eigentliche Schlagzeile gewesen. Doch der Punktestand macht daraus nur die halbe Story: INDYCAR verhängte gegen fünf Fahrzeuge Startplatzstrafen von jeweils neun Positionen wegen nicht genehmigter Motorwechsel, betroffen sind neben Palou auch McLaughlin, Malukas und beide Juncos Hollinger-Fahrzeuge von VeeKay und Sting Ray Robb. Das bedeutet, dass Palous starke Trainingszeit für die Startaufstellung von Rennen eins praktisch bedeutungslos wird.
Für die Meisterschaft bleibt die Ausgangslage trotzdem komfortabel. Palou führt mit 91 Punkten vor Kyle Kirkwood und könnte den Titel bereits am Samstag klarmachen, sollte er den Vorsprung auf mindestens 108 Zähler ausbauen, etwa durch einen eigenen Sieg kombiniert mit einem schwachen Ergebnis Kirkwoods. Gelingt das nicht sofort, reichen Palou insgesamt 71 Punkte aus den beiden Milwaukee-Rennen, um sich den Titel unabhängig vom Rest des Feldes zu sichern. Die Strafe verschiebt also höchstens den Zeitpunkt, nicht die Grundtendenz des Wochenendes.
Frühe Caution nach Siegels Ausritt in Kurve zwei
Für die einzige echte Unterbrechung im ersten Training sorgte Nolan Siegel. Der Arrow McLaren-Pilot geriet in Kurve zwei in die untere Fahrspur, verlor das Heck und schlug in die Wand ein. Siegel blieb unverletzt, seine Rundenzeit von 00:41.7740 auf Platz 25 zeigt aber, wie deutlich der Vorfall seinen Trainingslauf beeinträchtigte. Die Caution unterbrach den Rhythmus im gesamten Feld kurzzeitig, ein Vorgeschmack darauf, wie schnell sich die Lage auf einem kurzen Oval wie Milwaukee drehen kann.
Für zusätzlichen Gesprächsstoff sorgte ein kurioser Zwischenfall zwischen Kyle Kirkwood und Christian Rasmussen im Bereich der Pit-Road-Ausfahrt, bei dem es zu Kontakt zwischen den beiden Fahrzeugen kam. Kirkwood, der als Palous ärgster Verfolger in der Meisterschaft besonders unter Druck steht, landete mit Platz acht am Ende dennoch im vorderen Mittelfeld. Mit Blick auf das Qualifying und den möglichen Show-down um den Titel bleibt Milwaukee damit ein Wochenende, bei dem die Startaufstellung durch die Strafen ordentlich durcheinandergewirbelt wird, während die eigentliche Pace-Reihenfolge aus dem ersten Training zeigt, dass Penske, Ganassi und Andretti auch am Nachmittag um die vorderen Reihen kämpfen dürften.





