Kyle Larson vor Martinsville: Grosser Vorsprung, kleine Zweifel

Kyle Larson, driver of the #5 HendrickCars.com Chevrolet, drives to victory lane as son, Owen Larson waves the checkered flag after winning the NASCAR Cup Series YellaWood 500 at Talladega Superspeedway on October 25, 2026 in Talladega, Alabama. (Photo by Sean Gardner/Getty Images)
Avatar von Bobby Travis
2–3 Minuten

Bobby Travis · NASCAR/IndyCar-Korrespondent

Mit einem satten Punktepolster reist der Titelverteidiger zum engsten Short-Track im Kalender, und trotzdem mahnt er selbst zur Vorsicht.

Kyle Larson geht mit 73 Punkten Vorsprung in der Chase-Gesamtwertung ins vorletzte Rennen der Saison auf dem Martinsville Speedway. Der Fahrer der Nummer 5 von Hendrick Motorsports hatte sich zuvor beim YellaWood 500 in Talladega seinen allerersten Superspeedway-Sieg gesichert, nach 59 Anläufen. Trotzdem will der zweimalige Champion von einer vorzeitigen Meisterfeier nichts wissen, denn der enge Short-Track in Virginia verzeiht keine Unachtsamkeit.

Der Coup von Talladega als Fundament

Was in Talladega passierte, war für Larson selbst eine lange überfällige Erlösung. In einer turbulenten Overtime kam er von Position elf und fing Teamkollege William Byron auf der Ziellinie ab, mit einem Vorsprung von gerade einmal 0,041 Sekunden. Dazu kamen reichlich Stage-Punkte, die den Polster in der Chase-Wertung auf 73 Zähler vor den nächsten Verfolgern Denny Hamlin und Christopher Bell aufblähten.

Für Hendrick Motorsports und Crew Chief Cliff Daniels ist dieser Vorsprung mehr als nur eine Momentaufnahme. Zwei Rennen vor Schluss kann Larson den dritten Gesamttitel bereits in Martinsville perfekt machen: Mit 59 Punkten wäre er uneinholbar, noch bevor es zum Finale auf dem Homestead-Miami Speedway geht.

Short-Track mit Tücken

William Byron, driver of the #24 Cincinnati Chevrolet, and Ty Gibbs, driver of the #54 Monster Energy Toyota, lead the field on a pace lap prior to the NASCAR Cup Series Xfinity 500 at Martinsville Speedway on October 26, 2025 in Martinsville, Virginia. (Photo by Jared C. Tilton/Getty Images)
William Byron, driver of the #24 Cincinnati Chevrolet, and Ty Gibbs, driver of the #54 Monster Energy Toyota, lead the field on a pace lap prior to the NASCAR Cup Series Xfinity 500 at Martinsville Speedway on October 26, 2025 in Martinsville, Virginia. (Photo by Jared C. Tilton/Getty Images)

Martinsville, von den Fans wegen seiner Form liebevoll “The Paperclip” genannt, ist das Gegenteil von Talladega. Kein Draft, kein Pack-Racing, dafür enger Verkehr in zwei extrem flachen Kurvenkombinationen, in denen schon ein verschuldeter oder unverschuldeter Kontakt das Auto aus dem Rennen nehmen kann. Larson kennt die Strecke gut, 2023 stand er dort bereits ganz oben auf dem Podium.

Genau deshalb warnt der Titelverteidiger selbst davor, den Vorsprung schon jetzt als gesichert zu betrachten. “Es gibt noch zwei Rennen. Es ist so leicht zu sagen: ‘Die #5 hat es im Sack’. Aber wir könnten nach Martinsville fahren, es gibt in der ersten Runde eine Massenkarambolage in Turn 3, mein Kühler ist hinüber und das war’s. Es kann noch so viel passieren”, sagte Larson. Auch Crew Chief Cliff Daniels und Hendrick-Vice-Chairman Jeff Gordon stimmen in diesen Ton ein und mahnen zur Gelassenheit, ohne in Selbstzufriedenheit zu verfallen.

Strategie und Ausblick auf Homestead

Verwalten will das Team den Vorsprung trotzdem nicht. Crew Chief Cliff Daniels kündigte an, die Nummer 5 auch in Martinsville auf Angriff zu stellen, statt nur Punkte zu sammeln. Gelingt die vorzeitige Entscheidung, wäre Larson der erste Fahrer in der Geschichte der Chase, der den Titel schon vor dem Finale sicher hat.

Klappt es noch nicht ganz, reist Larson trotzdem mit einem komfortablen Polster zum Showdown nach Homestead. Patzt er dagegen früh, etwa durch eine Caution-bedingte Kettenreaktion oder Schäden im engen Verkehr, würde die Konkurrenz um Hamlin und Bell vor dem Finale wieder Morgenluft wittern. Martinsville wird so zur Nagelprobe zwischen dem Vertrauen in die eigene Stärke und dem Respekt vor einer Strecke, die keine Gnade kennt.