Nach dem Phoenix-Schock: Hendrick Motorsports sucht in Talladega die Wende

Kyle Larson, driver of the #5 HendrickCars.com Chevrolet, waits on the grid prior to the NASCAR Cup Series Enjoy Illinois 300 at WWT Raceway on September 13, 2026 in Madison, Illinois. (Photo by Amy Kontras/Getty Images)
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Bobby Travis · NASCAR/IndyCar-Korrespondent

Kyle Larsons komfortables Punktepolster ist nach einem Crash in Phoenix fast verschwunden, jetzt wartet mit Talladega der unberechenbarste Ovalkurs der Saison.

Hendrick Motorsports reist mit angezogener Handbremse zum Talladega Superspeedway. Nach dem Freeway Insurance 500 in Phoenix, wo Titelverteidiger Kyle Larson mit der Nummer 5 rund 30 Runden vor Schluss ausfiel und seinen Vorsprung in der Chase-Tabelle fast verlor, steht das Team vor der Aufgabe, auf dem grössten und schnellsten Oval des Kalenders keinen weiteren Rückschlag zuzulassen. Der Auftrag für das Rennen am Sonntag, 25. Oktober, in Alabama ist simpel formuliert, aber schwer umzusetzen: Schaden begrenzen, die Führung im Titelkampf verteidigen.

Das Phoenix-Debakel: Larson verliert den Riesenvorsprung

Bis zum Freeway Insurance 500 lief die Chase-Postseason für Larson nahezu geräuschlos. Dann, auf dem Wüstenoval in Avondale, kippte alles. Nach anhaltenden Problemen mit der Fahrzeugbalance erlitt der Chevrolet-Pilot einen Reifenschaden an der rechten Vorderseite, schlug in die Mauer ein und beendete das Rennen vorzeitig auf Platz 34.

Der Ausfall traf Larson zur Unzeit. Vor Phoenix lag er in der Meisterschaft noch komfortable 49 Zähler vor Denny Hamlin, danach blieben ihm gerade noch 5 Punkte Vorsprung auf den neuen Zweiten Christopher Bell. Aus einer scheinbar entschiedenen Angelegenheit wurde über Nacht ein offener Zweikampf, und das ausgerechnet vor einem Wochenende, an dem ein einziger Zwischenfall erneut über die gesamte Saison entscheiden kann.

Talladega: der unberechenbare Showdown

Schwerer hätte es für Hendrick kaum kommen können. Der 2,66 Meilen lange Talladega Superspeedway ist der grösste und schnellste Ovalkurs im Cup-Kalender, ein echter Draft-Track, auf dem die Autos im dichten Pack-Racing durch die hohen Steilkurven fliegen. Wer hier im Big Pack unterwegs ist, fährt permanent am Limit zwischen Punktgewinn und Totalschaden.

Genau diese Dynamik macht Talladega zum Risikofaktor für Larson. Auf flachen Ovalen oder Roadcourses lässt sich ein knapper Vorsprung durch cleane Linienwahl absichern. Auf einem Superspeedway wie diesem entscheidet oft der Zufall mit, wenn aus einem einzelnen Kontakt binnen Sekunden ein Massencrash wird, das berüchtigte ‘The Big One’. Ein weiterer Ausfall könnte Larson die Tabellenführung endgültig kosten.

Lichtblicke bei Hendrick: Elliott, Byron und Bowman als Rückhalt

Trotz des Rückschlags reist Hendrick Motorsports nicht ohne Hoffnung nach Alabama. Chase Elliott im Wagen mit der Nummer 9 holte in Phoenix einen starken dritten Platz und hat Talladega bereits zweimal gewonnen, im Frühjahr 2019 und im Herbst 2022. Seine Statistiken auf schnellen Draft-Strecken machen ihn in Talladega zu einem der Top-Favoriten, unabhängig vom Ausgang für seinen Teamkollegen.

Auch William Byron mit der Nummer 24, der fünf Siege auf Drafting-Strecken gesammelt hat, darunter drei in Daytona, und Alex Bowman mit der Nummer 48 können im Pack wertvolle Partner sein. Für Larson könnte das entscheidend sein: Im Pack-Racing lässt sich verlorener Boden durch gezielten Push von Teamkollegen im Windschatten oft schneller wettmachen als allein im freien Verkehr.

Mit Talladega, Martinsville und dem Saisonfinale in Homestead-Miami bleiben nur noch wenige Stationen bis zur Entscheidung, und die ersten sieben der Tabelle liegen nur 56 Punkte auseinander. Für Larson und Hendrick Motorsports dürfte die Devise für das Wochenende klar sein: sauber durchs Feld kommen, dem Big One ausweichen, Etappenpunkte mitnehmen und den knappen Vorsprung über die Ziellinie retten.