Marco Rossi · F1-Korrespondent
Nach Verstappens Vormittags-Bestzeit antwortete Charles Leclerc im zweiten Training mit der schnellsten Rundenzeit des Tages, während ein brenzliger Moment zwischen Lewis Hamilton und Gabriel Bortoleto für zusätzlichen Gesprächsstoff sorgte.
Charles Leclerc hat das zweite freie Training zum Grand Prix von Bahrain in Malaysia am Freitagnachmittag auf dem Sepang International Circuit für sich entschieden. Der Ferrari-Pilot fuhr 1:37.528 und verdrängte damit Vormittags-Schnellster Max Verstappen von der Spitze der Zeitenliste, der sich im zweiten Durchgang mit Rang vier begnügen musste. Dazwischen quetschten sich Isack Hadjar im zweiten Red Bull und Lando Norris im ersten McLaren, beide innerhalb von anderthalb Zehnteln auf Leclercs Bestzeit.
Ferrari antwortet, Red Bull hält dagegen
Der Rollentausch gegenüber dem Vormittag war deutlich. Hatte Verstappen das erste Training noch vor Russell und Hadjar dominiert, drehte sich das Bild am Nachmittag fast komplett um. Leclerc war über die gesamte Session hinweg konstant im vorderen Bereich unterwegs und bestätigte seine Pace bis zum Ende der Session.
Hadjar bestätigte mit Rang zwei, dass Red Bulls Nachmittagsform kein Zufall war, auch wenn der Franzose, wie bereits vor dem Wochenende bekannt wurde, mit einer Startplatzstrafe wegen eines Antriebseinheiten-Wechsels ins Rennwochenende geht und seine Zeit damit vorerst nur für die Einordnung der reinen Rennpace zählt. Norris auf Platz drei zeigte, dass McLaren nach einem schwächeren ersten Training spürbar zugelegt hat, Teamkollege Oscar Piastri reihte sich als Sechster ebenfalls vor beiden Mercedes ein. Verstappens Rückstand von 0.257 Sekunden auf Leclerc ist auf dieser Strecke keine Katastrophe, aber ein erstes Indiz, dass Red Bull im zweiten Training nicht mehr die Session beherrschte, die man am Vormittag noch für sich beanspruchte.
Mercedes verliert im Hitzetest an Boden
Während sich vorne vier Teams auf engstem Raum drängten, geriet Mercedes zunehmend ins Hintertreffen. George Russell, der im ersten Training noch Zweiter hinter Verstappen gewesen war, fiel im zweiten Durchgang auf Platz sieben zurück, Andrea Kimi Antonelli landete auf Rang acht. Berichten zufolge hatte das Team in den heissen Nachmittagsbedingungen mit erhöhtem Reifenverschleiss zu kämpfen, ein Problem, das sich in den Rundenzeiten der Silberpfeile über die gesamte Session hinweg widerspiegelte.
Für Mercedes ist das ein Dämpfer zur falschen Zeit. Sepang stellt mit seiner Kombination aus Hitze, Luftfeuchtigkeit und langen Kurven besondere Anforderungen an die Reifen, und wer hier schon im Training Abstriche bei der Longrun-Pace machen muss, dürfte am Samstag in der Qualifying-Vorbereitung ins Grübeln kommen. Die Konkurrenz aus Maranello und Woking nutzte die Gunst der Stunde, Mercedes bleibt vorerst die Aufgabe, bis Samstag eine Antwort zu finden.
Brenzliger Moment zwischen Hamilton und Bortoleto

Der spannungsreichste Augenblick des Nachmittags spielte sich abseits der reinen Zeitenjagd ab. In der Anfahrt auf Kurve neun war Lewis Hamilton auf der Ideallinie deutlich langsamer unterwegs, während sich Gabriel Bortoleto im Audi auf einer schnellen Runde von hinten näherte und stark ausweichen musste. Bortoleto beschwerte sich daraufhin unverblümt über Funk, dass der Ferrari-Pilot ihn habe kommen sehen und trotzdem weiter blockiert habe.
Hamilton funkte seinerseits an sein Team, er habe durch sein rechtes Spiegelbild nichts erkennen können und bat darum, über die Situation auf dem Laufenden gehalten zu werden. Die Rennkommissare eröffneten im Anschluss eine offizielle Untersuchung wegen möglicher Behinderung und luden Hamilton zur Anhörung vor. Ob daraus eine Konsequenz für das Wochenende erwächst, dürfte sich erst im Laufe des Samstags klären, der Vorfall wirft aber bereits jetzt ein Schlaglicht darauf, wie eng es auf der engen Strecke von Sepang zwischen schnellen und langsamen Runden werden kann.
Mit dem dritten Training und der Qualifikation am Samstag steht nun die entscheidende Session vor der Tür, in der sich zeigen wird, ob Ferraris Nachmittagsform auch unter Qualifying-Bedingungen trägt oder ob Red Bull und McLaren mit frischer Energie zurückschlagen, während Mercedes unter Zeitdruck eine Lösung für das Reifenproblem finden muss.





