Bobby Travis · NASCAR/IndyCar-Korrespondent
Auf dem frisch asphaltierten Strassenkurs von Markham drehte sich das Klassement im zweiten freien Training komplett, während Will Power die erste Mauerberührung des Wochenendes kassierte.
Nach dem verpatzten Freitag mit komplett gestrichenem Programm musste IndyCar am Samstag alles in einen einzigen Tag pressen. Freies Training 2 lieferte prompt die Antwort darauf, wer sich auf dem neuen 3,52-Kilometer-Kurs in Markham am schnellsten zurechtfindet, und die Antwort sah komplett anders aus als noch in Session eins.
Foster dreht die Reihenfolge um
Louis Foster war in FT1 noch Dritter, in FT2 fuhr der Rookie von Rahal Letterman Lanigan Racing dann die Bestzeit heraus, 1:14.1793, gut acht Zehntel schneller als der Bestwert aus der ersten Session. Das zeigt, wie stark die frisch asphaltierte Strecke von Runde zu Runde noch Grip aufbaute, ein Faktor, den jedes Team im Hinterkopf behalten muss, wenn am Sonntag die Reifenwahl fürs Rennen ansteht.
Dahinter reihte sich Marcus Ericsson ein, nur 0,014 Sekunden zurück, gefolgt von David Malukas, der bei Team Penske schon in FT1 mit Rang sechs überzeugt hatte und sich nun bis auf Platz drei vorarbeitete. Kyle Kirkwood komplettierte mit Rang vier eine Session, die für Andretti Global insgesamt sehr ordentlich lief, auch wenn ein Name aus dem Team gar nicht in dieser Liste auftaucht.
Palou fällt zurück, Schumacher macht einen Sprung
Was in FT1 wie eine klare Ansage von Meisterschaftsführer Álex Palou aussah, relativierte sich in FT2 deutlich. Der Ganassi-Pilot, der mit über 100 Punkten Vorsprung nach Markham gereist ist, rutschte auf Rang sieben zurück, rund vier Zehntel hinter Foster. Das ist auf einem neuen Strassenkurs kein Beinbruch, aber es zeigt, dass die Konkurrenz im zweiten Run näher herangekommen ist als am Vormittag.

Der auffälligste Sprung nach vorn gelang Mick Schumacher. Der RLL-Pilot war in FT1 noch Dreizehnter gewesen und fuhr sich in FT2 bis auf Platz fünf, gut ein Zehntel hinter seinem Teamkollegen Foster. Für ein Team, das mit zwei Autos unter den Top Fünf steht, ist das ein starkes Signal vor dem Qualifying, gerade auf einem Kurs, den bislang niemand im Feld aus echten Renn-Erfahrungswerten kennt.
Power crasht, die Reparaturuhr läuft

Die grösste Schlagzeile des Nachmittags lieferte aber keine Zeit auf der Anzeigetafel, sondern eine Mauerberührung. Will Power ging in Kurve neun zu weit, sammelte Schmutz von der grünen Streckenoberfläche auf den Reifen auf und touchierte in Kurve zehn die Reifenstapel. Die rote Flagge kam sofort heraus. Power übernahm im Anschluss die volle Verantwortung für den Fehler und sprach von einem eigentlich sanft wirkenden Einschlag mit überraschend viel Schaden, bitter auf einer neuen Strecke, wo jede verlorene Session-Minute schwer wiegt.
Für Andretti Global bedeutet das über Nacht Reparaturarbeit unter Zeitdruck, denn das Qualifying stand am Samstagabend direkt im Anschluss auf dem Programm. Powers Ausfallzeit drückte ihn in der Zeitenliste auf Platz neunzehn, weit weg von den Top Ten, die sein Team in dieser Session sonst besetzte. Wie stark sich der Vorfall auf seine Ausgangslage fürs Rennen auswirkt, wird sich erst zeigen, wenn am Sonntag die grüne Flagge über den 90 Runden durch Markham Centre fällt und klar wird, ob Foster, Ericsson und Malukas ihre FT2-Form auch unter Rennbedingungen bestätigen können.





