Chip Ganassi Racing verliert zwei Schlüsselfiguren der Technik wohl an Arrow McLaren

Alex Palou - Chris Griffis Memorial Test - By: Chris Jones
Avatar von Bobby Travis
2–3 Minuten

Bobby Travis · NASCAR/IndyCar-Korrespondent

Zwei der wichtigsten Köpfe hinter Chip Ganassi Racings IndyCar-Dominanz packen zum Saisonende die Koffer, und der künftige Arbeitgeber heisst offenbar Arrow McLaren.

Chip Ganassi Racing (CGR) verliert zum Saisonende zwei zentrale Figuren aus der technischen Führungsmannschaft: Performance Director Chris Simmons und Renningenieur Ross Bunnell verlassen das IndyCar-Team. Nach Ablauf einer vertraglichen Wettbewerbsklausel soll es Simmons laut einem Bericht von Racer.com zu Arrow McLaren ziehen, Bunnell wird demnach ebenfalls bei dem Konkurrenten erwartet. Für CGR, das unter Simmons’ Leitung sechs der letzten sieben Fahrertitel geholt hat, ist das ein harter Einschnitt mitten in der erfolgreichsten Phase der jüngeren Teamgeschichte.

Chris Simmons: Der Architekt hinter der Erfolgsserie

Kyffin Simpson and Chris Simmons - INDYCAR Testing - Sebring International Raceway - By: Joe Skibinski
Kyffin Simpson and Chris Simmons – INDYCAR Testing – Sebring International Raceway – By: Joe Skibinski

Simmons gehört seit den 2000er-Jahren zu den prägenden Figuren im Ganassi-Lager. Als Renningenieur gewann er mit Dario Franchitti drei Titel und zweimal das Indy 500, mit Scott Dixon zwei weitere Titel, zwei der erfolgreichsten Namen in der Teamgeschichte. Seit 2020 verantwortete er als Performance Director teamübergreifend die technische Weiterentwicklung und die Performance-Analyse, also genau die Arbeit im Hintergrund, die über eine ganze Saison den Unterschied macht.

Unter seiner Führung holte CGR sechs der letzten sieben IndyCar-Fahrertitel, mit Dixon und mit Alex Palou. Das ist keine Randnotiz, das ist die Handschrift eines Mannes, der die technische Richtung eines Spitzenteams über Jahre bestimmt hat. Dass er nun nach Ablauf seiner Non-Compete-Klausel zu Arrow McLaren wechseln soll, trifft CGR deshalb nicht an irgendeiner Stelle, sondern im Kern der Organisation.

Ross Bunnell: Der Indy-500-Sieger-Ingenieur

Bunnell arbeitete 2023 und 2024 als Renningenieur für Scott Dixon bei CGR, ehe er im Rahmen der Teamallianz 2025 und 2026 an Partnerteam Meyer Shank Racing ausgeliehen wurde. Dort betreute er Felix Rosenqvist und holte mit ihm 2026 den Sieg beim Indianapolis 500, einen der prestigeträchtigsten Erfolge im gesamten IndyCar-Kalender.

Unmittelbar nach dem Saisonfinale in Laguna Seca teilte Bunnell CGR seinen Abschied mit, Dixon hatte die Versetzung seines Ingenieurs zu Meyer Shank zuvor offen kritisiert. Bei Arrow McLaren soll Bunnell laut RACER wieder mit Scott Dixon zusammenarbeiten, der ebenfalls dorthin wechselt, und auch Rosenqvist fährt künftig für das Team. Das verstärkt den Eindruck, dass es sich hier nicht um einen Einzelfall handelt, sondern um einen gezielten Griff nach geballtem Ingenieurs-Know-how.

Was der Aderlass für CGR und Arrow McLaren bedeutet

Für Chip Ganassi Racing ist der gleichzeitige Verlust von Simmons und Bunnell ein massiver technischer Aderlass, ausgerechnet in einer Phase, in der das Team die IndyCar-Meisterschaft über Jahre dominiert hat. Wer diese Lücke intern oder extern schliesst, dürfte mitentscheidend dafür sein, ob CGR die Erfolgsserie der letzten Saisons fortsetzen kann.

Für Arrow McLaren unter der Leitung von Zak Brown und Teamchef Tony Kanaan ist die mutmassliche Verpflichtung beider Männer dagegen ein gewaltiger Coup auf dem Weg zum ersten IndyCar-Titel und zum ersten Sieg beim Indianapolis 500. Sollte sich der Wechsel wie berichtet bestätigen, dürfte das Duell zwischen den beiden Teams in der kommenden Saison noch einmal eine ganz andere Note bekommen, schliesslich würden zwei der Köpfe hinter Ganassis Dominanz künftig auf der anderen Seite der Boxengasse stehen.