Bobby Travis · NASCAR/IndyCar-Korrespondent
Auf einem nassen New Hampshire Motor Speedway kämpfte sich Ryan Blaney durch Spins, Cautions und einen missglückten Pit-Stop zum Sieg, während Ross Chastain seine Playoff-Hoffnungen früh begraben musste.
Ryan Blaney hat am Sonntag das Dollar Tree 301 in Loudon gewonnen, ein Rennen, das durch Regen, mehrere Cautions und gleich zwei schwere Crashs geprägt war. Der Fahrer der Nummer 12 setzte sich nach 3:22:59 Stunden vor Bubba Wallace und Josh Berry durch, nachdem er einen 19-sekündigen Pit-Stop nach Stage 2 wieder wettgemacht hatte. Für Rookie Connor Zilisch und Ross Chastain endete der Tag dagegen mit Ausfällen, die im engen Playoff-Rennen vor dem letzten Regular-Season-Wochenende noch Gewicht bekommen könnten, während sich Polesetter Tyler Reddick nach seinem Dreher in Runde 1 immerhin noch auf Platz acht zurückkämpfte.
Nasser Start, Reddicks Spin und die frühe Führung von van Gisbergen
Regen verzögerte den Grünflaggen-Start und zwang alle 36 Autos, auf Goodyears Wet-Weather-Reifen ins Rennen zu gehen. Schon während der Pace Laps drehte sich Carson Hocevar, die Strecke musste vor dem eigentlichen Start noch einmal abgetrocknet werden. Dann, in Runde 1, verlor ausgerechnet Polesetter Tyler Reddick sein Auto ohne Fremdeinwirkung aus der Führung heraus und riss dabei Punkteführer Denny Hamlin und Chris Buescher mit hinein, ein bitterer Fehlstart für den Mann, der noch am Vortag mit 29,054 Sekunden die schnellste Zeit im Qualifying gefahren war.
Aus dem frühen Durcheinander löste sich Shane van Gisbergen und baute auf der nassen Strecke einen Vorsprung von rund neun Sekunden auf, ehe eine verpflichtende Competition Caution in Runde 40 den Wechsel auf Slicks brachte. Kyle Larson sicherte sich in der Folge Stage 1, ein Achtungszeichen für den Hendrick-Fahrer, der später mit Platz fünf ins Ziel kam.
Pit-Road-Dramen: Bells gefährlicher Ausbruch und Byrons Steckschlüssel
Während des Reifenwechsels unter der Competition Caution verliess Christopher Bell seine Box, bevor Reifenwechsler Blake Houston vollständig aussen war. Houston wurde ein Stück mitgeschleift und stürzte hart, Bell fragte hörbar besorgt über Funk, ob es ihm gut gehe. Das Team bestätigte im Anschluss, Houston sei angeschlagen, aber unverletzt geblieben. NASCAR ahndete den Vorfall als Sicherheitsverstoss und schickte Bell zur erneuten Pit-Road-Fahrt, was ihn im Feld deutlich zurückwarf, ehe er sich am Ende noch auf Platz vier zurückarbeitete.
Im selben Stopp-Zyklus liess die Crew von William Byron einen Steckschlüssel für die Wedge-Einstellung am Heckfenster des Nummer-24-Chevrolet zurück, ein Fehler, der Byron letztlich fünf Runden kostete und ihn auf Platz 30 durchreichte. Zu Beginn von Stage 2 übernahm derweil Ryan Preece die Führung, weil er während der Stage-Break-Caution als Erster auf der Strecke blieb, ehe sich Blaney den Stage-2-Sieg sicherte und damit früh zeigte, dass sein Auto für den Restplan des Renntags gerüstet war.
Chastains Ausfall und die Doppel-Crashs von Hocevar und Zilisch
Schon in Runde 41 war für Ross Chastain der Tag praktisch gelaufen. Ein Antriebsstrangschaden zwang den Trackhouse-Fahrer vorzeitig in die Garage, ein Ausfall, der seine ohnehin knappe Position an der Playoff-Cutline vor dem letzten Regular-Season-Rennen empfindlich schwächen dürfte.
In Runde 84, mitten in Stage 2, sorgte Kontakt zwischen Carson Hocevar und Connor Zilisch für den nächsten Aufreger. Hocevar drehte sich in den Verkehr und zog dabei Joey Logano und Austin Dillon mit hinein, sichtlich frustriert liess er seinen Ärger anschliessend über Funk heraus. Für Logano bedeutete der Vorfall zusätzlich Reparaturen an der Lenkung und eine Fahrt an die Box, die ihn aus dem vorderen Feld nahm.
Richtig bitter wurde es für Zilisch dann in Runde 225. Riley Herbst geriet im Kampf mit Michael McDowell in den Kurven drei und vier aneinander und krachte hart in die Mauer, sein Auto blieb auf der Strecke stehen. Zilisch, dessen Sicht durch das vorausfahrende Auto von Austin Dillon verdeckt war, hatte praktisch keine Zeit mehr zu reagieren, als Dillon nach links auswich, und kollidierte ungebremst mit dem stehenden Wagen von Herbst. Beide Fahrer waren bis Runde 244 offiziell aus dem Rennen, für Zilisch bereits der neunte DNF seiner Rookie-Saison, für Herbst ein weiterer Rückschlag in einem Jahr, das für ihn ohnehin mit dem Abschied von 23XI Racing zum Saisonende endet.
Blaneys Coup trotz Rückstand und Blick auf die Playoffs
Dass Blaney am Ende überhaupt in Führung lag, hatte er seiner eigenen Aufholjagd zu verdanken. Nach Stage 2 hatte ihn ein 19 Sekunden langer Pit-Stop weit zurückgeworfen, doch über die verbleibenden Runden arbeitete er sich vorbei an Wallace, Berry und dem Rest der Spitzengruppe und kam am Ende 0,586 Sekunden vor Wallace sowie 1,964 Sekunden vor Berry ins Ziel. Bell komplettierte als Vierter mit 7,645 Sekunden Rückstand die Top 5 knapp vor Larson, der als Fünfter mit 9,618 Sekunden Rückstand folgte, während Hamlin trotz seines Ausrutschers in Runde 1 noch auf Platz sieben nach vorne kam.
Für die Meisterschaft bedeutet der Nachmittag vor allem eines: Die Karten an der Playoff-Cutline werden vor dem letzten Rennen der Regular Season noch einmal neu gemischt. Chastains Ausfall dürfte seine Position empfindlich treffen, während Blaneys Sieg samt Stage-2-Bonus seinem Team zusätzliches Punktepolster verschafft. Wie eng es am Ende wirklich wird, entscheidet sich erst in der kommenden Woche, wenn die letzte Chance auf einen automatischen Playoff-Platz über die Regular Season ansteht.





