Marco Rossi · F1-Korrespondent
Auf dem Sprint-Wochenende in Zandvoort bleibt nur eine Session zur Abstimmung, und ausgerechnet der WM-Spitzenreiter nutzt sie am konsequentesten.
Kimi Antonelli hat das einzige freie Training vor dem Grand Prix der Niederlande am Freitag mit einer Rundenzeit von 1:12.949 Minuten für sich entschieden und damit vor Lando Norris (+0,121s) und seinem Mercedes-Teamkollegen George Russell (+0,125s) die Bestzeit gesetzt. Weil das Wochenende im Sprint-Format ausgetragen wird, stand den Teams in Zandvoort nur diese eine Stunde zur Verfügung, um Fahrzeug und Reifenverhalten auf einer Strecke einzustellen, die sich von feuchten zu trockenen Bedingungen wandelte, bevor am Samstag bereits das Sprint-Qualifying folgt.
Antonelli liefert unter Druck
Dass Antonelli die Bestzeit ausgerechnet in der Session setzte, die keinen zweiten Versuch am Samstagvormittag erlaubt, dürfte für sein Team ein beruhigendes Signal gewesen sein. Der Mercedes-Pilot drehte sich im Laufe des Trainings zwar einmal um die eigene Achse, ohne dabei jedoch Kontakt mit der Streckenbegrenzung zu haben, und fuhr kurz darauf die schnellste Rundenzeit der Session heraus.
Für die Meisterschaft ist das mehr als eine Randnotiz. Antonelli reist mit einem Vorsprung von 50 Punkten auf Lewis Hamilton und 59 auf seinen Teamkollegen Russell nach Zandvoort, und ein starker Trainingsauftritt auf einer Strecke, die wenig Raum für Fehler lässt, bestätigt die Formkurve, die Mercedes in den vergangenen Wochen aufgebaut hat.
McLaren und Ferrari auf Tuchfühlung

Norris und Russell lagen am Ende nur vier Tausendstel auseinander, ein Abstand, der auf dem engen Kurs an der Nordseeküste eher die Regel als die Ausnahme sein dürfte. Auch Ferrari zeigte sich konkurrenzfähig: Hamilton kam bis auf 0,190 Sekunden an die Spitze heran, Leclerc auf 0,289 Sekunden. Alle fünf schnellsten Fahrer bewegten sich damit innerhalb von drei Zehnteln, ein Bild, das für ein enges Qualifying am Samstag spricht.
Oscar Piastri im McLaren reihte sich mit 0,659 Sekunden Rückstand auf Platz sechs ein, spürbar weiter hinten als sein Teamkollege. Ob das an einem bewusst konservativeren Reifeneinsatz lag oder an Abstimmungsproblemen, liess sich aus der einen Trainingsstunde nicht ablesen, doch für Piastri bedeutet der Rückstand, dass er im Sprint-Qualifying nachlegen muss, um nicht schon vor dem eigentlichen Rennwochenende ins Hintertreffen zu geraten.
Verstappen mit Untersteuern, Lawson im Findungsprozess

Der grösste Ausreisser nach unten war Max Verstappen. Der Red-Bull-Pilot, der sein Heimrennen mit einem frisch verlängerten Vertrag bei seinem Rennstall bestreitet, kam nicht über Platz elf hinaus und lag 1,376 Sekunden hinter Antonelli. Nach der Session berichtete Verstappen von Problemen mit Untersteuern und beim Herunterschalten, Schwierigkeiten, die sich in einer einzigen Trainingsstunde kaum noch beheben lassen, bevor am Samstag bereits die Session zählt, die über die Sprint-Startaufstellung entscheidet.
Noch grösser war die Herausforderung für Liam Lawson, der als kurzfristiger Ersatz für den verletzten Isack Hadjar erstmals im RB22 sass und das Training auf Platz vierzehn beendete. Für den Neuseeländer, der sich unter Zeitdruck an ein Auto gewöhnen muss, das er zuvor nicht gefahren ist, war die Session vor allem eines: eine Bestandsaufnahme dessen, was in der kurzen verbleibenden Zeit noch zu tun bleibt.
Mit nur einer Trainingsstunde vor dem Sprint-Qualifying bleibt den Rennställen wenig Spielraum für Korrekturen, und gerade Red Bull dürfte die Nacht nutzen müssen, um aus den Daten Antworten auf das Untersteuern-Problem zu ziehen. Für Zandvoort, das in dieser Form zum letzten Mal im Kalender steht, verspricht das ein Wochenende, in dem sich schon am Samstagvormittag entscheiden könnte, wer im Titelkampf und in der Konstrukteurswertung die nächsten Punkte einsammelt und wer frühzeitig ins Hintertreffen gerät.





