Ferrari-Analyse: Hamilton meldet sich auf dem Podium zurück

44 HAMILTON Lewis (gbr), Scuderia Ferrari SF-26, action during the 2026 Formula 1 Bahrain Grand Prix in Malaysia, 16th round of the 2026 Formula One World Championship from October 2 to 4, 2026 on the Sepang International Circuit, in Sepang, Malaysia - Photo Xavier Bonilla / DPPI
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Marco Rossi · F1-Korrespondent

Ferrari schickte Hamilton auf Slicks in ein nasses Rennen und warf ihn damit bis auf Platz 18 zurück. Statt an die Box zu kommen, blieb er draussen, wartete auf die trocknende Strecke und holte sein erstes Podium seit Silverstone.

Nach den ersten Runden in Sepang sah es so aus, als hätte Ferrari den Grand Prix verschenkt, bevor er richtig begonnen hatte. Am Ende stand Lewis Hamilton beim Grand Prix von Bahrain in Malaysia trotzdem als Dritter auf dem Podium, 4,919 Sekunden hinter Sieger Max Verstappen und Andrea Kimi Antonelli. Charles Leclerc komplettierte als Vierter ein Ergebnis, das nach dem Start niemand mehr für möglich gehalten hätte. Es ist Hamiltons erster Podestplatz seit dem Grossen Preis von Grossbritannien.

Der Poker mit den Slicks

Nach dem abgebrochenen ersten Startversuch ging das Rennen erst um 16.33 Uhr Ortszeit los, verkürzt auf 55 Runden. Die Strecke war noch nass, die meisten Spitzenfahrer, darunter Verstappen, Antonelli und Russell, starteten auf Intermediates. Ferrari setzte bei beiden Autos auf Soft-Slicks und wettete darauf, dass die Strecke schnell abtrocknet. McLaren ging mit Norris und Piastri ein ähnliches Risiko ein.

Die Wette ging zunächst nicht auf. Hamilton, von Startplatz zwei ins Rennen gegangen, fand auf dem rutschigen Asphalt keinen Grip und wurde nach hinten durchgereicht. Zeitweise lag er über eine Minute hinter der Führung und war bis auf Platz 18 zurückgefallen. Als Valtteri Bottas in Runde 9 in Kurve 13 abflog und das Safety Car auf die Strecke kam, stellte Ferrari am Funk die naheliegende Frage, ob er hereinkommen solle. Hamilton lehnte ab. Seine Antwort schilderte er nach dem Rennen bei Sky Sports so: «Wir haben die Entscheidung getroffen, damit müssen wir leben, und wir bleiben hier draussen, bis dieser verdammte Ort trocken ist.»

Die Aufholjagd

Die Strecke tat ihm den Gefallen. Mit jeder Runde trocknete die Ideallinie weiter ab, und die Fahrer auf Intermediates mussten an die Box, um selbst auf Slicks zu wechseln. Hamilton brauchte diesen Stopp nicht, er sass bereits auf den richtigen Reifen. Mit konstant schnellen Runden arbeitete er sich durch das Feld, bis zur Rennhälfte war er wieder in den Top 5, später wechselte er auf Medium-Reifen.

Den letzten Schritt ermöglichte die Schlussphase. Alexander Albon blieb mit seinem Williams liegen, aus dem virtuellen Safety Car wurde ein echtes, und das Feld rückte wieder zusammen. Beim Restart in Runde 51 lag Hamilton wieder auf mit roten Soft-Reifen direkt hinter Isack Hadjar, zwei Runden später ging er in Kurve 1 am Red Bull vorbei. Dass George Russell zuvor mit einem Defekt an der Antriebseinheit von einem Podiumsplatz gefallen war, hatte ihm den Weg zusätzlich geöffnet. «Das Safety Car am Ende war ein Segen, der mir den Weg aufs Podium ermöglicht hat», sagte Hamilton.

Leclercs anderer Weg zu Platz vier

Leclerc startete mit derselben Reifenwahl, nahm aber einen anderen Weg. Nach einer frühen Berührung mit Nico Hülkenberg kam er an die Box, holte sich einen neuen Frontflügel und wechselte auf Intermediates. Auch er kämpfte sich zurück und überholte Hadjar eine Runde nach seinem Teamkollegen. Ein direktes Duell der beiden Ferrari gab es nicht, beide erreichten ihr Ergebnis auf getrennten Wegen. Für die Scuderia bedeutet das 27 Punkte an einem Nachmittag, der nach der ersten Runde nach deutlich weniger aussah.

Was das Ergebnis bedeutet und was nicht

Hamilton selbst sprach von gemischten Gefühlen. Er sei sehr dankbar, wieder auf dem Podium zu stehen, sagte er, gab aber auch zu, dass ihm beim Blick auf die Slicks zu Beginn das Herz in die Hose gerutscht sei und er das Rennen bereits abgeschrieben hatte. «Es ist verrückt, wenn man bedenkt, dass wir über eine Minute zurücklagen.»

Als Wendepunkt für Ferrari will er den Nachmittag nicht verstanden wissen. «Wir haben ein grossartiges Auto, wir sind nur in einer Ära, in der wir wissen, dass uns Leistung fehlt», sagte Hamilton und fügte an, dass Ferrari mit diesem Defizit bis Saisonende leben müsse und den Rückstand erst für das kommende Jahr aufholen könne. Sepang war damit weniger ein Beleg für neue Stärke als für etwas anderes: dass ein siebenfacher Weltmeister in einem verzockten Rennen noch immer die richtige Entscheidung im Cockpit treffen kann, auch gegen den ersten Impuls seines Teams.