Russell übersteht Verstappens Attacke, Antonelli rettet die Punkteführung aus dem Chaos von Baku

Formula One - Mercedes-AMG PETRONAS F1 Team, 2026 Azerbaijan GP. George Russell
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Marco Rossi · F1-Korrespondent

Ein Wochenende, das mit einer glasklaren Bestzeit begann und in einem Zielsprint über wenige Zehntel endete, während sich dahinter das Feld gleich mehrfach neu sortierte.

George Russell hat den Grand Prix von Aserbaidschan gewonnen und damit seinen dritten Saisonsieg 2026 eingefahren, nachdem er Max Verstappen nach zwei Safety-Car-Phasen bis zur Ziellinie in Schach hielt und am Ende nur 0,196 Sekunden Vorsprung behielt. Hinter den beiden wurde auf dem Baku City Circuit kräftig durchgemischt: Isack Hadjar fuhr auf Rang drei, Andrea Kimi Antonelli verteidigte mit einer Aufholjagd von Startplatz 16 auf Platz fünf seine Führung in der Fahrerwertung, während McLaren mit dem Ausfall von Lando Norris und dem Absturz von Oscar Piastri aus den Punkten einen schmerzhaften Nachmittag erlebte.

Der Trainingsauftakt und Antonellis Fehltritt im Qualifying

Formula One - Mercedes-AMG PETRONAS F1 Team, 2026 Azerbaijan GP. Kimi Antonelli
Formula One – Mercedes-AMG PETRONAS F1 Team, 2026 Azerbaijan GP. Kimi Antonelli

Die Form des Wochenendes deutete sich schon am Freitag an, blieb aber bis zuletzt in Bewegung. Russell war in beiden freien Trainings die Referenz, ehe Verstappen im dritten Training erstmals die Spitze übernahm und damit signalisierte, dass Red Bull zum Qualifying hin noch zulegen könnte. Ferrari blieb mit Leclerc und Hamilton über alle drei Sessions hinweg konstant in der Spitzengruppe, ohne sich jemals klar abzusetzen, ein Muster, das sich durch das ganze Wochenende ziehen sollte.

Im Qualifying drehte sich das Bild dann überraschend. Russell sicherte sich die Pole vor Leclerc, der die erste Startreihe komplettierte, während Piastri auf Rang drei und Hadjar auf Rang vier für Red Bull überraschten. Verstappen dagegen, im dritten Training noch der Schnellste, kam über Rang acht nicht hinaus, ein Rückschlag, der seine Aufgabe im Rennen erheblich erschweren sollte. Für echte Aufregung sorgte aber Antonelli, der als Führender der Fahrerwertung nach Baku gekommen war. Er schied bereits in Q1 nach einem Unfall aus und musste das Rennen von Startplatz 16 in Angriff nehmen, eine Ausgangslage, die seine Spitzenposition ernsthaft in Gefahr brachte.

Zwei Safety-Car-Phasen und ein Duell bis zur letzten Kurve

Russell übernahm vom Start weg die Kontrolle und liess sich diese über weite Strecken nicht mehr nehmen. Piastri profitierte von Leclercs verpatztem Start, schob sich früh auf Rang zwei und hielt diese Position bis zum ersten Safety Car in Runde 29, ausgelöst durch den Unfall von Alexander Albon. Die neutralisierte Phase öffnete das Boxenstopp-Fenster für fast das gesamte Feld, und ausgerechnet Verstappen, der sich von Startplatz acht kontinuierlich nach vorne gearbeitet hatte, nutzte den Restart, um Piastri in der ersten Kurve zu überholen und sich auf Rang zwei zu setzen.

Kurz nach diesem Restart kippte das Rennen ein zweites Mal: In Kurve eins verbremste sich Franco Colapinto und prallte in seinen Teamkollegen Pierre Gasly, der wiederum in Lando Norris geschoben wurde. Alle drei Fahrer mussten ihr Rennen dort beenden, McLaren blieb damit ohne Punkte, und ein zweites Safety Car war die Folge. Beim finalen Restart zeigte sich, wie eng es am Ende werden würde: Russell kontrollierte das Tempo, doch Verstappen klebte ihm über die letzten Runden praktisch am Heckflügel und attackierte auf der langen Start-Ziel-Geraden mehrfach, ehe Russell die Führung mit 0,196 Sekunden Vorsprung über die Ziellinie rettete. Hadjar komplettierte das Podium, eine starke Vorstellung für einen Fahrer, der erst kürzlich eine Handverletzung auskuriert hatte.

Antonellis Aufholjagd, McLaren verliert doppelt

Die grösste Geschichte des Rennens spielte sich nicht auf dem Podium ab, sondern dahinter. Antonelli fuhr von Startplatz 16 bis auf Rang fünf nach vorne, elf Positionen gutgemacht, und sicherte damit trotz des verkorksten Qualifyings seine Führung in der Fahrerwertung. Am anderen Ende dieser Skala stand Piastri: Nach seinem starken Start lag er zeitweise auf Rang zwei, ehe der Australier spät im Rennen durch einen Fehler zurückfiel und schliesslich auf Rang 14 ausserhalb der Punkte landete, elf Plätze hinter seinem Startplatz und ein Nachmittag, der für McLaren in der Konstrukteurswertung schmerzt.

Auch im hinteren Mittelfeld gab es deutliche Bewegung. Arvid Lindblad steigerte sich von Startplatz 15 auf Rang sieben und lieferte damit eines der auffälligsten Resultate des Tages, während Nico Hülkenberg sich von Platz 18 auf Platz elf vorarbeitete. Esteban Ocon und Oliver Bearman brachten Haas mit den Rängen acht und neun gleich doppelt Punkte, Carlos Sainz rundete mit Platz zehn ein solides Wochenende für Williams ab.

Fernando Alonso of Spain driving the (14) Aston Martin F1 Team AMR26 Honda on track during final practice ahead of the F1 Grand Prix of Azerbaijan at Baku City Circuit
Fernando Alonso of Spain driving the (14) Aston Martin F1 Team AMR26 Honda on track during final practice ahead of the F1 Grand Prix of Azerbaijan at Baku City Circuit

Wenig zu lachen hatte dagegen Aston Martin: Fernando Alonso und Lance Stroll schieden beide mit technischen Defekten aus, ein Doppelausfall, der die ohnehin schwache Formkurve des Teams weiter nach unten drückt. Valtteri Bottas verunglückte spät im Rennen und suchte nach dem Aussteigen selbst nach einer möglichen technischen Ursache, ein Virtual Safety Car gab die Rennleitung dafür nicht aus. Und Colapinto, dessen Fehler die McLaren-Alpine-Kollision auslöste, entschuldigte sich Berichten zufolge anschliessend bei Gasly und seinem Team. Seine Zeitstrafe wurde laut FIA-Mitteilung mangels verbleibender Renndistanz in eine Startplatzstrafe für Bahrain umgewandelt.

Was Baku für den Titelkampf bedeutet

Für die Meisterschaft ist die Bilanz aus Baku vielschichtig. Antonelli verteidigt seine Führung nach einem der schwierigsten Wochenenden seiner Saison, was für seine Nervenstärke spricht, während Russell mit dem Sieg selbst wieder näher heranrückt. Verstappen zeigt mit Startplatz acht und Zielrang zwei, dass Red Bull im Rennen nach wie vor zu den schnellsten Paketen gehört, auch wenn das Qualifying Fragen aufwirft. Ferrari bleibt mit Leclerc auf Rang vier und Hamilton auf Rang sechs solide, aber ohne den Biss, den ein echter Titelangriff verlangt. Am meisten Hausaufgaben nimmt McLaren aus Aserbaidschan mit: Der Ausfall von Norris und die Nullrunde von Piastri werfen das Team in der Konstrukteurswertung zurück, ein Rückstand, der sich in dieser Phase der Saison nur schwer wieder aufholen lässt. Bahrain wird zeigen, ob Baku ein Ausreisser war oder der Beginn einer neuen Formkurve.

Formel 1
  1. 1. Andrea Kimi Antonelli 302 Pkt.
  2. 2. George Russell 236 Pkt.
  3. 3. Lewis Hamilton 199 Pkt.
  4. 4. Lando Norris 186 Pkt.
  5. 5. Charles Leclerc 179 Pkt.
  6. 6. Max Verstappen 163 Pkt.
  7. 7. Oscar Piastri 118 Pkt.
  8. 8. Isack Hadjar 83 Pkt.
  9. 9. Liam Lawson 57 Pkt.
  10. 10. Pierre Gasly 50 Pkt.