Henri Dubois · Endurance-Korrespondent
Ein knapper Heimsieg im Duell mit Alpine, und ein LMGT3-Feld, das schon im Qualifying ins Chaos geriet.
Toyota Racing hat die 6 Stunden von Fuji am 27. September auf dem Fuji Speedway gewonnen, mit Ryō Hirakawa, Brendon Hartley und Sébastien Buemi im Auto Nummer 8, das nach dem Ausfall der Hyperpole nur von Startplatz acht ins Rennen ging. Nach sechs Stunden mit wechselhaftem Wetter und dichtem Verkehr betrug der Vorsprung auf den zweitplatzierten Alpine von Victor Martins, Frédéric Makowiecki und Jules Gounon gerade einmal 0,591 Sekunden, ein Abstand, der über die gesamte Distanz kaum kleiner hätte ausfallen können.
Toyota gewinnt von Startplatz acht
Dass die Startaufstellung überhaupt aus den Trainingszeiten gebildet wurde, war selbst schon eine Folge des Wochenendes: Weil die Hyperpole wegen Starkregens abgesagt werden musste, stand Alpine auf Pole, während sich Toyota mit dem Auto Nummer 8 von Platz acht aus in ein Sechsstundenrennen begeben musste, das nach den Erfahrungen der vorangegangenen Sessions kein einfaches werden würde. Dass die Mannschaft um Hirakawa, Hartley und Buemi diesen Rückstand über sechs Stunden Zermürbung wieder aufholte, ist weniger einem einzelnen Überholmanöver zuzuschreiben als einer Kette aus sauberen Stints, klugem Reifenmanagement bei wechselnder Fahrbahntemperatur und einer Boxencrew, die im dichten Verkehr keine Zeit verschenkte.
Am Ende blieb Alpine mit Martins, Makowiecki und Gounon nur 0,591 Sekunden zurück, ein Abstand, der nach sechs Stunden eher an ein Sprintfinale erinnert als an ein Langstreckenrennen, aber genau das zeigt, wie eng die Balance of Performance zwischen den Herstellern in dieser Saison ausgelegt ist. Rang drei ging an den BMW von Kevin Magnussen, Raffaele Marciello und Dries Vanthoor mit 6,415 Sekunden Rückstand, während das zweite Alpine-Auto mit Charles Milesi, Ferdinand Habsburg und António Félix da Costa auf Platz vier landete. Für die Herstellerwertung, die seit der Reglementänderung 2026 in der Hypercar-Klasse ausschliesslich zählt, dürfte dieses Ergebnis für Alpine bedeutender sein als jede einzelne Fahrerplatzierung, weil beide Werksautos gemeinsam in die Marken-Punktzahl einfliessen.
Zwei Ausfälle in der Spitzengruppe
Nicht jedes Werksauto sah die Zielflagge. Der Ferrari von Alessandro Pier Guidi, Antonio Giovinazzi und James Calado wurde auf Platz zehn klassiert, während das zweite Ferrari-Trio, Nicklas Nielsen, Miguel Molina und Antonio Fuoco, mit 58 Runden Rückstand als Ausfall gewertet wurde. Ähnlich lief es bei Peugeot: Théo Pourchaire, Malthe Jakobsen und Loïc Duval brachten ihren Wagen auf Rang sechs ins Ziel, während Nick Cassidy, Paul di Resta und Stoffel Vandoorne mit 136 Runden Rückstand nicht mehr klassifiziert werden konnten.
Für beide Hersteller bedeutet das ein gemischtes Wochenende: Punkte aus dem jeweils gut platzierten Auto stehen einem Totalausfall beim zweiten Fahrzeug gegenüber, was in der Herstellerwertung schwerer wiegt als früher, als die Teamwertung noch eine separate Rechnung erlaubte. Sechs Stunden Fuji haben damit erneut gezeigt, wie sehr ein Zermürbungsrennen auch die Zuverlässigkeit über die reine Pace stellt.
Ein Qualifying-Crash mit Folgen für das ganze LMGT3-Feld

Die Vorgeschichte des LMGT3-Rennens begann bereits am Samstag im Qualifying, als François Hériau im Ferrari 296 GT3 der Nummer 21 (Vista AF Corse) am Ausgang von Kurve 1 durch Aquaplaning die Kontrolle verlor und in Kurve 2 in die Streckenbegrenzung schlug. Hériau blieb unverletzt, doch der Unfall löste die Rote Flagge aus, und weil sich das Wetter weiter verschlechterte, entschied die Rennleitung, sowohl Qualifying als auch Hyperpole für beide Klassen komplett zu streichen. Die Startaufstellung wurde daraufhin aus den Trainingszeiten gebildet, was auch erklärt, warum Toyota am Sonntag von einem für die Vormachtstellung im Training eher ungewöhnlichen Startplatz aus starten musste.
Der Ärger für die Nummer 21 endete damit nicht. Beim Start am Sonntag verpasste Hériau in Kurve 1 auf noch leicht feuchter Fahrbahn den Bremspunkt und traf den Mercedes-AMG der Nummer 61 von Iron Lynx, was eine Kettenreaktion durch das gesamte LMGT3-Feld auslöste und mehrere Fahrzeuge beschädigte. Die Rennkommissare belegten die Nummer 21 mit einer Durchfahrtsstrafe, und obwohl das Trio aus Hériau, Simon Mann und Alessio Rovera danach wieder Boden gutmachte, sogar mit der schnellsten LMGT3-Runde des gesamten Rennens durch Rovera, sorgte ein weiterer Kontakt im späten Rennverlauf für einen Aufhängungsschaden. Wenige Runden vor Schluss musste der Ferrari in der Box abgestellt werden, ein bitteres Ende für ein Auto, das an diesem Wochenende schneller war als sein Resultat am Ende zeigte.
Team WRT triumphiert trotz Chaos, Heart of Racing rettet den zweiten Platz
Inmitten dieses turbulenten Rennverlaufs kam es in der Schlussphase zu einem weiteren folgenreichen Zwischenfall: Finn Gehrsitz kollidierte im McLaren der Nummer 58 von Garage 59 beim Anbremsen am Ende der langen Geraden mit dem Aston Martin von Mattia Drudi (Heart of Racing Team). Drudi verlor dabei seinen linken Hinterreifen, und sein Auto wurde beschädigt. Während der McLaren von Gehrsitz, Benjamin Goethe und Alexander West das Rennen daraufhin nicht mehr beenden konnte, gelang es der Boxencrew von Heart of Racing, das Auto von Drudi, Zacharie Robichon und Ian James wieder flottzubekommen und mit 16 Runden Rückstand auf Rang zwei der LMGT3-Klasse ins Ziel zu bringen, ein Ergebnis, das angesichts des Schadens kaum zu erwarten war.
Den Klassensieg sicherte sich Team WRT mit Darren Leung, Sean Gelael und Augusto Farfus, ebenfalls mit 16 Runden Rückstand auf die Hypercar-Spitze, aber ohne die dramatischen Zwischenfälle, die das restliche Feld begleiteten. Dass ausgerechnet dieses ruhig gefahrene Auto am Ende ganz vorne stand, während rund um es herum Startunfälle, Durchfahrtsstrafen und Aufhängungsschäden das Klassement durchmischten, passt zu einer Lehre, die sich in Fuji einmal mehr bestätigte: Über sechs Stunden entscheidet selten der schnellste Moment, sondern wer die wenigsten Fehler in ein Rennen trägt, das Wetter, Verkehr und Zufall gleichermassen fordert. Für die WEC-Saison 2026 bleibt damit ein enges Bild, in der Hypercar-Herstellerwertung wie in der LMGT3-Teamwertung, das sich erst beim nächsten Lauf weiter sortieren dürfte.





