Marco Rossi · F1-Korrespondent
George Russell sicherte sich im ersten freien Training zum Grand Prix von Aserbaidschan die Bestzeit, während der WM-Spitzenreiter Antonelli mit einem Defekt am Heck seines Mercedes kämpfte.
George Russell hat das erste freie Training zum Grand Prix von Aserbaidschan am Donnerstag in Baku mit der schnellsten Rundenzeit beendet. Der Mercedes-Pilot fuhr eine 1:45.387 und lag damit vier Zehntel vor Max Verstappen im Red Bull, während sein Teamkollege und WM-Führender Andrea Kimi Antonelli seine Session wegen eines Hydraulikschadens frühzeitig abbrechen musste.
Mercedes vorn, Ferrari mit Fragezeichen im Hintergrund
Russells Bestzeit fiel deutlich aus, doch die eigentliche Geschichte der Session lag im engen Feld dahinter. Verstappen (+0.400), Leclerc (+0.404) und Hamilton (+0.437) trennten am Ende nur wenige Hundertstel, ein Zeichen dafür, dass sich das Feld an der Spitze in Baku enger zusammengezogen hat als an manch anderer Strecke in dieser Saison.
Bei Ferrari dürfte die Einordnung der Trainingszeiten allerdings vorsichtiger ausfallen als sonst. Nach Leclercs Unfall im vorangegangenen Rennen in Monza hatte die Scuderia zwar Entwarnung gegeben, was den Antrieb selbst betrifft. Berichten aus dem Fahrerlager zufolge setzt Ferrari den betroffenen Motor in Baku aber vorrangig in den freien Trainings ein, um das Risiko einer Strafversetzung im Rennen zu vermeiden. Wie repräsentativ Platz drei und vier für die tatsächliche Rennpace sind, lässt sich aus den reinen Zeiten also noch nicht ablesen.
Doppelte Unterbrechung durch Antonelli und Hülkenberg

Rund 15 bis 20 Minuten in die Session hinein blieb Antonelli, Berichten aus dem Fahrerlager zufolge, in Kurve sieben mit rauchendem Heck stehen. Ein Hydraulikschaden beendete seinen Trainingslauf vorzeitig, die Strecke musste demnach unter Virtual Safety Car neutralisiert werden, während der Wagen geborgen wurde. Dass Antonelli trotz der abgebrochenen Session noch auf Platz fünf landete, mit weniger als einer Sekunde Rückstand auf Russell, spricht für das grundsätzliche Potenzial des Mercedes an diesem Wochenende.
Kurz vor Ende der Session sorgte, denselben Berichten zufolge, Nico Hülkenberg für die zweite Unterbrechung, als der Audi-Pilot seinen Wagen ebenfalls auf der Strecke abstellen musste. Zwei Virtual-Safety-Car-Phasen innerhalb eines einzigen freien Trainings sind ungewöhnlich und dürften den Teams, die auf lange, ungestörte Longruns angewiesen sind, einen Teil ihres Testprogramms durcheinandergebracht haben.
McLaren mit Unterbodenproblemen, Norris weit hinten
Während Oscar Piastri mit Platz sechs noch ein passables Ergebnis für McLaren einfuhr, geriet Lando Norris deutlich ins Hintertreffen. Der Brite landete mit einem Rückstand von 1.594 Sekunden nur auf Platz vierzehn, ein Ergebnis, das für McLaren-Verhältnisse ungewöhnlich schwach ausfällt. Beide McLaren-Fahrer hatten laut Berichten aus dem Fahrerlager im Training mit Problemen am Unterboden zu kämpfen, was die Diskrepanz zwischen den beiden Wagen zumindest teilweise erklären dürfte.
Auch bei Red Bull gab es Anlass zur Sorge, wenn auch aus anderem Grund: Rückkehrer Isack Hadjar verpasste, Berichten zufolge, wegen Problemen an der Antriebseinheit fast das komplette Training und beendete die Session abgeschlagen auf Platz zwanzig. Für ein Team, das im Titelkampf mitmischen will, ist ein derart verkürztes Programm am ersten Trainingstag kein Umstand, den man auf die leichte Schulter nehmen sollte.
Mit dem engen Zeitplan dieses Wochenendes, der laut Veranstalterangaben wegen eines nationalen Gedenktages in Aserbaidschan um einen Tag vorgezogen wurde, bleibt wenig Raum, liegen gebliebene Erkenntnisse nachzuholen. Schon am Freitag folgen das zweite und dritte Training sowie das Qualifying, ehe am Samstag über die Startaufstellung für das Rennen entschieden wird. Wie belastbar die Ferrari-Form und wie gravierend die McLaren-Probleme tatsächlich sind, wird sich erst in den kommenden Sessions zeigen.





