Bobby Travis · NASCAR/IndyCar-Korrespondent
Wer am Samstag in Talladega ganz vorne stand, landete am Sonntag oft im Schrott, während sich sowohl an der Spitze als auch im Hinterfeld die Platzierungen um Dutzende Positionen verschoben.
Die YellaWood 500 am Talladega Superspeedway bestand aus zwei fast gegensätzlichen Geschichten. Am Samstag, 24. Oktober, sicherte sich Chase Briscoe mit 51,466 Sekunden die Pole vor Austin Hill, nur 0,032 Sekunden dahinter, während das restliche Feld auf den ersten zehn Plätzen eng beieinanderlag. Am Sonntag, 25. Oktober, zählte davon fast nichts mehr: Kyle Larson, nur Zehnter im Qualifying, gewann das Rennen nach einem Big One, einem Überschlag und einer Verlängerung, während gleich mehrere Fahrer aus der ersten Startreihen-Garnitur das Ziel gar nicht mehr sahen.
Von der Pole direkt ins Aus

Kein Rennwochenende zeigt den Unterschied zwischen Startplatz und Zieleinlauf so deutlich wie dieses. Pole-Setter Chase Briscoe, der am Samstag so sauber durch die Zeitenjagd kam, wurde am Sonntag in den Wirren der Schlussphase hineingezogen und blieb am Ende sechs Runden zurück, nur Platz 33. Direkt dahinter in der Startaufstellung waren Connor Zilisch (Q3) und Shane van Gisbergen (Q4) von Trackhouse Racing ebenfalls auf einem vielversprechenden Kurs, ehe beide ausschieden und mit sechs Runden Rückstand gewertet wurden.
Auch Chris Buescher, der im Qualifying als Fünfter nur 0,127 Sekunden auf die Pole verlor, erwischte am Sonntag denselben Weg ins Aus. Von den ersten sechs des Qualifyings kam nur Austin Hill durch, wenn auch nur auf Platz 14, zwölf Positionen hinter seinem Startplatz. Kyle Larson dagegen, der im Zeittraining mit 0,346 Sekunden Rückstand gerade noch die Top 10 erreicht hatte, drehte die Reihenfolge komplett um und stand am Ende ganz oben. Dabei war er in der letzten Runde der Verlängerung noch auf Platz 11 zurückgefallen, ehe er auf die untere Linie abtauchte, auf der letzten Viertelmeile sieben Autos überholte und 0,041 Sekunden vor Teamkollege William Byron die Linie kreuzte. Für ihn war es der erste Sieg auf einem echten Superspeedway überhaupt, nach jahrelangem Anlauf auf genau solchen Strecken.
Die stillen Gewinner: Gilliland, Hocevar und Stenhouse drehen das Feld um
Während an der Spitze reihenweise Favoriten scheiterten, nutzten andere das Chaos für starke Ergebnisse. Todd Gilliland startete von Platz 35 und beendete das Rennen als Siebter, ein Sprung von 28 Positionen und damit die auffälligste Aufwärtsbewegung des gesamten Feldes. Kaum weniger beeindruckend war Carson Hocevar, der von Platz 26 bis auf Rang sechs vorfuhr. Ausgerechnet er hatte nach Darstellung von NASCAR fünf Runden vor dem regulären Ende den zweiten grossen Unfall ausgelöst, als er Joey Logano ins Heck fuhr und dessen Ford sich überschlug. Zusammen mit Michael McDowell, der von Platz 23 auf Platz 10 kam, sorgte Hocevar dennoch für ein starkes Ergebnis von Spire Motorsports.
Auch Cole Custer (Q20 auf P5) und Ricky Stenhouse Jr. (Q24 auf P3) gehörten zu den grossen Gewinnern des Tages. William Byron reihte sich mit seinem Sprung von Startplatz 17 auf den zweiten Rang nahtlos in diese Liste ein und sorgte zusammen mit Larson für ein Hendrick-Doppel an der Spitze. Selbst weiter hinten im Feld gab es grosse Sprünge nach vorn, Noah Gragson kam von Platz 39 auf Platz 20, Joey Gase von Platz 38 auf 21 und Gray Gaulding von Platz 40 auf 23, wenn auch alle drei am Ende mit Rundenrückstand im Ziel ankamen.
Hinterfeld, Ausfallwelle und die Bedeutung für den Chase

Das Hinterfeld dieses Sonntags erzählt vor allem eine Geschichte des Blechschadens. Christopher Bell, im Qualifying noch Sechster, drehte sich in Runde 56 bei der Einfahrt zum ersten Boxenstopp und schlug in die Begrenzung ein. Danach kassierte er noch eine Durchfahrtsstrafe, weil zu viele Crewmitglieder über der Boxenmauer waren, und schied schliesslich mit zwölf Runden Rückstand aus, gewertet als 35. Chase Elliott (42 Runden zurück, Platz 36) und Tyler Reddick (52 Runden zurück, Platz 37) hatten es nach dem Big One in Stage 2 noch schlechter getroffen, während Ryan Blaney, John Hunter Nemechek und Casey Mears mit jeweils 58 Runden Rückstand das Schlusslicht des Feldes bildeten. Dazu kamen prominente Ausfälle wie Joey Logano, Austin Cindric, Riley Herbst, Erik Jones, A. J. Allmendinger sowie das komplette Trackhouse-Duo Zilisch und van Gisbergen, die allesamt ausschieden und mit sechs Runden Rückstand gewertet wurden, dazu Brad Keselowski mit fünf Runden Rückstand.
Für den Chase hat dieses Rennen ein klares Gesicht bekommen. Kyle Larson führt die Meisterschaft nun mit 2441 Punkten an, 73 Punkte vor Denny Hamlin und 74 Punkte vor Christopher Bell, dessen Unfall bei der Boxeneinfahrt ihn in der Tabelle direkt zurückwarf. Chase Briscoe liegt als Vierter bereits 79 Punkte zurück, nachdem ihm die Pole am Sonntag nichts gebracht hatte. Mit nur noch zwei Rennen bis zum Saisonfinale, Martinsville und danach Homestead, wo der Titel in diesem Jahr ohne Ausscheidungsrunden allein nach Punkten vergeben wird, reist Larson mit einem komfortablen Polster in die entscheidende Schlussphase, während seine Verfolger kaum noch Spielraum für weitere Rückschläge haben.
Fahrerwertung
NASCAR Cup Series- 1. Kyle Larson 2441 Pkt.
- 2. Denny Hamlin 2368 Pkt.
- 3. Christopher Bell 2367 Pkt.
- 4. Chase Briscoe 2362 Pkt.
- 5. Joey Logano 2341 Pkt.
- 6. Ryan Blaney 2334 Pkt.
- 7. Tyler Reddick 2315 Pkt.
- 8. Austin Cindric 2258 Pkt.
- 9. Ty Gibbs 2258 Pkt.
- 10. Carson Hocevar 2243 Pkt.





