Marco Rossi · F1-Korrespondent
In den letzten Minuten von Q3 setzte Regen ein, doch Lando Norris hatte seine entscheidende Runde da bereits im Trockenen im Kasten.
Lando Norris hat am Samstag in Zandvoort die Pole Position für den Grand Prix der Niederlande gesichert, mit 1:11.163 Minuten und einem Vorsprung von gerade einmal 0.102 Sekunden auf George Russell. Es ist eine Bestzeit, die unter Zeitdruck entstand: In den Schlussminuten der Qualifikation zog Regen über den Circuit Zandvoort, und wer seine schnellste Runde nicht rechtzeitig im Trockenen gesetzt hatte, ging leer aus.
Eine Runde, die keinen Spielraum liess
Norris hatte im Sprint-Qualifying am Vortag noch das Nachsehen gegen Russell gehabt, verlor dort mit vier Hundertsteln denkbar knapp. Im entscheidenden Qualifying für das Hauptrennen drehte er den Spiess um, und zwar in einem Fenster, das keine zweite Chance zuliess. Während sich hinter ihm die Bedingungen bereits zu verschlechtern begannen, lieferte er die eine Runde ab, die zählte. Das ist die Art von Moment, für die Zandvoort mit seinen engen, wellenförmigen Kurven berühmt ist: Kein Platz für Zögern, keine Zeit für eine zweite Variante.
Russell blieb mit 0.102 Sekunden denkbar nah dran und bestätigte damit, dass Mercedes über das gesamte Wochenende hinweg konkurrenzfähig war, im Training, im Sprint und nun auch im Qualifying für den Grand Prix. Die Konstanz spricht für den Rennstall, auch wenn am Ende erneut die Pole an einen anderen ging.
Mercedes und Ferrari nah dran, Piastri im Windschatten

Andrea Kimi Antonelli komplettierte mit Startplatz drei ein starkes Mercedes-Wochenende und zeigte damit, dass die Aufholjagd des jungen Italieners kein Ausreisser war. Bemerkenswert ist das auch deshalb, weil Antonelli laut Berichten im Sprint-Qualifying Floor-Schäden davongetragen hatte und dennoch im entscheidenden Qualifying konkurrenzfähig blieb. Oscar Piastri auf Platz vier hält McLaren in beiden Cockpits vorn in der Startaufstellung, was dem Team taktische Optionen für den Start am Sonntag geben dürfte.
Bei Ferrari lief es diesmal umgekehrt als gewohnt: Lewis Hamilton qualifizierte sich mit Platz fünf vor seinem Teamkollegen Charles Leclerc, der auf Rang sechs landete. Der Rückstand auf die Pole von gut vier Zehnteln deutet darauf hin, dass die Scuderia zwar im Spitzenfeld mitfährt, das letzte Quäntchen Performance für Q3-Bestzeiten aber derzeit eher bei McLaren und Mercedes liegen dürfte.
Verstappen ohne Balance, Lawson mit Ausrufezeichen
Für Max Verstappen war es ein Qualifying zum Vergessen, zumindest gemessen an den Ansprüchen eines Heimrennens. Platz sieben, mehr als vier Zehntel hinter der Pole, ist für den Red-Bull-Piloten vor niederländischem Publikum eine bittere Pille. Schon im Training hatte er mit über 1.3 Sekunden Rückstand auf die Spitze zu kämpfen gehabt, und auch am Samstag fand das Auto offenbar nicht die nötige Balance durch die schnellen, kurvigen Passagen von Zandvoort. Bei der mit Red Bull verbundenen Schwestermannschaft Racing Bulls sorgte unterdessen Liam Lawson mit Startplatz acht für die deutlich bessere Session im gesamten Red-Bull-Lager.
Bei Aston Martin lief das Wochenende hingegen komplett aus dem Ruder: Fernando Alonso schied auf Platz 18 aus, Lance Stroll landete noch dahinter auf 19. Für ein Team, das sich in den vergangenen Rennen zumindest sporadisch im Mittelfeld zeigen konnte, dürfte das ein herber Rückschlag sein, dessen Ursachen sich erst im Rennverlauf am Sonntag genauer einordnen lassen werden.
Der Grand Prix der Niederlande 2026 ist zugleich die letzte Austragung unter dem laufenden Vertrag, ein Umstand, der dem Wochenende in Zandvoort bereits jetzt eine gewisse Abschiedsstimmung verleiht. Mit Norris auf der Pole, Russell und Antonelli in unmittelbarer Reichweite und einem Verstappen, der von weiter hinten aufholen muss, dürfte das Hauptrennen am Sonntag einen offenen Titelkampf-Auftakt auf einer Strecke bieten, die sich danach vorerst aus dem Kalender verabschiedet.





