Max Verstappen: Was der Sieg von Sepang wirklich bedeutet, und was nicht

KUALA LUMPUR, MALAYSIA - OCTOBER 04: Race winner Max Verstappen of the Netherlands and Oracle Red Bull Racing lifts his trophy on the podium during the F1 Grand Prix of Bahrain in Malaysia at Sepang Circuit on October 04, 2026 in Kuala Lumpur, Malaysia. (Photo by Andy Hone/LAT Images)
Avatar von Marco Rossi
2–4 Minuten

Marco Rossi · F1-Korrespondent

Nach monatelanger Durststrecke gewinnt Max Verstappen in Malaysia wieder einmal mitten im Chaos, doch für den WM-Titel 2026 kommt dieser Befreiungsschlag zu spät.

Max Verstappen hat am Wochenende in Sepang seinen ersten Saisonsieg 2026 eingefahren, auf jener Strecke, auf die der ursprünglich in Bahrain geplante Grand Prix im Oktober verlegt worden war. Es war sein erster Triumph seit dem Saisonfinale 2025 in Abu Dhabi, eine Durststrecke von fast einem Jahr, die mit einem chaotischen Nachmittag in Malaysia endete. Der Erfolg bestätigt Verstappens Ausnahmestellung bei schwierigen Bedingungen, ändert an der Gesamtlage der Saison aber wenig: Für den Titelkampf kommt er zu spät, für den Rest des Jahres bleibt der Niederländer vor allem eines, der gefährlichste Einzelgänger im Feld.

Ein Sieg im Chaos, nicht im Vorbeifahren

Der Sieg in Sepang entstand unter Bedingungen, die man selten in dieser Häufung erlebt. Ein tropischer Wolkenbruch, Verzögerungen beim Start und Softwareprobleme bereits während der Formationsrunde sorgten für eines der chaotischsten Rennwochenenden der Saison. Genau in diesem Durcheinander zeigte Verstappen, was ihn seit Jahren von der Konkurrenz unterscheidet: die Fähigkeit, bei wechselnden Bedingungen zwischen Intermediates und Slicks genau dann zuzuschlagen, wenn andere zögern.

Konkurrenz-Pech kam hinzu. George Russell schied kurz vor Schluss mit einem technischen Defekt aus, nachdem er sich zuvor stark präsentiert hatte, während sich Ferrari bei der Strategie für Lewis Hamilton verkalkulierte. Beides öffnete Verstappen die Tür, durch die er fahrerisch sauber ging.

Die Einordnung ist deshalb nüchtern: Red Bull verfügte in Sepang über ein solides Auto, aber keines, das auf trockener Strecke plötzlich das Mass aller Dinge wäre. Der Sieg war das Produkt von Verstappens Klasse im Regen und einer fehlerfreien Teamarbeit im Durcheinander, nicht Beleg für einen aerodynamischen oder motorischen Sprung nach vorn.

Der Titelkampf scheint für Verstappen gelaufen

Formel 1
  1. 1. Andrea Kimi Antonelli 320 Pkt.
  2. 2. George Russell 236 Pkt.
  3. 3. Lewis Hamilton 214 Pkt.
  4. 4. Charles Leclerc 191 Pkt.
  5. 5. Lando Norris 188 Pkt.
  6. 6. Max Verstappen 188 Pkt.
  7. 7. Oscar Piastri 126 Pkt.
  8. 8. Isack Hadjar 93 Pkt.
  9. 9. Liam Lawson 63 Pkt.
  10. 10. Pierre Gasly 50 Pkt.

Mit Platz zwei in Malaysia baute WM-Spitzenreiter Kimi Antonelli seinen Vorsprung weiter aus. Der Mercedes-Pilot die Meisterschaft nun mit mehr als 80 Punkten vor seinem Teamkollegen Russell an, Verstappen liegt in dieser Rechnung noch weiter zurück. Für den Rest der Saison muss Antonelli seinen Vorsprung im Grunde nur verwalten, ein Fahrer, der konstant punktet und sich grosse Fehler nicht erlaubt.

Auf trockener Fahrbahn und auf Strecken ohne Renndrama bleibt der Mercedes das ausgewogenste Paket der Saison 2026, ein Umstand, der sich durch einen einzelnen Regensieg nicht widerlegen lässt. Red Bull ist in Sepang näher herangerückt, das ist unbestreitbar. Dass daraus ein automatischer Lauf von Siegen für die verbleibenden Rennen wird, lässt sich aus einem Chaos-Wochenende aber nicht ableiten. Wer nach diesem einen Sieg einen späten Verstappen-Titelkampf erwartet, dürfte enttäuscht werden.

Was realistisch bleibt: Podestkandidat und Wetterjoker

Realistisch ist dagegen, dass Verstappen an jedem verbleibenden Wochenende ein Anwärter auf das Podium bleibt, und dass er bei erneuten Regenschauern, Safety-Car-Phasen oder strategischer Verwirrung im Feld der gefährlichste Mann im Fahrerlager ist. Genau dafür hat er in Sepang den Beweis erneut geliefert, nicht zum ersten Mal in seiner Karriere, mit elf Saisons in Folge mit mindestens einem Grand-Prix-Sieg zieht er dabei mit Michael Schumacher gleich.

Der psychologische Effekt dürfte dabei grösser sein als der sportliche. Nach einer zähen Saison nimmt der Sieg Druck von Red Bull Racing und Motorenpartner Ford, er bestätigt, dass die Sieger-DNA im Team vorhanden ist, auch wenn das Auto sie nicht jede Woche abrufen lässt. Für den Titel 2026 kommt dieser Rückenwind zu spät. Für die Entwicklung des 2027er-Autos könnte er sich als genau jener Vertrauensbeweis erweisen, den Red Bull nach einem schwierigen Jahr gebraucht hat.