Klaus Weber · DTM-Korrespondent
Mit 197 Punkten reist Thomas Preining als Tabellenführer zum DTM-Saisonfinale nach Hockenheim, sein Vorsprung von 23 Zählern auf Maro Engel ist komfortabel, aber rechnerisch noch nicht titelentscheidend.
Thomas Preining geht als Titelverteidiger mit der besten Ausgangslage seiner DTM-Karriere in das Saisonfinale vom 9. bis 11. Oktober auf dem Hockenheimring. Nach 14 von 16 Rennen führt der Porsche-Pilot von Manthey EMA die Fahrerwertung mit 197 Punkten an, 23 vor Maro Engel im Mercedes-AMG und 24 vor dem zweimaligen Champion Marco Wittmann im BMW. Im badischen Motodrom werden in Qualifying und den beiden verbleibenden Rennen noch maximal 56 Punkte vergeben, womit der Titelkampf formal offen bleibt, auch wenn die Wahrscheinlichkeit klar zugunsten des Österreichers verschoben ist.
Die Rechnung vor dem Wochenende
Ein Vorsprung von 23 Punkten bei maximal 56 ausstehenden Zählern bedeutet, dass Preining den Titel nicht automatisch sicher hat, aber in mehreren Szenarien bereits am Samstag feststehen kann, sollte er das erste Rennen gewinnen und Engel gleichzeitig deutlich zurückfallen. Dafür muss die Lücke zu Engel nach dem Samstagsrennen auf über die Punktezahl anwachsen, die im Sonntagsrennen theoretisch noch aufzuholen wäre. Je nach Ausgang der Qualifyings, die in der DTM ebenfalls mit Punkten dotiert sind, verschiebt sich diese Rechnung minimal, bleibt aber im Kern simpel: Preining muss im Zweifel nur verwalten, was er sich in den letzten Wochen erarbeitet hat.
Wittmann und Engel benötigen dagegen nahezu perfekte Wochenenden bei gleichzeitigen Ausfällen oder schwachen Ergebnissen Preinings, um die Lücke noch zu schliessen. Rechnerisch im Rennen bleiben nach Angaben der DTM auch Lucas Auer, Matteo Cairoli und Nicki Thiim, deren Rückstand allerdings so gross ist, dass praktisch jedes Szenario eine Verkettung von Umständen voraussetzt, die über reine Fahrleistung hinausgeht.
Sechs Podien in Folge: Die Form des Titelverteidigers
Nach einem durchwachsenen Mittelteil der Saison hat Preining in der zweiten Saisonhälfte umgeschaltet. Sechs Podestplätze in Folge, darunter ein zweiter Platz auf dem Sachsenring, haben den Vorsprung erst entstehen lassen. Eine solche Serie entsteht in der DTM selten durch reines Tempo allein, sondern meist durch die Kombination aus konstantem Set-up und einer Crew, die im Boxenstopp-Fenster keine Zehntel verschenkt. Nach vier gemeinsamen Jahren mit Manthey EMA, seit 2023 durchgehend in den Punkten, kennt das Team die Eigenheiten des Porsche im Renntrimm genau genug, um auch bei wechselnden Streckenbedingungen eine passende Abstimmung zu finden.
Für Hockenheim mit seinen langen Geraden und dem vergleichsweise geringen Abtriebsbedarf ist das relevant: Wer hier im Qualifying-Trimm die Balance zwischen Topspeed und Traktion aus den beiden langsamen Schikanen trifft, sichert sich ein Startplatz-Polster, das angesichts der engen Feldstärke in der DTM schwer wieder aufzuholen ist. Preinings Konstanz der letzten Rennen spricht dafür, dass Manthey EMA genau diese Abstimmung zuletzt zuverlässig getroffen hat.
Die Verfolger: Engel, Wittmann und die Aussenseiter
Engel und Wittmann können rechnerisch nur dann eingreifen, wenn Preining Fehler macht oder technische Probleme ihn zurückwerfen. Beide haben in dieser Saison bereits gezeigt, dass sie auf schnellen Kursen konkurrenzfähig sind, Wittmann als zweifacher Champion kennt zudem den Umgang mit Finalwochenenden unter Druck. Für Engel dürfte vor allem das Qualifying entscheidend sein: Auf dem Hockenheimring mit seinen wenigen Überholmöglichkeiten wiegt ein schwacher Startplatz besonders schwer.
Für Auer, Cairoli und Thiim bleibt der Titel nach aktuellem Punktestand eine theoretische Option, die nur bei einem fast kollektiven Einbruch der Spitzenreiter greifen würde. Realistischer ist für sie das Ziel, im letzten Saisonrennen Podiumsplätze und damit Teamwertungs-Punkte mitzunehmen, bevor die Karten für die kommende Saison neu gemischt werden. Entscheiden dürfte sich der Titel damit vor allem zwischen Preining selbst und der Frage, ob Manthey EMA das Boxenstopp-Fenster am Wochenende so sauber trifft wie zuletzt, denn ein verlorener Zehntel an der richtigen Stelle reicht in einer so eng gestaffelten Meisterschaft, um aus 23 Punkten Vorsprung eine echte Zitterpartie zu machen.
Fahrerwertung
DTM- 1. Thomas Preining 197 Pkt.
- 2. Maro Engel 174 Pkt.
- 3. Marco Wittmann 173 Pkt.
- 4. Lucas Auer 152 Pkt.
- 5. Matteo Cairoli 150 Pkt.




