Bobby Travis · NASCAR/IndyCar-Korrespondent
Auf dem drei viertel Meilen langen Short Track von Richmond entschied ein später Reifenwechsel das Rennen, und Joey Logano nutzte ihn perfekt.
Christopher Bell wollte mit alten Reifen durchziehen und hatte die Führung schon in der Tasche. Aber Richmond ist gnadenlos mit Fahrern, die zu lange auf abgefahrener Gummimischung unterwegs sind. Joey Logano kam mit vier frischen Reifen aus seinem letzten Pit-Stop, jagte Bell mit 24 Runden verbleibend nieder und brachte den Sieg mit 0,392 Sekunden Vorsprung auf Chase Briscoe ins Ziel. Es war Loganos 39. Cup-Series-Sieg und sein zweiter des Jahres 2026.

Bells Undercut geht nach hinten los
Christopher Bell versuchte im letzten Green-Flag-Run das klassische Short-Track-Manöver: früh an die Box, auf frischer Strategie an den Leadern vorbeiziehen, während die anderen noch draussen blieben. Für ein paar Runden funktionierte es sogar, Bell übernahm die Führung und sah aus wie der Mann des Abends.
Aber die alten Reifen degradierten schneller, als sein Team gehofft hatte. Mit 25 Runden bis zum Ende brach der Grip weg, und sowohl Logano als auch Briscoe zogen mühelos vorbei. Bell fiel am Ende auf Platz sieben zurück, sichtbar frustriert über eine Strategie, die auf dem Papier gut aussah und auf der Strecke nicht aufging.
Logano dagegen hatte genau die Reifen, die er brauchte, als es zählte. Der Restart-Vorteil aus frischer Gummimischung liess ihn Bell in wenigen Umläufen einholen und die Führung übernehmen, die er bis zur Ziellinie nicht mehr hergab.
Penske dominiert den Tag, Briscoe bleibt der grosse Verlierer trotz 171 geführter Runden

Ryan Blaney hatte den Ton schon in Qualifying und Stage 1 gesetzt. Pole-Position mit 22,225 Sekunden, seine vierte des Jahres, und danach 60 von 70 Runden an der Spitze, ehe er Stage 1 als Sieger abschloss, seinen sechsten Stage-Win der Saison. Blaney fiel im Rennverlauf zurück und beendete die Cook Out 400 nur mit einer Runde Rückstand auf Platz 13, aber der Auftakt gehörte klar ihm.
Chase Briscoe lieferte die eindrucksvollste Einzelleistung des Abends ab. Er übernahm den Restart zu Beginn von Stage 2 von Blaney und zeigte auf dem Short Track Speed, die kaum jemand mithalten konnte. 171 geführte Runden, mehr als jeder andere Fahrer im Feld, und in der Schlussphase kämpfte er sich bis auf 0,392 Sekunden an Logano heran. Am Ende reichte es nicht, Briscoe berichtete nach dem Rennen von Bremsproblemen an seinem Toyota, die ihm den letzten Push in den entscheidenden Runden nahmen.
Austin Cindric komplettierte das starke Penske-Wochenende mit Platz drei. Blaney gewann Stage 1, Logano nahm sich Stage 2 und das Gesamtrennen, Cindric stand am Ende mit auf dem Podium. Für die Playoffs ist das ein Signal: Logano sprang mit dem Sieg von Rang 17 auf Rang 9 in der Playoff-Wertung, genau zur richtigen Zeit vor der heissen Saisonphase. Nach dem Rennen liess er keinen Zweifel daran, wie er die kommenden Wochen einschätzt: ‘Don’t let the boys get hot… We’re pretty strong right now.’
Hocevar scheidet früh aus, nur elf Autos auf der Führungsrunde
Die einzige Caution der zweiten Stage kam auf Lap 125, als Zane Smith in Turn 2 die Kontrolle verlor und selbst in die Aussenmauer rutschte. Ansonsten blieb das Rennen lange grün, was auf einem Short Track wie Richmond bedeutet, dass Reifenmanagement und Strategie über das Ergebnis entscheiden, nicht Restarts unter Gelb.
Carson Hocevar erwischte es dagegen hart. Auf der Gegengeraden verlor sein Motor in Runde 285 plötzlich Leistung und stotterte aus, was eine weitere Caution auslöste. Bis Runde 310 war klar, dass der Antrieb im Nummer-77-Chevrolet nicht mehr zu retten war. Hocevar musste sein Auto abstellen und beendete den Abend mit 121 Runden Rückstand auf dem letzten Platz, ein bitterer Ausfall nach einer Saison, in der er sich zuletzt konstanter gezeigt hatte.
Nur elf Fahrzeuge kamen am Ende überhaupt auf der Führungsrunde ins Ziel, ein Beleg dafür, wie zermürbend die Cook Out 400 für Reifen und Material war. Für Logano und Penske ist der Blick jetzt nach vorne gerichtet, mit Rückenwind aus Richmond und einer Playoff-Position, die plötzlich deutlich komfortabler aussieht als noch vor diesem Wochenende. Für Briscoe bleibt die Erkenntnis, dass eine dominante Leistung auf dem Short Track allein noch keinen Sieg garantiert, wenn die Bremsen in den entscheidenden Runden nachlassen.






