Henri Dubois · Endurance-Korrespondent
Der Automobil-Weltverband und der Automobile Club de l’Ouest haben ihre Zusammenarbeit für die Langstrecken-Weltmeisterschaft um ein weiteres Jahrzehnt verlängert und damit Wochen der Spekulation über eine mögliche Trennung beendet.
Die FIA und der Automobile Club de l’Ouest (ACO) haben die Verlängerung ihrer Partnerschaft für die FIA Langstrecken-Weltmeisterschaft (WEC) bekannt gegeben. Der neue Zehn-Jahres-Vertrag schliesst nahtlos an die bisherige, Ende 2027 auslaufende Vereinbarung an und sichert die Ausrichtung der Serie damit bis Ende 2037 ab, inklusive der 24 Stunden von Le Mans als weiterhin zentralem Höhepunkt des Kalenders.
Eine Entscheidung mit langem Vorlauf
Wer den Langstreckensport seit Jahren begleitet, weiss, dass Stabilität hier selten ein Nebensatz ist, sondern die Grundlage, auf der Hersteller ihre Programme überhaupt erst planen. Ein Hypercar-Projekt, von der ersten Reglement-Lektüre bis zum ersten Einsatz in Le Mans, braucht Jahre der Entwicklung, gebundenes Personal und Budgets, die sich nur rechtfertigen lassen, wenn die Serie, in der man antritt, über den nächsten Zyklus hinaus Bestand hat. Genau das liefert die neue Vereinbarung: keine kurzfristige Verlängerung um eine oder zwei Saisons, sondern ein Jahrzehnt, das Herstellern, Kundenteams und Sponsoren im gegenwärtig sehr dicht besetzten Feld der Hypercar- und LMGT3-Klasse eine Verlässlichkeit gibt, die in der jüngeren Geschichte des Langstreckensports selten war.
Dass die Entscheidung nun fällt, wenige Jahre bevor der alte Vertrag überhaupt ausgelaufen wäre, liest sich als bewusstes Signal an genau diese Zielgruppe. Wer heute über ein Werksengagement ab 2028 oder später nachdenkt, kann das nun mit der Gewissheit tun, dass die WEC als gemeinsames Projekt von FIA und ACO bis mindestens 2037 fortbesteht, ohne die Unsicherheit einer erneuten Verhandlungsrunde in wenigen Jahren.
Wochen der Gerüchte, ein klares Ende
Der Bekanntgabe gingen Wochen voraus, in denen Motorsportmedien über mögliche Spannungen zwischen den beiden Organisationen oder gar über eine Trennung spekulierten. Solche Phasen der Unsicherheit sind für eine Serie, die von langfristigen Werksverpflichtungen lebt, nie folgenlos, selbst wenn sich am Ende nichts Substanzielles dahinter verbirgt. Mit dem nun unterschriebenen Zehn-Jahres-Vertrag sind diese Gerüchte ausgeräumt, und die Botschaft an das Fahrerlager ist unmissverständlich: die seit der WEC-Gründung 2012 bestehende Partnerschaft zwischen FIA und ACO wird nicht nur fortgesetzt, sondern für einen deutlich längeren Zeitraum festgeschrieben, als es der bisherige Vertragsrhythmus vorsah.
Reglement, Homologation und mehr FIA im Bild
Inhaltlich bleibt die Arbeitsteilung im Kern unverändert. Sämtliche technischen und sportlichen Regelwerke werden weiterhin gemeinsam erarbeitet und durchlaufen die etablierten Gremien, die FIA Endurance Commission sowie den FIA World Motor Sport Council, bevor sie in Kraft treten. Für die Hersteller dürfte vor allem eine Änderung im operativen Alltag spürbar werden: der Homologationsprozess für Hypercars wurde vereinfacht und gestrafft, was bedeutet, dass technische Freigaben und die fortlaufende Balance-of-Performance-Abstimmung künftig mit weniger administrativem Aufwand erfolgen sollen, ein Detail, das in einer Klasse mit derzeit zahlreichen Herstellermarken durchaus Gewicht hat.
Sichtbar wird die neue Vereinbarung für Fans zudem an einer verstärkten Präsenz der FIA innerhalb der Meisterschaft, im Parc Fermé, auf dem Podium, an den Safety-Cars und in den TV-Übertragungen. Ein Detail, das für sich genommen unspektakulär wirkt, aber zeigt, dass der Weltverband seine Rolle in der WEC nicht zurückfährt, sondern ausbaut.
Stimmen der Verantwortlichen und ein Ausblick
FIA-Präsident Mohammed Ben Sulayem bezeichnete das Abkommen als “deal of the century”, der die historische Zusammenarbeit stärke und das Fundament für ein Jahrzehnt des Wachstums lege, wie er erklärte. ACO-Präsident Pierre Fillon betonte seinerseits die seit der Gründung der WEC im Jahr 2012 gewachsene Partnerschaft auf Augenhöhe und das gemeinsame Ziel, den Langstreckensport weltweit weiter auszubauen.
Für die kommenden Saisons bedeutet die Verlängerung vor allem eines: Ruhe im Hintergrund, während im Feld selbst der Wettbewerb zwischen den Hypercar-Herstellern und den zahlreichen LMGT3-Programmen weiter zunimmt. Ob sich das goldene Zeitalter, von dem im Zusammenhang mit dieser Entscheidung die Rede ist, tatsächlich über die vollen zehn Jahre trägt, wird sich erst über kommende Reglement-Zyklen und Werksentscheidungen zeigen, doch die vertragliche Grundlage dafür ist mit dieser Verlängerung bis Ende 2037 gelegt.





