Ericsson jagt Grosjean nieder: Chaostage von Markham enden mit Honda-Festival

Marcus Ericsson - Ontario Honda Dealers Indy at Markham - By: Joe Skibinski
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Bobby Travis · NASCAR/IndyCar-Korrespondent

Nach einem abgesagten Trainingstag und einer historischen Pole für Louis Foster verwandelte sich das Strassenrennen in Markham in ein Trümmerfeld, aus dem Marcus Ericsson als Sieger hervorging.

Markham hat sich am Wochenende als Nachfolger von Toronto in den IndyCar-Kalender eingeschrieben, und der Einstand war alles andere als ruhig. Schon der Freitag ging komplett verloren, weil der Streckenbau nicht rechtzeitig fertig wurde, und was blieb, war ein einziger, vollgepackter Samstag mit beiden Trainings und dem Qualifying hintereinander weg. Am Sonntag lieferte der neue 12-Kurven-Kurs dann genau das Bild, das Pole-Sitter Louis Foster vorher angekündigt hatte: Mauerkontakt, Trümmer und ein Feld, das am Ende nur noch aus 14 laufenden Autos von 25 Startern bestand.

Verlorener Freitag, Fosters Traumrunde

Der Fahrplan geriet schon vor dem ersten gefahrenen Meter durcheinander. Veranstalter Green Savoree bekam die Sicherheitsinfrastruktur, darunter Fussgängerbrücken und die Ausschnitte für die Streckenposten in den Betonmauern, nicht rechtzeitig fertig. IndyCar-Präsident J. Douglas Boles liess seinem Ärger freien Lauf und sprach von einer Enttäuschung über den Promoter, trotz erheblicher Unterstützung durch die eigene Serie vor Ort. Für die Fans, die am Fan-Freitag vor einer leeren Strecke sassen, war das ein herber Fehlstart in ein Rennwochenende, das eigentlich als Prestigeprojekt gedacht war.

Alex Palou - Ontario Honda Dealers Indy at Markham - By: Joe Skibinski
Alex Palou – Ontario Honda Dealers Indy at Markham – By: Joe Skibinski

Sportlich verschob sich dadurch alles auf Samstag. Im ersten Training war Álex Palou der Schnellste vor Caio Collet und Louis Foster, im zweiten drehte sich das Bild komplett: Foster setzte sich an die Spitze, vor Marcus Ericsson, David Malukas, Kyle Kirkwood und Mick Schumacher. Rahal Letterman Lanigan und Andretti Global zeigten früh, dass sie mit dem engen Layout am besten zurechtkamen, während sich am anderen Ende des Feldes bereits andeutete, wer Probleme bekommen würde.

Im Qualifying machte Foster daraus seine erste Karriere-Pole, vor Christian Lundgaard und Scott McLaughlin, mit Ericsson auf Startplatz vier und Dennis Hauger auf fünf. Ganz anders lief es für den Meisterschaftsführenden Palou: Er landete nur auf Startplatz zwölf, das erste Mal seit 30 Rennen ausserhalb der Top zehn. Dazu kam für Alexander Rossi eine Sechs-Plätze-Strafe wegen eines nicht genehmigten Motorenwechsels, die ihn trotz einer eigentlich starken Rundenzeit auf Startplatz vierzehn zurückwarf.

Ein Renntag, der Blechschäden sät

Louis Foster - Ontario Honda Dealers Indy at Markham - By: James Black
Louis Foster – Ontario Honda Dealers Indy at Markham – By: James Black

Neunzig Runden auf engstem Raum, Mauern auf beiden Seiten, kein Auslauf. Genau das kostete Louis Foster den Traum vom perfekten Wochenende. Auf Runde 43, mitten im direkten Duell mit Ericsson um die Führung, streifte er die innere Mauer in Kurve drei und krachte im Anschluss frontal in die äussere Betonbarriere. Von der Pole zum Ausfall, Endplatzierung 22, ein Absturz um 21 Positionen, der die bittere Kehrseite eines starken Trainings- und Qualifyingauftritts zeigt.

Er war nicht der Einzige, der die engen Mauern zu spüren bekam. Mick Schumacher schied bereits auf Runde 15 in Kurve vier nach Kontakt mit der Innenmauer aus, Titelkandidat Kyle Kirkwood traf es auf Runde 53 in Kurve drei, als er zunächst die Innenmauer touchierte und danach hart in die Aussenbarriere geschleudert wurde, sein Rennen und ein Stück seiner Meisterschaftschancen waren damit vorbei. Caio Collet kassierte schon in der ersten Runde Kontakt mit Felix Rosenqvist, fuhr mit verbogenem Radaufhängungsteil und Plattfuss sofort an die Box und rollte am Ende auf Runde 67 endgültig aus. Alexander Rossi wiederum geriet nach einem Restart auf Runde 50 mit Palou aneinander, holte sich einen Reifenschaden und musste auf Runde 66 mit einem technischen Defekt endgültig aufgeben.

Für zusätzliches Chaos sorgte Dennis Hauger, der in Kurve acht das linke Hinterrad von Scott Dixons Ganassi-Auto touchierte. Dixon drehte sich in Christian Rasmussen hinein, dessen Rennen damit sofort beendet war, während sich Dixon mit schwerem Aufhängungsschaden noch sechs Runden zurück ins Ziel schleppte. Hauger selbst, von Startplatz fünf losgefahren, drehte sich auf der vorletzten Runde noch einmal von der Strecke und wurde am Ende nur als Fünfzehnter gewertet, ein Absturz um zehn Plätze, der zeigt, wie schnell sich in Markham ein starkes Wochenende ins Gegenteil verkehren konnte.

Ericsson vollendet die Aufholjagd

Während vorne die Trümmer flogen, baute sich Marcus Ericsson seinen Weg zum Sieg in Ruhe auf. Nach seinem Boxenstopp auf Runde 69 lag er zunächst nur auf Platz sieben, arbeitete sich dann aber Runde für Runde nach vorne und stellte Romain Grosjean vier Runden vor Schluss vor die Wahl: verteidigen oder verlieren. Grosjean, der bereits 28 Runden in Führung gelegen und seinen Sprit bis auf den letzten Tropfen gestreckt hatte, musste die Position abgeben. Für Ericsson war es der fünfte Karrieresieg und der erste seit St. Petersburg 2023, nach 63 sieglosen Rennen ein Comeback mit Ansage.

Romain Grosjean - Ontario Honda Dealers Indy at Markham - By: Joe Skibinski
Romain Grosjean – Ontario Honda Dealers Indy at Markham – By: Joe Skibinski

Für Grosjean blieb die Enttäuschung über die knapp verpasste Premiere. Er räumte nach dem Rennen offen ein, dass ihn das Ergebnis mitgenommen habe, sprach von ein paar Tränen, betonte aber zugleich, alles gegeben zu haben, was in seiner Macht stand. Sein zweiter Platz bleibt trotzdem das beste Resultat seiner Saison und ein Ausrufezeichen für Dale Coyne Racing auf einer Strecke, die eigentlich für die grossen Teams gemacht schien.

Will Power komplettierte mit Platz drei eine solide Aufholfahrt für Andretti Global, und mit Álex Palou auf Rang vier stand am Ende ein kompletter Honda-Vierfachsieg zu Buche, Ericsson, Grosjean, Power und Palou, alle mit dem japanischen Motor im Heck. Für Palou zählte am Ende vor allem eines: Trotz Startplatz zwölf, seinem schlechtesten Startergebnis seit 30 Rennen, brachte er das Auto ruhig und fehlerfrei nach vorne und baute seinen Vorsprung in der Meisterschaft auf 133 Punkte aus.

Aufsteiger, Absteiger und der Blick nach vorn

Pato O'Ward - Ontario Honda Dealers Indy at Markham - By: Joe Skibinski
Pato O’Ward – Ontario Honda Dealers Indy at Markham – By: Joe Skibinski

Zwischen dem Podium und dem Trümmerfeld gab es im Mittelfeld einige bemerkenswerte Fahrten nach vorne. Pato O’Ward kletterte von Startplatz 20 bis auf Platz fünf im Ziel, ein Sprung um 15 Positionen, der zeigt, wie viel auf diesem chaotischen Kurs durch cleveres Fahren und das richtige Timing bei den Cautions möglich war. Santino Ferrucci machte aus Startplatz 21 einen zehnten Platz, elf Positionen gutgemacht, während Josef Newgarden, nach einem verkorksten Qualifying nur von Startplatz 25 losgefahren, sich bis auf Rang 13 nach vorne kämpfte, ein Plus von zwölf Plätzen.

Auf der anderen Seite der Bilanz stehen jene, die einen starken Samstag nicht in ein entsprechendes Sonntagsergebnis ummünzen konnten. David Malukas fiel von Startplatz sieben auf Platz 17 zurück, Dennis Hauger rutschte trotz Startplatz fünf am Ende nur auf Rang 15, und mit Kirkwood und Foster verloren zwei Fahrer, die sich für einen Podestplatz in Position gebracht hatten, ihr Rennen komplett durch Mauerkontakt. Scott Dixon rettete sich nach dem Hauger-Zwischenfall mit sechs Runden Rückstand wenigstens noch ins Ziel.

Für die Meisterschaft bedeutet der Tag vor allem eines: Kirkwoods Ausfall auf Runde 53 hat Palous Vorsprung an der Spitze noch einmal deutlich vergrössert, und mit 133 Punkten Differenz rückt für den WM-Spitzenreiter seine fünfte Krone in greifbare Nähe. Wie das Feld auf einen derart chaotischen Renntag reagiert, ob die Absteiger von Markham beim nächsten Event Revanche nehmen können und ob Grosjean seine starke Form aus Markham in seinen ersten Sieg ummünzt, das wird der nächste Blick auf den Kalender zeigen müssen.

Romain Grosjean, Marcus Ericsson and Will Power - Ontario Honda Dealers Indy at Markham - By: Chris Owens
Romain Grosjean, Marcus Ericsson and Will Power – Ontario Honda Dealers Indy at Markham – By: Chris Owens