Bobby Travis · NASCAR/IndyCar-Korrespondent
Auf dem Roadcourse im Herzen Oregons drehte Marcus Armstrong im zweiten Freien Training auf und stellte die gesamte Konkurrenz, inklusive Punkteführer Álex Palou, in den Schatten.
Portland International Raceway, zwölf Kurven, knapp zwei Meilen Asphalt zwischen den Bäumen am Columbia River. Im ersten Training hatte noch Álex Palou das Tempo vorgegeben, ruhig und kontrolliert, wie man es von einem Mann erwartet, der seine vierte Meisterschaft in Serie anpeilt. Im zweiten Durchgang am Samstagnachmittag drehte sich das Bild. Marcus Armstrong fuhr die schnellste Runde des gesamten Wochenendes und schickte damit ein klares Signal Richtung Qualifying.
Armstrong und Meyer Shank mischen die Reihenfolge auf
58,2981 Sekunden, das war die Zeit, mit der Armstrong am Ende der Session ganz oben stand. Drei Zehntel schneller als Palou auf Platz zwei, das ist auf einem technischen Roadcourse wie Portland keine Kleinigkeit. Im ersten Training hatte Armstrong noch auf Platz vierzehn gelegen, fast sechs Zehntel hinter der Spitze. Der Sprung ins erste Zehntel innerhalb einer Session zeigt, wie eng das Feld bei diesem Event beisammen liegt und wie viel Potenzial in den Longruns noch versteckt war.
Noch bemerkenswerter: Teamkollege Felix Rosenqvist reihte sich auf Platz vier ein, nur eine Zehntelsekunde vor David Malukas. Meyer Shank Racing with Curb-Agajanian schickt damit zwei Autos in die erste Startreihen-Diskussion, ein Bild, das man von diesem Team nicht jedes Wochenende sieht. Für die Truppe aus Ohio ist das genau die Art Session, die vor dem Qualifying Selbstvertrauen gibt.
Palou bleibt vorn dran, Dixon bestätigt die Ganassi-Stärke
Palou verlor zwar die Spitze an Armstrong, blieb aber dort, wo er in dieser Saison fast immer zu finden ist: ganz vorne im Klassement. Mit Blick auf die Meisterschaft ist das die eigentliche Nachricht des Nachmittags. Der Ganassi-Pilot führt die Punktewertung mit 83 Zählern Vorsprung auf Malukas und 87 auf Kirkwood an, und ein Wochenende ohne rote Fahnen im eigenen Auto ist für ihn schlicht ein gutes Wochenende.
Scott Dixon rundete mit Platz drei ein starkes Bild für Chip Ganassi Racing ab. Der Neuseeländer war im ersten Training noch auf Rang elf gelandet, fast eine halbe Sekunde zurück. Die Steigerung um acht Positionen innerhalb einer Session deutet darauf hin, dass das Ganassi-Ingenieursteam über Nacht und zwischen den Sessions am Set-up gearbeitet hat, mit sichtbarem Erfolg. Kyffin Simpson als dritter Ganassi-Fahrer blieb dagegen mit Platz neunzehn deutlich zurück, ein Hinweis darauf, dass die Fortschritte nicht bei allen Autos im Team gleichermassen ankamen.

Kirkwood und VeeKay verlieren Boden, Malukas unter Beobachtung
Nicht jeder konnte den Aufwärtstrend seiner ersten Session bestätigen. Kyle Kirkwood, im ersten Training noch Zweiter, fiel im zweiten Durchgang auf Platz neun zurück, mit einem Rückstand von über einer halben Sekunde auf Armstrong. Rinus VeeKay erging es ähnlich, von Platz drei ging es für den Juncos-Hollinger-Piloten auf Rang vierzehn. Beide bleiben damit im Mittelfeld der Longrun-Daten hinter den Teams, die im zweiten Training sichtbar zulegten.
Bei David Malukas richtet sich der Blick ohnehin nicht nur auf die reine Rundenzeit. Der Penske-Fahrer, der nach seinem Nashville-Unfall eine Startplatz-Strafe wegen eines nicht genehmigten Motorenwechsels kassiert hat, zeigte mit Platz fünf, dass das Tempo im Auto stimmt, auch wenn er am Sonntag von weiter hinten losfahren muss. Das gleiche Muster gilt für Caio Collet, der ebenfalls mit einer Rückversetzung ins Rennen geht, im zweiten Training aber mit Platz siebzehn ein solides Zeichen setzte.
Mit dem Qualifying am Samstagabend rückt jetzt die Frage in den Vordergrund, wer aus diesen Longrun-Andeutungen eine schnelle Einzelrunde herausholen kann. Portland verzeiht wenig, die Kurvenkombinationen im Infield verlangen Präzision über zwölf Ecken hinweg, und wer im zweiten Training die Balance gefunden hat wie Armstrong und Dixon, geht mit breiter Brust in die Session, die tatsächlich über die Startaufstellung entscheidet.





