Klaus Weber · DTM-Korrespondent
Mit dem Abgang des Geschäftsführers verliert Audi Sport die letzte Führungsfigur, die noch für den Kundensport zuständig war, ein Signal, das über eine reine Personalie hinausgeht.
Rolf Michl, Geschäftsführer der Audi Sport GmbH, steht vor einer Versetzung nach China. Damit endet für Audi eine Personalie, die seit Jahren eng mit dem Kundensport-Programm der Marke verbunden war, DTM und GT3 eingeschlossen. Eine Nachbesetzung als Motorsportchef ist nicht vorgesehen, weil diese Position intern bereits nach dem Ende des Dakar-Projekts Anfang 2024 aufgelöst wurde. Der Zeitpunkt fällt damit in eine Phase, in der Audi seine Motorsport-Ressourcen ohnehin fast vollständig auf ein Projekt konzentriert: die Formel 1 ab 2026.
Eine Position, die es organisatorisch schon nicht mehr gibt
Der Abgang von Michl wirkt auf den ersten Blick wie eine klassische Personalentscheidung, ein Wechsel in eine andere Konzernregion. Strukturell bedeutet er aber mehr. Weil die Funktion des Motorsportchefs bei Audi Sport bereits seit dem Aus des Dakar-Programms nicht mehr besetzt war, übernahm Michl als Geschäftsführer faktisch auch diese Rolle mit. Mit seinem Weggang fällt damit die letzte klar zuständige Führungsebene für das verbliebene Kundensport-Geschäft weg, ohne dass eine neue geschaffen wird.
Das ist relevant, weil Kundensport-Programme wie das R8 LMS GT3 auf kontinuierliche Betreuung angewiesen sind, von der technischen Weiterentwicklung bis zur Kommunikation mit den Teams. Fehlt eine zentrale Ansprechstelle auf Geschäftsführungsebene, verschiebt sich diese Verantwortung in der Praxis nach unten oder verläuft sich in Zuständigkeiten, die nicht mehr eindeutig definiert sind.
Warum die Formel 1 alle Ressourcen bindet

Der Hauptgrund für den schrittweisen Rückzug aus GT3 und Tourenwagensport liegt in der Konzentration aller verfügbaren Mittel auf das F1-Projekt ab 2026. Bemerkenswert dabei: Das Formel-1-Engagement wurde organisatorisch komplett ausgegliedert, in ein eigenständiges Unternehmen namens Audi Formula Racing. Es lag damit nie im direkten Verantwortungsbereich der Audi Sport GmbH oder Rolf Michls selbst.
Diese Trennung erklärt, warum der Rückzug aus DTM und GT3 nicht als direkte Umschichtung von Budget in Richtung Formel 1 innerhalb derselben Struktur zu verstehen ist, sondern als parallele Entwicklung. Die Konzernpriorität liegt eindeutig bei der neuen Werksstruktur für die Formel 1, während die klassische Audi Sport GmbH mit deutlich reduziertem Auftrag weiterläuft.
Die Konsequenzen für DTM und GT3-Kundensport

Für die DTM sind die Folgen bereits sichtbar. Audi hat sein Fahrerkader aufgelöst und den Support für das R8-LMS-GT3-Programm auf das nötigste Minimum reduziert. Traditionsteams wie Abt Sportsline haben daraus Konsequenzen gezogen und sind zu anderen Herstellern gewechselt, ein Schritt, der zeigt, wie stark sich Kundenteams inzwischen auf werksseitige Unterstützung verlassen und wie schnell sie reagieren, wenn diese wegfällt.
Was von der Audi-Motorsport-Historie im engeren Sinn bleibt, ist im Wesentlichen die Sparte Audi Sport racing legends, über die historische DTM- und Le-Mans-Fahrzeuge an Sammler verkauft und betreut werden. Das ist Traditionspflege, kein aktives Renngeschäft, und markiert damit den Unterschied zwischen der Marke als Geschichtsträger und der Marke als aktivem Wettbewerber im Tourenwagen- und GT-Sport.
Eine Rückkehr in den GT3-Sport oder die DTM gilt derzeit als unwahrscheinlich. In Branchenkreisen wird höchstens über künftige Sportwagen-Plattformen spekuliert, sollte sich die Konzernstrategie nach dem Formel-1-Start wieder verschieben. Solange die Priorität aber vollständig auf der Formel 1 liegt, bleibt die DTM-Zukunft der vier Ringe offen, ohne dass sich daraus kurzfristig eine konkrete Perspektive ableiten lässt.




