Marco Rossi · F1-Korrespondent
Der neue Stadtkurs in Madrid liefert am Wochenende alles, was ein Formel-1-Event heute braucht, nur keine gute Show auf der Strecke selbst.
Die Premiere des Madring, des neuen Stadtkurses rund um das IFEMA-Messegelände in Madrid, hat in der Formel 1 eine Reaktion ausgelöst, wie sie selten so einheitlich ausfällt: Das Rahmenprogramm wurde gefeiert, die Rennstrecke selbst dagegen von mehreren Fahrern offen kritisiert. Grund ist ein Layout, das im Qualifying Nervenkitzel bietet, im Rennen aber kaum Überholchancen zulässt, ein Widerspruch, der nun sowohl das Fahrerlager als auch die sozialen Medien beschäftigt.
Die Fahrer: begeistert am Samstag, ernüchtert am Sonntag

Auf eine einzelne schnelle Runde bekommt der Madring von den Piloten durchweg gute Noten. Die Steilkurve La Monumental, die die Kurven 10 bis 12 bildet, verlangt Mut und Präzision und wurde von mehreren Fahrern als physisch fordernd und technisch anspruchsvoll beschrieben. Im Rennen kippte die Stimmung jedoch spürbar. Max Verstappen brachte es auf den Punkt und bezeichnete die Strecke als hervorragend für den Samstag, aber schlecht für den Rennsonntag, verbunden mit der Forderung nach mehr Mitspracherecht der Fahrer bei künftigen Streckenentwürfen.
Deutlicher wurden andere. Gabriel Bortoleto sagte, er sei während des Rennens „fast eingeschlafen“, und beklagte zusätzlich Kopfschmerzen durch die Bodenwellen in Kurve 5. Ollie Bearman nannte den Kurs eine „miserable Strecke zum Rennfahren“, man müsse kein Genie sein, um zu erkennen, dass hier keine Renn-Action entsteht. Kimi Antonelli äusserte, der Kurs lade kaum zum Überholen ein, Ansetzversuche würden in rund 80 Prozent der Fälle in Kollisionen enden, eine Einschätzung, die zumindest das grundsätzliche Problem der geringen Überholzonen bestätigt, auch wenn die genaue Quote naturgemäss eine subjektive Einschätzung des Fahrers bleibt.
Auch die beiden spanischen Lokalmatadoren fanden klare Worte. Fernando Alonso und Carlos Sainz gerieten in der engen Kurvenkombination 5 und 6 aneinander, und Alonso kritisierte darüber hinaus, dass das Reglement in der Steilkurve La Monumental den fahrerischen Unterschied verpuffen lasse, weil dort ohnehin alle voll auf dem Gas bleiben könnten. Lando Norris blieb konstruktiver und lieferte konkrete Vorschläge: Er forderte die Entfernung der langsamen Kurven 18 und 19 zugunsten einer langen Geraden mit breiter Haarnadel sowie eine verkürzte Boxengasse, um den Teams mehr strategische Flexibilität zu geben.
Der Streckendesigner verteidigt sein Werk, dämpft aber die Erwartungen
Jarno Zaffelli, Gründer des Designbüros Dromo und verantwortlich für das Layout des Madring, wies die Kritik nicht rundweg zurück, ordnete sie aber in den Kontext der baulichen Realität ein. Der Kurs sei kein Entwurf auf einem weissen Blatt Papier gewesen, sondern musste sich in ein dicht bebautes urbanes Areal aus Messehallen, bestehendem Strassennetz und Umweltauflagen einfügen, ein Spielraum, der laut Zaffelli von Anfang an stark eingeschränkt war.
Nach dem Rennen räumte er ein, dass die Überholmöglichkeiten nicht wie erhofft funktioniert hätten, unter anderem weil ursprünglich geplante Kiesbetten oder engere Kurvenradien aus Sicherheits- und Platzgründen im Nachhinein verändert werden mussten. Auf die Rufe nach einem grösseren Umbau reagierte er zurückhaltend: Aufgrund der infrastrukturellen Zwänge seien künftig nur minimale Anpassungen am Layout realistisch, eine Aussage, die den Forderungen von Norris und Verstappen nach substanziellen Änderungen wenig Hoffnung macht.
Die Fans: Volksfest vor Ort, Spott im Netz

Vor Ort in Madrid war die Stimmung ausgelassen. Die Rückkehr der Formel 1 in die Region, erstmals seit 1981 in Jarama, wurde von den spanischen Fans mit vollem Publikumsandrang, Konzerten und ausverkauften Tribünen rund um das IFEMA-Areal gefeiert. Als Grossveranstaltung funktionierte das Wochenende damit zweifellos.
Deutlich kälter fiel das Urteil in den sozialen Medien und Foren aus. Dort wurde das Rennen scharf als Parade kritisiert, teils spöttisch als „Monaco auf Spanisch“ bezeichnet. Der Vorwurf, den viele Nutzer formulierten: Die Formel 1 habe sich für Geld ein weiteres künstliches Stadtrennen ohne echten sportlichen Wert geschaffen, während traditionsreiche Strecken zunehmend um ihren Platz im Kalender kämpfen müssen.
Der Madring überzeugt damit als Bühne und Publikumsmagnet, fällt als Rennstrecke aber durch. Da die Fahrer offen Änderungen fordern und der Streckendesigner gleichzeitig nur begrenzten Spielraum einräumt, dürfte die Debatte um das Layout die Formel 1 bis weit in die nächste Saison hinein begleiten.





