Klaus Weber · DTM-Korrespondent
Mit einem dritten und einem zweiten Platz am Sachsenring hat sich Thomas Preining vor dem Saisonfinale am Hockenheimring einen Vorsprung von 23 Punkten auf Verfolger Maro Engel erarbeitet und geht als Favorit in das entscheidende Wochenende der Saison.
Thomas Preining führt die DTM-Gesamtwertung vor dem Saisonfinale am Hockenheimring am 10. Oktober mit 197 zu 174 Punkten vor Maro Engel (Winward Racing) an. Marco Wittmann (Schubert Motorsport) liegt mit 173 Punkten einen weiteren Zähler zurück auf Rang drei. Den Grundstein für den aktuellen Vorsprung legte der Porsche-Pilot von Manthey EMA am Sachsenring, wo er mit einem dritten Platz in Rennen eins und einem zweiten Platz in Rennen zwei das konstanteste Wochenende der drei Titelkandidaten ablieferte. Engel dagegen verlor im zweiten Rennen nach einer nachträglichen 15-Sekunden-Zeitstrafe für eine Kollision mit Kelvin van der Linde seinen fünften Platz und ging leer aus, das vergrösserte den Rückstand zusätzlich. Sollte sich Preining in Hockenheim durchsetzen, wäre es bereits sein zweiter DTM-Titel: 2023 hatte sich Preining mit Manthey EMA schon einmal die Krone geholt, als erster Porsche-Pilot und erster Österreicher der Serien-Geschichte.
Sachsenring: Konstanz statt Ausreisser
Im ersten Rennen setzte Marco Wittmann seine Pole praktisch eins zu eins um und gewann mit 0,450 Sekunden Vorsprung auf Jules Gounon, Preining komplettierte als Dritter das Podium mit 3,684 Sekunden Rückstand. Im zweiten Lauf drehte sich das Bild: Ben Dörr siegte von Startplatz vier aus, 1,219 Sekunden vor Preining, der sich von Startplatz sechs auf Rang zwei nach vorn arbeitete. Zwei Podestplätze an einem Wochenende bedeuten in einem Feld mit wechselnden Renntrimm-Gewinnern mehr für die Meisterschaft als ein einzelner Sieg mit schwächerem Gegenresultat, weil sie das Risiko eines Ausfalls über zwei Rennen verteilen.
Maro Engel, Preinings nächster Verfolger in der Gesamtwertung, sicherte sich im zweiten Qualifying zwar die Pole und fuhr im Rennen zunächst auf Position fünf, wurde von den Sportkommissaren nach dem Rennen aber wegen eines Kontakts mit Kelvin van der Linde in Kurve eins mit einer nachträglichen 15-Sekunden-Zeitstrafe belegt. Das Ergebnis: Engel rutschte aus den Punkten, während sich das gesamte Feld dahinter um eine Position nach vorn verschob. Genau in solchen nachträglichen Entscheidungen der Rennkommissare, nicht nur im direkten Vergleich auf der Strecke, entscheidet sich der Punkteabstand an der Spitze einer Saison. Preining selbst hält am Sachsenring mit 1:17.199 aus dem Jahr 2024 zudem den Streckenrekord, ein weiterer Beleg dafür, dass ihm die Strecke traditionell liegt.
Vier Jahre Kontinuität bei Manthey EMA

Preining bestreitet mit Manthey EMA bereits sein viertes gemeinsames Jahr in der DTM. Seit 2023 ist er ohne Unterbrechung in die Punkte gefahren, eine Serie, die in einer Meisterschaft mit enger Feldstärke und wechselnden Balance-of-Performance-Anpassungen keine Selbstverständlichkeit ist. Eine solche Konstanz entsteht in der Regel nicht durch einzelne Highlights, sondern durch ein Team, das Set-up-Entscheidungen über eine ganze Saison hinweg zuverlässig trifft und Rückschläge im Reglement schnell kompensiert.
Für ein Kundenteam wie Manthey EMA ist diese Zuverlässigkeit die eigentliche Grundlage für Meisterschaftsansprüche. Wo Werksteams oft kurzfristig auf technische Änderungen reagieren können, muss ein Kundenteam seine Stärke aus der Vorbereitung und aus der Abstimmung zwischen Fahrer und Ingenieuren ziehen. Dass Preining und sein Team diesen Weg über vier Jahre konsequent gegangen sind, erklärt einen guten Teil des aktuellen Vorsprungs.
Kein erster Titel, aber die Chance auf die Bestätigung
Ein Titelgewinn wäre für Preining nicht die erste, sondern bereits die zweite DTM-Meisterschaft seiner Karriere. Schon 2023 hatte er sich mit Manthey EMA als erster Porsche-Pilot und erster Österreicher der DTM-Geschichte die Krone geholt. Ein weiterer Titel in Hockenheim würde diesen historischen Erfolg von 2023 bestätigen und Preinings Status als einer der erfolgreichsten Fahrer der laufenden GT3-Ära der DTM untermauern.
23 Punkte vor dem letzten Wochenende der Saison sind ein komfortabler, aber kein unangreifbarer Vorsprung, zumal Hockenheim mit zwei Rennen gleich doppelt Gelegenheit für Punkteverschiebungen bietet. Engel muss auf einen Ausfall oder ein schwaches Wochenende von Preining hoffen und gleichzeitig selbst punkten, während für Wittmann mit 24 Rückstand rechnerisch beide vor ihm liegenden Fahrer patzen müssten. Wie das Kräfteverhältnis der letzten Wochen sich in Hockenheim fortsetzt, wird sich erst im direkten Duell auf der Strecke zeigen.





