Bobby Travis · NASCAR/IndyCar-Korrespondent
Ein gewagtes Four-Wide-Manöver beim Restart bringt Tyler Reddick zurück nach vorn, wenig später übernimmt er die Führung und wirbelt den Titelkampf im Chase durcheinander.
Tyler Reddick hat das Freeway Insurance 500 auf dem Phoenix Raceway gewonnen und damit seinen ersten Sieg seit April wieder eingefahren. Beim Restart 19 Runden vor Schluss setzte sich der Fahrer des 23XI-Racing-Teams mit einem riskanten Four-Wide-Manöver gegen Ty Gibbs, Chase Elliott und Ryan Blaney durch, übernahm wenig später die Führung und verteidigte sie bis zur Ziellinie gegen den von Pole gestarteten Blaney. Auf dem flachen Meilen-Oval in Arizona hatte der Nachmittag zugleich massive Folgen für den Titelkampf im Chase, allen voran für Tabellenführer Kyle Larson.
Der Move, der alles entschied
Joey Logano dominierte zunächst das Segment-Geschehen und gewann sowohl Stage 1 als auch Stage 2, ehe er sich im Rennverlauf auf Platz sechs einsortierte. Über weite Strecken des Rennens bestimmte jedoch Christopher Bell das Tempo und führte das Feld 85 Runden lang an, mehr als jeder andere Fahrer im Feld.
Die Entscheidung fiel beim Restart 19 Runden vor Schluss. Reddick ging auf zwei frischen Reifen ins Risiko und zog in einem Four-Wide-Move an Ty Gibbs, Chase Elliott und Ryan Blaney vorbei. Achtzehn Runden vor Schluss übernahm er schliesslich die Führung von Chase Briscoe und liess sie bis ins Ziel nicht mehr abreissen, 0,801 Sekunden vor Blaney, vor Elliott auf Platz drei und Bell auf Platz vier. Für Reddick war es der sechste Saisonsieg 2026, sein erster seit dem Erfolg in Kansas im April.
Larsons Horrortag wirbelt die Meisterschaft durcheinander
Für Kyle Larson, der als Tabellenführer mit deutlichem Punktevorsprung nach Phoenix gereist war, wurde der Nachmittag zum Albtraum. Von Startplatz 22 aus kämpfte er den ganzen Tag mit Handling-Problemen an seinem Chevrolet und blieb ohne Stage-Punkte. Über Teamfunk beschrieb er die Situation unverblümt: “No grip. No turn. Definitely no rear.”
Rund 30 Runden vor Schluss erlitt Larson einen Reifenschaden vorne rechts und krachte in der Einfahrt zu Kurve eins hart in die Aussenmauer. Der Schaden war zu gross für eine Reparatur, Larson schied aus und wurde als 34. gewertet.
Der Ausfall hat direkte Folgen für die Chase-Wertung. Larson war mit rund 49 Punkten Vorsprung nach Phoenix gekommen, nach dem Wochenende beträgt sein Vorsprung auf den neuen ersten Verfolger Christopher Bell nur noch 5 Punkte. Das Titelrennen vor den drei verbleibenden Rennen ist damit wieder weit offen.
Pech für Hamlin und Wallace, Doppelschlag bei den Dillons
Auch Denny Hamlin mischte lange auf Podestkurs mit, ehe ihn in Runde 221 unter grüner Flagge ein Reifenschaden hinten rechts an die Box zwang. Dort wurde er wegen zu hoher Geschwindigkeit in der Boxengasse bestraft, und weil kurz darauf nach Cody Wares Unfall die Caution kam, blieb er eine Runde zurück und kam nur als 28. ins Ziel. Bubba Wallace führte 52 Runden und hatte die Schlussphase lange im Griff, bis ihn unter der Gelbphase nach Larsons Unfall eine Geschwindigkeitsstrafe in der Boxengasse ans Ende zurückwarf. Er wurde 17.
Für Aufsehen sorgte zudem ein kurioser Doppelschlag der Brüder Dillon. Austin Dillon erlitt in der zweiten Stage in Runde 157 beim Einfahren in Kurve drei einen Reifenschaden hinten rechts, drehte sich und schlug in Kurve vier in die Aussenmauer ein, was sein Rennen als DNF beendete. Ausgerechnet unter der dadurch ausgelösten Caution fuhr sein jüngerer Bruder Ty Dillon am Wrack vorbei und erlitt dabei selbst einen Reifenschaden vorne rechts. Auch Cody Ware schied nach einem Reifenproblem in Runde 221 vorzeitig aus und wurde als 35. gewertet.
Die nächste Station des Chase ist am 25. Oktober der Talladega Superspeedway, und dort entscheidet traditionell nicht enger Verkehr auf einem flachen Oval, sondern echtes Pack-Racing über Fortune und Pech im Titelkampf. Nach dem engen Ergebnis von Phoenix dürfte dort kaum einer der Verfolger um Bell, Briscoe, Hamlin, Blaney und Logano bereit sein, Larson kampflos ziehen zu lassen.





