Wittmann siegt nach Startchaos, Kalender fährt Krisenwochenende zum Podium

DTM, 11. + 12. Rennen Nürburgring 2026 #11 BMW M4 GT3 Evo, Schubert Motorsport: Marco Wittmann - picture by Gruppe C Photography
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Klaus Weber · DTM-Korrespondent

Nach einer Kollision in Kurve 2 und einer Safety-Car-Phase setzte sich Marco Wittmann im zweiten Rennen am Nürburgring durch, während Titelfavorit Matteo Cairoli seinen Samstag-Dominanzauftritt nicht bestätigen konnte.

Marco Wittmann gewann Rennen 2 am Nürburgring in 1:00:11.283 Stunden und verwies Tom Kalender (Mercedes-AMG Team Landgraf) um 0,517 Sekunden auf Platz zwei. Thomas Preining komplettierte das Podium mit einem Rückstand von 0,918 Sekunden auf Wittmann. Die Enge an der Spitze, drei Fahrer innerhalb einer Sekunde nach über einer Stunde Renndauer, war das direkte Ergebnis einer Safety-Car-Phase, die das Feld nach einer Kollision in der zweiten Kurve neu zusammenschob.

Kollision in Kurve 2 entscheidet über Wittmanns Ausgangslage

DTM, 11. + 12. Rennen Nürburgring 2026 #3 BMW M4 GT3 Evo, Schubert Motorsport: Kelvin van der Linde - picture by Gruppe C Photography
Kelvin van der Linde – picture by Gruppe C Photography | ADAC

In der ersten Runde kollidierte Meisterschaftsführender Maro Engel mit seinem Mercedes-Markenkollegen Lucas Auer. Auer wurde dabei in eine Drehung versetzt und rutschte direkt in den Schubert-BMW von Kelvin van der Linde. Alle drei Fahrzeuge trugen erheblichen Schaden davon, van der Linde musste sein Auto sofort abstellen, Engel fiel ebenfalls aus, klassifiziert als DNF auf Position 18. Auer tauchte danach nicht mehr in der Wertung auf.

Die Konsequenz für das Feld: Race Control schickte das Safety Car auf die Strecke, das Rennen wurde neu formiert. Für Schubert Motorsport bedeutete der Ausfall des einen Fahrzeugs keinen verlorenen Punktetag, im Gegenteil. Marco Wittmann übernahm nach dem Restart die Führung und verteidigte sie bis zur Zielflagge, während sein Teamkollege van der Linde bereits an der Box stand. Ein Team, zwei völlig unterschiedliche Renntage, das zeigt, wie stark einzelne Zwischenfälle in einem dicht gepackten Feld auf das Ergebnis durchschlagen können, ohne dass es an der reinen Fahrzeugleistung liegt.

Kalenders Wiedergutmachung nach der NGK-Schikane

DTM, 9. + 10. Rennen Oschersleben 2026 #84 Mercedes-AMG GT3 EVO, Landgraf Motorsport: Tom Kalender - picture by Gruppe C Photography
Tom Kalender – picture by Gruppe C Photography | ADAC

Für Tom Kalender war Rennen 2 die direkte Antwort auf einen verlorenen Samstag. Acht Minuten nach dem Start von Rennen 1 war er an der NGK-Schikane mit Nicki Thiim kollidiert, mit so schwerem Schaden am Mercedes, dass ein Weiterfahren nicht mehr möglich war. Die Rennleitung belegte Thiim im Nachgang mit einer Strafrunde, an der Kalender das Wochenende jedoch nichts mehr änderte, er blieb ohne Punkte aus Rennen 1.

Am Sonntag drehte sich das Bild um. Kalender qualifizierte sich bereits am Samstagnachmittag für Rennen 2 auf Startplatz elf und arbeitete sich im Rennen bis auf 0,517 Sekunden an Wittmann heran. Der Rückstand von Startplatz elf auf Platz zwei innerhalb einer Renndistanz von rund einer Stunde ist ein Wert, der für eine konsequente Reifen- und Rundenzeitenbilanz über die gesamte Distanz spricht und nicht für einen einzelnen glücklichen Umstand während der Safety-Car-Phase.

Cairolis Nullrunde verschiebt die Wochenendwertung

Wer den Samstag dominiert hatte, tat sich am Sonntag schwer: Matteo Cairoli, Sieger von Rennen 1 und Pole-Setter in Qualifying 1, kam in Rennen 2 nicht über Platz 13 hinaus, 19,501 Sekunden hinter Wittmann und ohne Punkte. In der addierten Wochenendwertung aus beiden Qualifyings und beiden Rennen führt damit nun Wittmann mit 40 Punkten vor Preining mit 35 und Cairoli mit 29, eine Verschiebung, die allein durch das punktlose Rennen 2 von Cairoli und den Sieg von Wittmann zustande kommt.

Im Mittelfeld bestätigte sich, dass Rennen 1 für mehrere Teams keine verlässliche Formkurve war. Arjun Maini, der in Qualifying 1 mit über 42 Sekunden Rückstand chancenlos war und in Rennen 1 ausfiel, fuhr für HRT Ford Performance auf Platz vier, nur 2,571 Sekunden hinter der Spitze. Mirko Bortolotti, ebenfalls ohne Zielankunft am Samstag, holte für GRT Grasser Racing Team Platz fünf. Beide Ergebnisse zeigen, dass ein Ausfall am Samstag nicht automatisch das Renntempo für den Sonntag beschädigt, sofern das Auto unbeschädigt bleibt und das Set-up trägt.

Auffällig war zudem die schnellste Rennrunde von Finn Wiebelhaus, der trotz 59,586 Sekunden Rückstand und Platz 16 am Ende die Bestzeit des Rennens markierte, ein Hinweis darauf, dass sein HRT-Ford im freien Verkehr gegen Ende deutlich mehr Potenzial zeigte, als die Platzierung vermuten lässt. Für die Team- und Fahrerwertung bleibt damit ein enges Feld mit drei ernsthaften Kandidaten an der Spitze, und die Frage, ob Cairoli seine Samstagsform am nächsten Wochenende zurückholt, dürfte die nächste entscheidende Momentaufnahme der Saison liefern.