Marco Rossi · F1-Korrespondent
Elf Tausendstelsekunden entschieden über die Pole-Position beim ersten Formel-1-Wochenende auf dem neuen Stadtkurs in Madrid, und ausgerechnet Lando Norris rettete sie sich nach einem verpatzten Trainingstag.
Lando Norris hat sich am Samstag die Pole-Position für den Grossen Preis von Spanien gesichert, das erste Formel-1-Rennen überhaupt auf dem neu gebauten Stadtkurs in Madrid. Mit 1:31,824 Minuten liess der McLaren-Pilot Andrea Kimi Antonelli im Mercedes um lediglich 0,011 Sekunden hinter sich, den knappsten Vorsprung einer Qualifying-Session in dieser Saison. Für Norris war es die Antwort auf einen Freitag, den er lieber vergessen würde: Ein Getriebeproblem hatte ihm fast das komplette zweite Training gekostet, und auch im dritten Training reichte es nur für Platz vier hinter Antonelli, Leclerc und seinem Teamkollegen Piastri.
Elf Tausendstel als Antwort

Wer die drei Trainingssessions verfolgt hatte, konnte sich die Pole für Norris kaum vorstellen. Mercedes und Ferrari hatten mit Antonelli, Leclerc und Hamilton über weite Strecken des Wochenendes die Bestzeiten unter sich ausgemacht, während der McLaren-Pilot in FP2 wegen des Getriebeschadens praktisch ohne Rundenzeit blieb und in FP3 erst auf Platz vier landete. Dass er im entscheidenden Moment von Q3 dennoch die schnellste Runde des Wochenendes hinlegte, spricht für die Fähigkeit, unter Druck genau dann zuzulegen, wenn es zählt.
Antonelli liess sich davon nicht beeindrucken und blieb bis auf jene elf Tausendstel dran, ein Ergebnis, das seine bisherige Form in dieser Saison bestätigt. Der Mercedes-Youngster führt die Fahrerwertung an, und eine Startposition in Schlagdistanz zur Pole passt in dieses Bild. Verstappen komplettierte als Dritter die Spitzengruppe und bleibt damit im Titelkampf ein Faktor, auch wenn der Rückstand von 0,140 Sekunden auf Norris zeigt, dass Red Bull an diesem Wochenende nicht die schnellste Paarung stellte.
Ferrari dicht beieinander, Lawson und Colapinto als Ausreisser
Hinter dem Spitzentrio ordneten sich Lewis Hamilton und Charles Leclerc auf den Positionen vier und fünf ein, mit nur sechs Tausendstelsekunden zwischen den beiden Ferrari-Piloten. Für Hamilton, der in dieser Saison bereits gezeigt hat, dass er mit dem Auto zurechtkommt, ist Startplatz vier eine solide Ausgangslage für einen Podestplatz, auch wenn die Startreihe eins ausser Reichweite blieb. George Russell reihte sich als Sechster ein, direkt vor Oscar Piastri, der als Teamkollege von Norris mit Startplatz sieben zurückblieb.
Auffällig war das Abschneiden von Liam Lawson und Franco Colapinto, die mit den Positionen acht und neun deutlich vor dem erwarteten Mittelfeld landeten. Für Colapinto, der bei Alpine um seinen Platz im Feld kämpft, dürfte diese Qualifying-Leistung ein wichtiges Argument sein. Arvid Lindblad rundete die Top Zehn ab und bestätigte damit seine solide Formkurve der letzten Wochenenden.
Enttäuschung vor heimischem Publikum, Sorgen um Bearman
Für die beiden spanischen Fahrer verlief der Nachmittag deutlich weniger erfreulich. Carlos Sainz schied im Williams als 17. bereits in Q1 aus, Fernando Alonso musste sich mit Startplatz 18 zufriedengeben, beide vor heimischem Publikum auf einer komplett neuen Strecke in ihrem eigenen Land. Für Alonso, der seine Karriere in den letzten Jahren zunehmend im hinteren Feld verbringt, ist es ein weiterer Beleg dafür, wie schwer sich Aston Martin aktuell tut, während Sainz bei Williams um Anschluss an das Mittelfeld kämpft.
Oliver Bearman fehlte im Qualifying komplett, nachdem er im dritten freien Training kurz vor Schluss schwer verunglückt war und sein Haas nicht mehr rechtzeitig repariert werden konnte. Das Fahrerlager wird am Sonntag genau beobachten, in welcher Verfassung der Brite an den Start geht, sofern sein Auto überhaupt einsatzbereit ist.
Der Premierenauftritt der Formel 1 auf dem neuen Madrider Stadtkurs hat mit einem der knappsten Qualifyings der Saison begonnen, und die Charakteristik der Strecke, eng, mit wenigen Auslaufzonen, lässt für das Rennen selbst einiges erwarten. Überholmanöver dürften hier zum Wagnis werden, Safety-Car-Phasen liegen in der Natur eines neuen, ungetesteten Kurses, und Norris wird versuchen müssen, seinen hauchdünnen Vorsprung von der Pole aus in einen Start umzuwandeln, der ihm nicht sofort wieder entrissen wird.





