Madrid-Drama: Hamilton ignoriert Anweisungen und crasht, Antonelli schnellster im dritten Training

44 HAMILTON Lewis (gbr), Scuderia Ferrari SF-26, action during the Formula 1 Barcelona-Catalunya Grand Prix 2026, 7th round of the 2026 Formula One World Championship from June 12 to 14, 2026 on the Circuit de Barcelona-Catalunya, in Montmelo, Spain - Photo Alberto Vimercati DPPI / DPPI
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Marco Rossi · F1-Korrespondent

Ein rebellischer Funkspruch, ein Reifen, der in Fetzen über den Asphalt schleift, und mittendrin ein Mercedes-Rookie, der die Konkurrenz das Fürchten lehrt.

Im dritten freien Training zum Grand Prix von Spanien auf dem neuen Stadtkurs Madring setzte Andrea Kimi Antonelli am Samstag mit 1:32.797 Minuten die Bestzeit vor Charles Leclerc und Oscar Piastri, doch das eigentliche Gesprächsthema der Session lieferte Lewis Hamilton. Der Ferrari-Pilot schlug in der letzten Kurve in die Streckenbegrenzung ein, ignorierte danach mehrfache Anweisungen seines Renningenieurs und fuhr mit beschädigtem Auto und schliesslich platten Reifen fast eine komplette Runde zurück in Richtung Box.

Antonelli bestätigt die starke Form

Formula One - Mercedes-AMG PETRONAS F1 Team, 2026 Spanish GP. Kimi Antonelli
Formula One – Mercedes-AMG PETRONAS F1 Team, 2026 Spanish GP. Kimi Antonelli

Nachdem er im ersten Training noch mit 0,286 Sekunden Rückstand hinter Polesetter George Russell auf Rang zwei gelandet war, übernahm Antonelli im zweiten Training die Bestzeit und bestätigte sie am Samstagvormittag im dritten Training erneut, wobei er seine Konkurrenz um mehr als eineinhalb Zehntel hinter sich liess. Für den jungen Mercedes-Fahrer ist es die bislang deutlichste Machtdemonstration seiner noch jungen Karriere, zwei Bestzeiten in drei Sessions an einem neuen, unbekannten Stadtkurs sprechen für ein Team, das sich in Madrid von Anfang an wohlgefühlt hat.

Hinter Antonelli zeichnete sich ein enges Feld ab. Leclerc blieb als Zweiter nur 0,166 Sekunden zurück, während McLaren mit Piastri und Norris auf den Rängen drei und vier zeigte, dass die Longrun-Schwäche vom Freitag, als Norris in FP2 ohne gültige Rundenzeit blieb, offenbar überwunden ist. Verstappen reihte sich als Fünfter ein, mit 0,375 Sekunden Rückstand ein Ergebnis, das für Red Bull eher nach solider Vorbereitung als nach einem Angriff auf die Pole aussieht. Wie tragfähig diese Reihenfolge ist, wird sich erst im Qualifying zeigen, ein einzelnes Training auf einem neuen Kurs lässt selten verlässliche Schlüsse auf die Rennpace zu.

Der Zwischenfall in der letzten Kurve

Die eigentliche Geschichte des Trainings schrieb Hamilton. In der letzten Kurve verlor er die Kontrolle über seinen SF-26 und schlug in die Streckenbegrenzung ein, der Frontflügel wurde dabei schwer beschädigt. Statt das Auto, wie von seinem Ingenieur mehrfach über Funk gefordert, an sicherer Stelle abzustellen, versuchte Hamilton, mit dem lädierten Wagen zurück an die Box zu fahren. Über Funk erklärte er seine Entscheidung selbst: „If I can make it back, I will. If not, I will do it safely.“

Die Folgen liessen nicht lange auf sich warten. Der abgebrochene Frontflügel verkeilte sich unter dem Fahrzeug, erzeugte auf der engen Strecke deutlichen Funkenflug und scheuerte schliesslich so lange am Reifen, bis dieser die Luft verlor. Erst nach weiteren, eindringlicheren Funksprüchen stellte Hamilton den Wagen schliesslich ab. Für einen Fahrer mit seiner Erfahrung war das eine ungewöhnliche Entscheidung, und sie dürfte in der Fahrerbesprechung vor dem Qualifying nicht das letzte Wort zu diesem Vorfall gewesen sein.

Rote Flagge, zweiter Unfall und der Blick nach vorn

Hamiltons Ausflug in die Streckenbegrenzung sorgte für eine erste Unterbrechung des Trainings, kurz vor Ende der Session setzte dann auch Oliver Bearman seinen Haas in Kurve elf in die Mauer, was eine zweite rote Flagge nach sich zog. Für ein Training auf einem brandneuen Stadtkurs, dessen Grenzen die Fahrer erst über das Wochenende kennenlernen, ist eine gewisse Fehlerquote nicht ungewöhnlich, zwei Unfälle in einer Session sind dennoch ein deutliches Zeichen dafür, wie unnachgiebig Madring seine Piloten fordert.

Für Hamilton dürfte der Vorfall Konsequenzen über das Training hinaus haben. Da er trotz sichtbarer Schäden und schliesslich eines Plattfusses weiterfuhr, könnte eine Untersuchung durch die Rennkommissare drohen, im schlimmsten Fall mit einer Startplatzstrafe fürs Rennen. Das wäre ein schwerer Rückschlag für einen Fahrer, der nach dem Zwist mit Leclerc in Monza um Ruhe im Fahrerlager bemüht war, Leclerc selbst hatte die Verantwortung für jenen Vorfall übernommen und von einer Aussprache berichtet. Wie stabil dieser Teamfrieden bleibt, dürfte sich erst zeigen, wenn am Nachmittag das Qualifying über die Startaufstellung für das erste Rennen auf dem Madring-Kurs entscheidet.

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