Lone Star Le Mans: Toyota verteidigt knappen Vorsprung vor Heimrennen der Amerikaner in Austin

Toyota Gazoo Racing
Avatar von Henri Dubois
3–4 Minuten

Henri Dubois · Endurance-Korrespondent

Zum fünften von acht Saisonläufen der FIA-WEC misst sich in Austin eine Herstellerwertung, die enger kaum sein könnte, während der technische Kurs von COTA auch den amerikanischen Teams eine besondere Bühne bietet.

Vom 4. bis 6. September 2026 empfängt der Circuit of the Americas in Austin die FIA-Langstreckenweltmeisterschaft zu Runde fünf von acht, dem Lone Star Le Mans über sechs Stunden auf der 5,513 Kilometer langen, zwanzig Kurven umfassenden Strecke. Toyota reist mit 132 Punkten als Tabellenführer der Hypercar-Herstellerwertung an, doch der Vorsprung auf BMW ist nach dem Sieg der Münchner beim 6-Stunden-Rennen von São Paulo im Juli auf nur noch fünf Zähler geschmolzen, nachdem Toyota den Sommer nach dem Le-Mans-Erfolg im Juni noch mit deutlichem Polster begonnen hatte.

Herstellerduell auf des Messers Schneide

#8 Toyota Gazoo Racing at Le Mans 24 Hours. Photo: Toyota Gazoo Racing
#8 Toyota Gazoo Racing at Le Mans 24 Hours. Photo: Toyota Gazoo Racing

Seit der Reglementänderung zur Saison 2026 zählt in der Hypercar-Klasse ausschliesslich die Herstellerwertung, beide Werksautos einer Marke zusammengefasst, während zusätzliche Gasteinsätze nicht mehr in die Wertung einfliessen. Genau das macht die aktuelle Lage so eng: Toyota liegt mit 132 zu 127 Punkten vor BMW, ein Rückstand, der sich an einem einzigen Zermürbungsrennen wie den sechs Stunden von Austin bereits auflösen oder vergrössern kann.

In der Fahrerwertung ist die Ausgangslage sogar noch symmetrischer. René Rast und Robin Frijns im BMW mit der Startnummer 20 liegen punktgleich an der Spitze mit dem Toyota-Trio Kamui Kobayashi, Mike Conway und Nyck de Vries im Wagen mit der Nummer 7. Ferrari, amtierender Meister der Marke, folgt mit 88 Punkten auf Rang drei und dürfte auf dem technisch anspruchsvollen Kurs von COTA einen starken Auftritt brauchen, um im Titelkampf nicht endgültig den Anschluss zu verlieren.

Ein Wochenende mit engem Zeitplan

Der Ablauf in Austin folgt dem gewohnten WEC-Muster aus mehreren Trainingsphasen und einem zweistufigen Qualifying-System. Am Freitag, den 4. September, stehen zwei freie Trainings an, von 11.30 bis 13.00 Uhr sowie von 16.00 bis 17.30 Uhr Ortszeit (CDT). Der Samstag beginnt mit einem dritten freien Training von 11.00 bis 12.00 Uhr, ehe am Nachmittag zunächst die LMGT3-Klasse ihr Qualifying und ihre Hyperpole-Session absolviert, gefolgt von den Hypercar-Boliden zwischen 15.40 und 16.15 Uhr.

Das eigentliche Rennen wird am Sonntag, den 6. September, von 13.00 bis 19.00 Uhr Ortszeit gefahren, sechs Stunden, die auf dem wellenförmigen, wechselnden Kurs von COTA sowohl von den Fahrer-Trios als auch von den Boxencrews ein hohes Mass an Konzentration verlangen, insbesondere bei den Strategiefenstern rund um mögliche Full-Course-Yellow-Phasen.

LMGT3: Corvette vorn, amerikanischer Stolz bei Ford

Auch in der LMGT3-Klasse, in der anders als bei den Hypercars weiterhin eine echte Teamwertung existiert, ist die Ausgangslage vielschichtig. Corvette Racing führt die Meisterschaft mit dem von TF Sport eingesetzten Chevrolet Corvette Z06 GT3.R mit der Startnummer 33 an, gesteuert unter anderem von Jonny Edgar, der mit 76 Punkten die Fahrerwertung anführt. Nicky Catsburg folgt mit 72 Punkten, Ben Keating liegt mit 54 Zählern auf Rang drei, während Riccardo Pera und Richard Lietz im Manthey-Porsche mit der Nummer 92 mit 49 Punkten auf Position vier lauern.

Für zusätzliche amerikanische Note sorgt Ford Racing über den Einsatz von Proton Competition, das gleich zwei Mustang GT3 mit den US-Fahrern Logan Sargeant und Eric Powell an den Start bringt, eine Konstellation, die dem Rennen auf heimischem Boden zusätzliches Lokalkolorit verleiht.

Cadillac auf Heimboden, Blick über die laufende Saison hinaus

Lone Star Le Mans. Photo: Toyota Gazoo Racing
Lone Star Le Mans. Photo: Toyota Gazoo Racing

Cadillac Racing kommt nach einem schwierigen Wochenende in São Paulo mit dem Ziel der Wiedergutmachung nach Austin. Für den Lokalmatador Ricky Taylor wurde ein Einsatz im Cadillac V-Series.R mit der Startnummer 12 an der Seite der Stammfahrer arrangiert, was dem amerikanischen Werksteam, das die Herstellerwertung derzeit mit 60 Punkten auf Rang vier belegt, zusätzliche Aufmerksamkeit und womöglich zusätzliche Motivation verschaffen dürfte.

Über das eigentliche Rennwochenende hinaus richtet sich der Blick bereits auf die Zukunft der Klasse. Genesis Magma Racing nutzte die Zeit vor dem Event für private Tests mit dem GMR-001-Prototyp auf dem COTA-Kurs, während im Anschluss an das Rennen sowohl Ferrari als auch Aston Martin mit privaten Testfahrten beginnen wollen, in denen erste Entwicklungsschritte für die für 2027 geplanten Evolutionen des 499P und des Valkyrie erprobt werden sollen. Wie sich die enge Herstellerwertung zwischen Toyota und BMW nach sechs Stunden in Austin liest und ob Ferrari den Anschluss halten kann, wird sich erst am Sonntagabend zeigen.