Klaus Weber · DTM-Korrespondent
Ein technisches Detail im Sperrdifferenzial sorgt im Umfeld von Timo Glocks Team für Diskussionen und wirft die Frage auf, wie genau das technische Reglement in der DTM tatsächlich kontrolliert wird.
Um den Renneinsatz von Ben Dörr ist ein technischer Streit entbrannt, der sich um ein Bauteil dreht, das von aussen kaum sichtbar ist, aber erheblichen Einfluss auf das Fahrverhalten hat: die Rampenwinkel im Sperrdifferenzial. Laut einem Bericht von Motorsport-Total.com steht die Frage im Raum, ob bei Dörrs Fahrzeug im Umfeld von Timo Glocks Team eine nicht reglementkonforme Kombination dieser Winkel zum Einsatz kam. Eine abschliessende technische Klärung stand zum Zeitpunkt der Berichterstattung noch aus.
Was Rampenwinkel im Renneinsatz bewirken
Das Sperrdifferenzial eines DTM-Fahrzeugs verteilt die Antriebskraft zwischen den beiden angetriebenen Rädern und begrenzt dabei den Drehzahlunterschied, der beim Beschleunigen aus der Kurve oder beim Bremsen vor dem Scheitelpunkt entsteht. Gesteuert wird dieses Verhalten massgeblich über die sogenannten Rampenwinkel, mechanische Anschlagsflächen, die festlegen, wie stark das Differenzial unter Last beziehungsweise unter Schub sperrt.
Ein steilerer Winkel auf der Zugseite sorgt für früheres und härteres Sperren beim Beschleunigen, was Traktion am Kurvenausgang bringt, aber im Grenzbereich zu mehr Untersteuern führen kann. Ein flacherer Winkel auf der Schubseite wiederum beeinflusst, wie das Fahrzeug beim Lupfen des Gaspedals vor dem Bremspunkt reagiert. Da diese Kombinationen im technischen Reglement der DTM in engen Toleranzen vorgegeben sind, um die Feldstärke nicht durch reine Set-up-Vorteile zu verzerren, ist jede Abweichung ein potenziell relevanter Wettbewerbsvorteil, gerade weil sie am Fahrzeug selbst kaum zu erkennen ist.
Der Vorwurf und seine Herkunft

Der Bericht von Motorsport-Total.com bringt konkret den Namen Ben Dörr sowie das Umfeld von Timo Glock mit der Frage in Verbindung, ob im Differenzial des Fahrzeugs eine andere Rampenwinkel-Kombination verbaut war als für die technische Abnahme angemeldet. Da bislang nur diese eine Quelle vorliegt, lässt sich der Vorwurf an dieser Stelle nicht als gesicherte Tatsache, sondern nur als berichtete Fragestellung wiedergeben.
Technisch wäre ein solcher Tausch, sollte er sich bestätigen, kein Vorgang, der sich zufällig ergibt. Ein Wechsel der Rampen erfordert das Öffnen des Differenzialgehäuses und damit einen gezielten Eingriff in der Box, üblicherweise zwischen Sessions oder über Nacht. Genau das macht solche Fälle im Nachhinein schwer nachweisbar, wenn nicht durch eine gezielte technische Kontrolle direkt am Bauteil.
Bedeutung für Team und Meisterschaft

Für das Team um Timo Glock und für Ben Dörr persönlich hätte eine bestätigte Regelwidrigkeit unmittelbare sportliche Konsequenzen, von einer Zeitstrafe bis zur Aberkennung von Ergebnissen, je nachdem, wie die Rennkommissare den Fall einordnen würden. Für die Meisterschaft insgesamt wäre eine Klärung ebenfalls von Bedeutung, weil das enge Reglement zur Balance of Performance in der DTM gerade davon lebt, dass technische Freiheiten wie beim Differenzial-Set-up für alle Teams gleichermassen begrenzt bleiben.
Bis eine offizielle technische Untersuchung Ergebnisse liefert, bleibt der Fall offen. Sollten die Rennkommissare die Angelegenheit aufgreifen, dürfte sich zeigen, ob es sich um eine tatsächliche Reglementverletzung handelt oder um eine im Rahmen der Toleranzen liegende Set-up-Entscheidung, die im Nachhinein falsch interpretiert wurde. Für die kommenden Wochenenden lohnt sich in jedem Fall ein genauerer Blick auf die technischen Abnahmen im Fahrerlager.





