Freedom 250: IndyCar rollt erstmals über die National Mall, Palou im Titel-Modus

Malukas, Palou and Rosenqvist Visit the White House Ahead of the Freedom 250 Grand Prix of Washington, D.C. - Photo By: Penske Entertainment | Chris Owens
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Bobby Travis · NASCAR/IndyCar-Korrespondent

Am Sonntag steigt in Washington, D.C. das längste Strassenrennen der NTT INDYCAR SERIES seit Jahrzehnten, und Álex Palou könnte dem Titel einen grossen Schritt näherkommen.

Am 23. August steht Runde 15 der NTT INDYCAR SERIES an, und diesmal ist der Schauplatz kein gewöhnlicher: das Freedom 250 Grand Prix of Washington D.C. führt das Feld erstmals überhaupt direkt über die National Mall, als Teil der landesweiten Feierlichkeiten zum 250. Jahrestag der USA. Auf einem 1,7 Meilen langen, siebenkurvigen Stadtkurs mit Start und Ziel entlang der Pennsylvania Avenue werden 147 Runden gefahren, umgerechnet rund 250 Meilen, und genau darin liegt schon die erste grosse Storyline des Wochenendes.

Ein Ausdauertest mitten in der Hauptstadt

Die Distanz ist der Knackpunkt. 250 Meilen auf einem engen Strassenkurs sind deutlich mehr, als IndyCar seinen Fahrern auf solchen Layouts seit Jahrzehnten zugemutet hat, und das bedeutet Stress für Getriebe, Bremsen und Fahrer gleichermassen. Die Pennsylvania Avenue liefert mit Speeds um 185 mph die längste Geradeausfahrt des Kurses, bevor es über die 3rd, 7th und 9th Street sowie die Independence Avenue wieder zurückgeht, mit Pit Road platziert zwischen Turn eins und zwei. Wer hier zu aggressiv an die Reifen geht oder die Bremsen überstrapaziert, zahlt über die volle Renndistanz einen hohen Preis.

Der Zeitplan selbst ist eng getaktet. Am Samstag stehen zwei Practice-Sessions an, von 9:00 bis 10:15 Uhr und von 13:00 bis 14:00 Uhr Ortszeit, ehe am Nachmittag zwischen 16:15 und 17:30 Uhr das Qualifying inklusive Firestone Fast 6 die Startaufstellung fixiert. Am Sonntag folgt von 9:30 bis 10:00 Uhr das finale Warm-up, bevor um 12:30 Uhr die Pre-Race-Zeremonien beginnen, inklusive einer zeremoniellen Parade-Runde, bei der Präsident Trump die Strecke im Präsidentenwagen ‘The Beast’ abfährt. Um 13:10 Uhr fällt schliesslich die grüne Flagge zum Rennstart.

Palou im Kontrollmodus, die Verfolger unter Zugzwang

Alex Palou - OnlyBulls Grand Prix of Portland - By: Joe Skibinski
Palou – OnlyBulls Grand Prix of Portland – By: Penske Entertainment | Joe Skibinski

In der Meisterschaft ist die Ausgangslage klar strukturiert, auch wenn von Entscheidung noch keine Rede sein kann. Álex Palou führt mit 542 Punkten deutlich vor dem Feld, sein Vorsprung auf Verfolger Kyle Kirkwood beträgt 133 Zähler. Dahinter drängt sich eine ganze Gruppe von Fahrern, die theoretisch noch im Titelrennen mitmischen könnte: David Malukas liegt mit 405 Punkten nur vier hinter Kirkwood, Christian Lundgaard folgt mit 403 Punkten dicht dahinter, und Pato O’Ward komplettiert mit 385 Zählern das erweiterte Spitzenfeld. Josef Newgarden, Scott McLaughlin und Felix Rosenqvist liegen bereits deutlicher zurück, zwischen 190 und 198 Punkten hinter der Spitze.

Ein solider Auftritt in Washington könnte Palou dem Titel entscheidend näherbringen, bevor überhaupt das Saisonfinale erreicht ist. Das ändert nichts daran, dass auf einem Strassenkurs mit engen 90-Grad-Kurven und harten Bremszonen viel passieren kann, gerade über eine derart lange Renndistanz. Genau darauf setzen die Verfolger.

Wo Strassenkurs-Spezialisten ihre Chance sehen

Kirkwood, Lundgaard und Malukas gelten alle als Fahrer, die auf technisch anspruchsvollen Stadtkursen ihre Stärken ausspielen können, und ein Layout wie dieses, mit viel Bremszonen-Chaos und wenig Raum für Fehler, bietet genau die Bühne dafür. Wer hier im vorderen Feld übersteht, während andere sich in den engen Kurven Fehler leisten oder mit dem Material kämpfen, kann den Rückstand auf Palou spürbar verkürzen.

Für IndyCar selbst ist das Wochenende ohnehin schon ein Statement, unabhängig vom sportlichen Ausgang. Die Strecke führt direkt an Wahrzeichen wie dem Capitol, dem Washington Monument, dem National Archives und den Smithsonian-Museen vorbei, über 200 Kanaldeckel entlang der Route wurden eigens verschweisst, um Auftrieb bei hohen Geschwindigkeiten zu verhindern, und selbst der Siegerpokal verbindet Motive des Washington Monument und der Capitol-Kuppel. Wie sich das alles auf 147 engen Runden auflöst, wird sich am Sonntagnachmittag zeigen.

Freedom 250 Grand Prix of Washington, D.C. - NYC Media Tour - Photo by: Chris Owens
Freedom 250 Grand Prix of Washington, D.C. – NYC Media Tour – Photo by: Penske Entertainment | Chris Owens