Bobby Travis · NASCAR/IndyCar-Korrespondent
Ein Regenwochenende auf dem historischen Milwaukee Mile brachte einen Fahrer, der seit Rick Mears 1981 niemand mehr geschafft hat, und einen Champion, der seine Krone schon vor dem Saisonfinale aufsetzte.
Pato O’Ward hat am Wochenende des 29. und 30. August 2026 auf dem Milwaukee Mile in West Allis, Wisconsin, etwas geschafft, das seit 1981 kein IndyCar-Fahrer mehr hinbekommen hat: zwei Siege am selben Kalendertag. Der Arrow-McLaren-Pilot gewann sowohl den Snap-on Milwaukee Mile 250 als auch den wegen Regen verschobenen Snap-on Makers and Fixers 250, nachdem heftiger Regen das erste Rennen von Samstag auf Sonntagabend vertagt hatte. Während O’Ward Geschichte schrieb, sicherte sich Álex Palou mit Platz zehn im ersten Rennen bereits vor dem Saisonfinale in Laguna Seca seinen fünften IndyCar-Meistertitel.
Trainings- und Qualifying-Formkurve

Im ersten freien Training zeichnete sich noch kein klarer Favorit ab. Josef Newgarden setzte im Team-Penske-Wagen die schnellste Zeit, doch dahinter drängte sich mit Dennis Hauger vom Dale Coyne Racing-Team ein Fahrer auf Platz zwei, der in dieser Saison selten so nah an der Spitze stand. Álex Palou komplettierte als Dritter die vordere Reihe, ein Signal, dass Chip Ganassi Racing auch auf dem flachen Meilen-Oval konkurrenzfähig sein würde.
Im Qualifying zu Rennen eins drehte sich das Bild dann Richtung Penske und Arrow McLaren. Scott McLaughlin holte die Pole vor Palou (verlor diese aber wieder durch eine Strafe wegen Motorenwechesl), David Malukas und Pato O’Ward, Newgarden reihte sich als Fünfter ein. Für Rennen zwei drehte Palou den Spiess um und sicherte sich selbst die Pole, knapp vor O’Ward und wieder vor Newgarden auf Platz drei. Die Session zeigte: Die Spitzengruppe blieb über das ganze Wochenende eng beieinander, während sich im Mittelfeld schon andeutete, wer am Sonntag Boden gutmachen oder verlieren würde.
Rennen eins: Comebacks, Cautions und Palous Krönung

Der Snap-on Makers and Fixers 250 war schon vor dem ersten Restart eine Geschichte für sich. Nach 90 gefahrenen Runden am Samstag zwang Regen die Verantwortlichen zur roten Flagge, das Rennen wurde erst am Sonntagabend fortgesetzt. Als es mit noch rund 24 Runden zu fahren wieder losging, war es O’Ward, der aus Startplatz vier kommend beim Restart dreifach nach innen zog, sich an Malukas und McLaughlin vorbeischob und die Führung nicht mehr abgab. Am Ende stand ein Vorsprung von 1,7535 Sekunden auf Malukas zu Buche.
Im Feld dahinter gab es Aufsteiger und Verlierer in beide Richtungen. Rinus VeeKay fuhr von Startplatz 19 auf Rang drei nach vorn, sein bestes Saisonergebnis, und Christian Rasmussen machte aus Startplatz 18 einen fünften Platz. Auch Nolan Siegel kletterte von Startplatz 25 noch auf Position 13. Auf der anderen Seite verlor Dennis Hauger nach starkem Training und Qualifying-Platz sieben massiv Boden und wurde nur 21. Will Power schied nach einem Ausritt in die Mauer in Kurve vier in Runde 200 aus und wurde von Startplatz sechs auf Platz 25 durchgereicht, Caio Collet crashte in Runde 211 und beendete das Rennen als 24. Für zusätzlichen Wirbel sorgte Romain Grosjean, der in Runde 150 mit Rookie Mick Schumacher kollidierte und ihn ins Trudeln brachte. Schumacher fand danach deutliche Worte: „Dieser Kontakt war Wahnsinn, ich habe noch nie erlebt, dass jemand so quer schneidet. Ich bin danach mit sehr viel Frustration weitergefahren, weil ich einfach dachte, das war nicht nötig.“ Trotzdem kämpfte sich der Rahal-Pilot noch auf Platz zwölf zurück.
Der eigentliche Paukenschlag des Rennens war aber keine Positionsänderung, sondern eine Zahl auf dem Punktezettel. Palou reichte Platz zehn, um sich rechnerisch seinen fünften IndyCar-Meistertitel zu sichern, den vierten in Folge. Damit zieht er mit Sébastien Bourdais als einzigem weiteren Fahrer mit vier Titeln nacheinander gleich und ist mit 29 Jahren der jüngste Champion mit fünf Krönen in der Geschichte der Serie, hinter A.J. Foyt und Scott Dixon nun die Nummer drei der ewigen Titelliste.
Rennen zwei: O’Wards Geschichtsbuch-Nachmittag

Noch vor der verschobenen Fortsetzung von Rennen eins hatte O’Ward am Sonntag bereits den Snap-on Milwaukee Mile 250 gewonnen, aus Startplatz zwei kommend, hauchdünn hinter Poleman Palou. Im Rennen selbst setzte sich diese Form fort: O’Ward siegte erneut, diesmal vor Scott McLaughlin und Christian Lundgaard, Malukas komplettierte als Vierter ein starkes Wochenende für Arrow McLaren und Penske gleichermassen.
Im Mittelfeld lieferte Kyle Kirkwood die auffälligste Positionsveränderung des gesamten Wochenendes. Aus Startplatz 24 fuhr er sich bis auf Rang sechs vor, ein Sprung von 18 Plätzen. Auch Santino Ferrucci machte von Startplatz 22 aus zehn Positionen gut. Auf der Verliererseite stand Josef Newgarden, der nach Startplatz drei ausfiel und als 25. gewertet wurde, während sein Teamkollege Power von Rang fünf nur auf Platz 14 kam. Auch Schumacher, der im ersten Rennen noch für Aufsehen sorgte, rutschte von Startplatz vier auf Position 13 zurück. Romain Grosjean, der schon im ersten Rennen mit Schumacher kollidiert war, drehte sich in diesem Lauf in Runde 35 selbst und blieb ohne Zielankunft.
Für die Meisterschaft ist mit Palous Titelgewinn die grosse Frage des Wochenendes schon beantwortet, bevor die Saison überhaupt zu Ende ist. Was in Laguna Seca beim Finale noch auf dem Spiel steht, ist vor allem die Reihenfolge dahinter und die Frage, ob Arrow McLaren mit O’Ward und Lundgaard den Schwung aus Milwaukee mitnehmen kann, während Team Penske nach einem Wochenende mit zwei Ausfällen aus starken Startpositionen dringend eine Antwort braucht.





