Bobby Travis · NASCAR/IndyCar-Korrespondent
Nach 33 Rennen ohne Sieg schlägt Christopher Bell beim Cook Out Southern 500 in Darlington zurück und überholt Kyle Larson 13 Runden vor dem Ziel.
Christopher Bell hat am Sonntag das Cook Out Southern 500 in Darlington gewonnen und damit den Auftakt der NASCAR-Cup-Playoffs für sich entschieden. Der Fahrer des Joe Gibbs Racing Teams setzte sich unter dramatischen Bedingungen durch: Regen unterbrach das Rennen spät, und beim entscheidenden Restart zog Bell mit frischen Reifen an Kyle Larson vorbei, der auf altem Gummi die Führung verteidigen wollte. Es war Bells erster Sieg seit 33 Rennen, sein erster Southern-500-Erfolg überhaupt, und er katapultiert ihn direkt auf Platz zwei der Chase-Wertung.
Regen, Restart, Renngeschichte

Schon das Vorprogramm stand unter keinem guten Stern. Anhaltende Blitze zwangen die Organisatoren, Training und Qualifying am Samstag komplett zu streichen. Das Feld ging nach der NASCAR-Startaufstellungsformel ins Rennen, mit Tyler Reddick von 23XI Racing auf der Pole und Stage-1-Sieg gleich mit dazu.
Das eigentliche Drama begann erst 32 Runden vor Schluss. Regen brachte eine Caution und eine rote Flagge, und die führenden Teams standen vor der Entscheidung, die den Ausgang des gesamten Rennens prägen sollte. Kyle Larson, der an diesem Tag über weite Strecken das Tempo diktierte und am Ende die meisten Runden in Führung liegen sollte, 99 an der Zahl, entschied sich, auf der Bahn zu bleiben und auf altem Gummi vorne wegzufahren. Bell dagegen kam an die Box, holte sich frische Reifen und nahm damit das Risiko in Kauf, den Restart aus dem Windschatten heraus bestreiten zu müssen.
Die Rechnung ging auf. Beim finalen Restart hatte Bell den Grip, den Larson auf abgefahrenen Reifen nicht mehr aufbringen konnte, und zog 13 Runden vor dem Ende vorbei. Von da an ging es nur noch darum, den Vorsprung zu verteidigen, auch gegen den eigenen Teamkollegen Ty Gibbs, der sich in den letzten Umläufen bis auf gut eine Sekunde herankämpfte, aber keine Linie fand, um vorbeizukommen. Am Ende stand Bell mit gut einer Sekunde Vorsprung auf Gibbs und über zweieinhalb Sekunden auf Reddick auf Platz drei. Nach dem Zieleinlauf liess Bell seiner Erleichterung freien Lauf und rief im Interview auf der Strecke sinngemäss aus, wie lange er auf diesen Moment gewartet habe und dass sein Team weiterhin im Meisterschaftskampf stehe. Sieben zweite Plätze hatte er in dieser Saison schon eingefahren, ohne den entscheidenden Schritt zu schaffen. In Darlington war es endlich so weit.
Hamlins teurer Ausrutscher

Nicht jeder Titelanwärter hatte einen guten Tag. Denny Hamlin, der als Top-Seed in die Playoffs ging, erwischte zunächst einen soliden Start, verlor dann aber nach Stage 2 durch einen längeren Boxenstopp gleich 13 Positionen. Früh in der Schlussphase wurde es für ihn noch schlimmer: Am Ausgang von Kurve vier verlor Hamlin das Heck, geriet ins Rutschen und krachte rechts vorne in die Aussenwand, nachdem er zuvor Kontakt mit Michael McDowell hatte. Der Schaden an den rechten Spurstangen kostete ihn eine Runde Rückstand.
Hamlin kämpfte sich in den verbleibenden Umläufen zurück bis auf Platz 18, ein Ergebnis, das angesichts der Umstände durchaus als Schadensbegrenzung gelten darf. Wichtiger für die Meisterschaft: Trotz des schwachen Resultats behauptete er in der Chase-Wertung einen knappen Vorsprung von 12 Punkten auf den nun zweitplatzierten Bell. Die Ausgangslage vor dem nächsten Playoff-Rennen in Gateway bleibt damit denkbar eng, und Hamlin dürfte wissen, dass ihm ein weiterer solcher Nachmittag die Führung kosten könnte.
Byrons Motorschaden trifft die Playoff-Hoffnung
Während vorne um den Sieg gekämpft wurde, endete das Rennen für William Byron in der Garage. Der Hendrick-Pilot lag in Runde 316 solide unter den Top Ten auf Platz neun, als er am Ausgang von Kurve drei ins Rutschen geriet und quer durch Kurve vier bis zur Boxeneinfahrt schlitterte. Er konnte den Wagen zwar von der Wand fernhalten und über Funk zunächst noch vermuten, ein Reifen verliere Luft, doch wenige Runden später unter der folgenden Caution war es der Motor, der aufgab. Dichter Qualm zwang Byron, direkt in die Box zu fahren.
Für Byron bedeutet der 37. Platz einen herben Rückschlag zum Playoff-Auftakt. Als 13. gesetzt gestartet, fällt er durch das frühe Aus auf den letzten Platz unter den 16 verbliebenen Chase-Teilnehmern zurück, eine Ausgangslage, aus der er sich in Gateway schnell befreien muss, wenn er nicht schon in der ersten Playoff-Runde ausscheiden will. Für Bell und sein Team dürfte Darlington hingegen genau den Schwung liefern, den man sich zum Auftakt eines Meisterschaftslaufs wünscht: ein Sieg unter Druck, gegen den eigenen Teamkollegen verteidigt, und eine Startposition im Titelrennen, die vor wenigen Wochen noch kaum jemand erwartet hätte.





