Marco Rossi · F1-Korrespondent
Mit 81 Punkten Vorsprung auf George Russell könnte Andrea Kimi Antonelli schon in wenigen Rennen zum bislang schnellsten Weltmeister der Formel-1-Geschichte werden.
Andrea Kimi Antonelli führt die Fahrer-Weltmeisterschaft nach seinem Sieg in Madrid mit 81 Punkten Vorsprung vor seinem Mercedes-Teamkollegen George Russell an, Lewis Hamilton liegt bereits 101 Punkte zurück, Titelverteidiger Lando Norris sogar 106. Der Vorsprung ist mittlerweile so gross, dass Russell und Norris ihre eigenen Titelchancen für die laufende Saison öffentlich einräumen. Für den jungen Italiener bei Mercedes rückt damit ein Meilenstein in greifbare Nähe, den vor ihm noch niemand in dieser Sportart erreicht hat.
Eine Serie, die es so noch nicht gab
Antonellis zweite Saison bei Mercedes begann bereits mit historischen Vorzeichen. Er ist der jüngste Polesetter und der jüngste WM-Spitzenreiter, den die Formel 1 je gesehen hat, zwei Bestmarken, die für sich genommen schon Aufmerksamkeit verdient hätten. Dass daraus nun eine Vorentscheidung im Titelkampf geworden ist, während andere Fahrer in seinem Alter noch um Stammplätze kämpfen, sagt einiges über die Formkurve aus, die er seit seinem Debütjahr genommen hat.
Der Sieg in Madrid wirkt dabei weniger wie ein Ausrutscher der Konkurrenz nach oben als wie die logische Fortsetzung einer Saison, in der Mercedes und sein junger Fahrer die Nase konstant vorne hatten. Ein Vorsprung von 81 Punkten auf den eigenen Teamkollegen lässt sich nicht mit einem einzelnen guten Wochenende erklären, dafür braucht es Wochen und Monate, in denen wenig schiefgeht und vieles gelingt.
Russell und Norris erkennen die Realität an

Dass George Russell seine eigenen Titelambitionen für 2026 inzwischen aufgegeben hat, ist bemerkenswert, weil er nicht irgendein Verfolger ist, sondern der Teamkollege im selben Auto. Wenn der Rückstand innerhalb eines Rennstalls schon 81 Punkte beträgt, fällt es schwer, noch von einer offenen Meisterschaft zu sprechen, selbst wenn rein rechnerisch noch Rennen ausstehen.
Für Lando Norris, der die Saison als Titelverteidiger begonnen hatte, dürfte der Rückstand von 106 Punkten noch schwerer wiegen. Ein Vorsprung dieser Grössenordnung lässt sich in einer laufenden Saison kaum mehr aufholen, selbst mit Ausfällen oder Strategiefehlern beim Führenden. Dass sowohl Russell als auch Norris ihre Chancen inzwischen selbst realistisch einordnen, unterstreicht, wie eindeutig die Lage im Titelkampf mittlerweile ist.
Der Countdown zum vorzeitigen Titel
Die erste mathematische Möglichkeit, sich den Titel bereits vor dem Saisonende zu sichern, bietet sich Antonelli beim Rennen in Singapur. Ob es dort tatsächlich zur Entscheidung kommt, hängt von einer Vielzahl an Ergebnissen ab, realistischer erscheint ein vorzeitiger Titelgewinn während der Amerika-Etappe der Saison.
Sollte es so kommen, wäre es der bislang schnellste Weg zu einem Fahrertitel in der Geschichte der Formel 1, ein weiterer Superlativ in einer Saison, die für den jungen Italiener bereits mit mehreren Bestmarken begonnen hat. Für Mercedes wäre es zugleich die Bestätigung, mit Antonelli früh auf den richtigen Fahrer gesetzt zu haben, während Russell und Norris in den kommenden Rennen vor allem noch um Podestplätze und die restliche Punkteordnung fahren dürften.





