Jak Crawford dreht in Hockenheim erste GT3-Runden: Comtoyou testet F1-Ersatzpiloten für DTM 2027

Comtoyou Racing | @ Patrick Hecq
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Klaus Weber · DTM-Korrespondent

Mit 124 Runden im Aston Martin Vantage GT3 Evo hat der Formel-1-Ersatzfahrer Jak Crawford in Hockenheim sein GT3-Debüt gegeben, als Teil der Fahrerevaluation von Comtoyou Racing für die DTM-Saison 2027.

Jak Crawford, Ersatz- und Nachwuchsfahrer von Aston Martin Aramco in der Formel 1, hat auf dem Hockenheimring seine ersten Runden überhaupt in einem GT3-Fahrzeug absolviert. Der 21-Jährige sass im Aston Martin Vantage GT3 Evo des belgischen Teams Comtoyou Racing, anstelle der Stammfahrer Nicki Thiim und Nicolas Baert. Hintergrund des Tests ist laut Comtoyou-DTM-Leiter Mario Schuhbauer eine mögliche Verpflichtung Crawfords für die DTM-Saison 2027.

124 Runden als Belastungsprobe

Ein GT3-Debüt nach umfangreichem Testprogramm zu bewerten, ist technisch aufschlussreicher als eine kurze Ausfahrt über wenige Stints. Crawford spulte an seinem Testtag in Hockenheim insgesamt 124 Runden ab, das entspricht je nach Fahrweise und Boxenstopp-Rhythmus mehreren vollen Renndistanzen. Für ein Fahrzeug, das er zuvor nie gesteuert hatte, ist das ein Pensum, das Rückschlüsse auf Reifenmanagement, Bremsbalance-Anpassung und Set-up-Feedback über die Renndauer hinweg zulässt, nicht nur auf die reine Rundenzeit im Qualifying-Trimm.

Dass Comtoyou dafür auf die Cockpits der etablierten Fahrer Thiim und Baert verzichtete, dürfte den Stellenwert unterstreichen, den das Team dem Test beimisst. Ein GT3-Fahrzeug mit Balance-of-Performance-Reglement verhält sich in Lastwechseln und im Reifenabbau grundlegend anders als ein Formel-Fahrzeug, bei 124 Runden bekommt ein Neuling dafür ausreichend Gelegenheit, sich anzunähern.

Vom Formel-2-Vizemeister zum GT3-Neuling

Crawford ist kein unbeschriebenes Blatt im Formelsport. Der ehemalige Red-Bull-Junior sicherte sich 2025 die Vizemeisterschaft in der Formel 2 und ist seither als Ersatzfahrer bei Aston Martin Aramco in der Formel 1 gebunden. In dieser Rolle verbringt er viel Zeit an den Formel-1-Wochenenden, ohne dort regelmässig im Cockpit zu sitzen, denn die Zahl verfügbarer Stammplätze in der Königsklasse ist stark begrenzt.

Für Talente in dieser Situation sind GT3-Serien wie die DTM eine naheliegende Plattform, um weiter im Renngeschehen zu bleiben und sich sportlich weiterzuentwickeln. Der Wechsel von formelbasiertem Monopostosport zu GT3-Fahrzeugen mit Fahrhilfen, höherem Gewicht und anderem Reifenabbau-Verhalten ist dabei kein reiner Formalakt, sondern erfordert eine technische Umgewöhnung, die ein Test wie der in Hockenheim erst sichtbar macht.

Die Verbindung über Lance Stroll

Die Kontakte zwischen Crawford und Comtoyou Racing laufen über Aston Martins F1-Stammpiloten Lance Stroll, der bereits 2026 GT3-Tests und Renneinsätze mit dem belgischen Team absolvierte. Diese bestehende Beziehung zwischen Aston Martin Aramco und Comtoyou dürfte den Zugang zu einem Testtag für Crawford erleichtert haben.

Ein DTM-Einstieg zur Saison 2027 gilt nach diesem Test als eine konkrete Option für Crawford und Comtoyou Racing, bestätigt ist er damit aber noch nicht. Wie belastbar die ersten 124 Runden tatsächlich sind, dürfte sich erst in weiteren Tests zeigen, insbesondere wenn das Team seine Fahrerplanung für 2027 im Laufe der kommenden Monate konkretisiert.