Grasser Racing zieht vor das FIA-Gericht: DTM-Titel in Hockenheim möglicherweise offen

DTM, 9. + 10. Rennen Oschersleben 2026 #63 Lamborghini Temerario GT3, GRT Grasser-Racing-Team: Mirko Bortolotti - picture by Gruppe C Photography
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Klaus Weber · DTM-Korrespondent

Nach der gescheiterten Berufung beim DMSB kündigt Teamchef Gottfried Grasser den nächsten Schritt an, mit Folgen für den gesamten Saisonabschluss.

Grasser Racing hat angekündigt, innerhalb von sieben Tagen Berufung beim FIA-Gericht gegen die Disqualifikation von Mirko Bortolotti einzulegen. Der Schritt folgt auf die Ablehnung der Berufung beim DMSB. Sollte Teamchef Gottfried Grasser den Gang vor den Weltverband tatsächlich wahrmachen, könnte die DTM beim Saisonfinale in Hockenheim ohne offiziell bestätigten Champion enden.

Der Streit um die Homologation

Im Kern des Verfahrens steht eine Reglement-Frage, die tief in die technische Zulassung des von Bortolotti eingesetzten Lamborghini hineinreicht. Grasser argumentiert, dass eine von der DTM verwendete Zusatzhomologation vom Weltverband nie abgesegnet wurde. Nach Ansicht des Teams müsse deshalb die reguläre FIA-Homologation gelten, nicht die serieneigene Ergänzung.

Das ist keine akademische Feinheit. Homologationsunterlagen legen fest, mit welchen technischen Spezifikationen ein Fahrzeug an den Start gehen darf, von der Aerodynamik bis zu Motorkennfeldern. Weicht die tatsächlich eingesetzte Konfiguration davon ab, drohen Sanktionen bis zur Disqualifikation, genau das ist Bortolotti passiert. Ob die DMSB-Zusatzregel rechtlich Bestand hat, ist damit die entscheidende Weiche für den weiteren Verlauf des Verfahrens.

Was das für Hockenheim bedeutet

Der DMSB hat die Berufung von Grasser Racing bereits abgelehnt, die Disqualifikation bleibt aus nationaler Sicht bestehen. Legt Grasser tatsächlich Berufung beim FIA-Gericht ein, verschiebt sich die endgültige Klärung auf internationale Ebene, ein Prozess, der erfahrungsgemäss Wochen dauern kann.

Genau daraus ergibt sich die Terminlage, die den Titelkampf betrifft: Fällt keine Entscheidung vor dem Saisonfinale, könnte es in Hockenheim zunächst keinen offiziell bestätigten Meister geben. Für die Meisterschaft dürfte das vor allem Unsicherheit im Zeitplan der Titelvergabe bedeuten, nicht zwingend eine Änderung an den bereits gefahrenen Ergebnissen selbst.

Für Grasser Racing ist der Gang vor internationale Gremien kein völlig neues Terrain: Das Team hat sich seit dem DTM-Einstieg 2022 in einem technisch dichten Feld behauptet und sich dabei wiederholt mit Reglement-Details auseinandergesetzt. Dass die Truppe nun den formal aufwendigeren Weg über die FIA wählt, dürfte auch als Signal zu verstehen sein, dass man sich in der Sache technisch im Recht sieht. Bis eine Entscheidung des FIA-Gerichts vorliegt, bleibt der Fall offen, und der Blick nach Hockenheim richtet sich in diesem Jahr nicht nur auf die Rundenzeiten auf der Strecke, sondern ebenso auf den Kalender eines Verfahrens, dessen Ausgang über den Zeitpunkt der Titelvergabe entscheiden könnte.

DTM
  1. 1. Thomas Preining 197 Pkt.
  2. 2. Maro Engel 174 Pkt.
  3. 3. Marco Wittmann 173 Pkt.
  4. 4. Lucas Auer 152 Pkt.
  5. 5. Matteo Cairoli 150 Pkt.