Sachsenring: Wittmann und Preining an der Spitze, Dörr sorgt im zweiten Rennen für die Überraschung

DTM, 13. + 14. Rennen Sachsenring 2026 #90 Porsche 911 GT3 R (992), Manthey: Ricardo Feller, #80 Mercedes-AMG GT3 EVO, Winward Racing: Maro Engel - picture by Gruppe C Photography
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Klaus Weber · DTM-Korrespondent

Ein Wochenende mit zwei Gesichtern: vorn kämpften Wittmann und Preining um jeden Zehntel, während sich im Feld gleich mehrere Fahrer vom Qualifying-Ergebnis komplett lösten.

Marco Wittmann (Schubert Motorsport) gewann am Sachsenring von der Pole aus das erste Rennen des DTM-Wochenendes vom 12. und 13. September 2026, Ben Dörr (Dörr Motorsport) sicherte sich tags darauf von Startplatz vier aus überraschend den Sieg im zweiten Lauf. Zwischen diesen beiden Ergebnissen liegt die eigentliche Geschichte des Wochenendes: ein Feld, das in der Quali eng beieinanderlag, im Rennen aber teils massive Positionswechsel produzierte, und zwei Ausfälle prominenter Namen, die die Meisterschaftslage verändern dürften.

Qualifying-Form: Wittmann vorn, Engel steigert sich am Sonntag

03 Kelvin van der Linde (ZA/Schubert Motorsport), BMW M4 GT3 Evo, action
03 Kelvin van der Linde (ZA/Schubert Motorsport), BMW M4 GT3 Evo, action DTM Rennen 7 Sachsenring

Die beiden freien Trainings am Freitag zeigten noch ein enges Feld ohne klaren Favoriten. Thomas Preining (Manthey EMA) fuhr in T1 mit 1:18.148 die Bestzeit vor Kelvin van der Linde (1:18.235) und Ricardo Feller (1:18.361), im zweiten Training drehte sich das Bild: Feller kam auf 1:18.857 vor Preining, während sich Marco Wittmann mit Rang drei erstmals in Schlagdistanz zur Spitze brachte.

Im ersten Qualifying am Samstag setzte Wittmann dann die Duftmarke: 1:17.627 bedeuteten Pole vor Preining (+0,126) und Jules Gounon (+0,289). Van der Linde reihte sich auf Rang vier ein, Maro Engel auf fünf. Auffällig fehlte in dieser Session ein Name: Lucas Auer schied laut Berichten nach einem Defekt an der rechten Hinterradnabe in Kurve 8 aus, die Session wurde mit roter Flagge unterbrochen. Für Rennen eins bedeutete das für ihn den letzten Startplatz.

Im zweiten Qualifying am Sonntag drehte sich die Reihenfolge deutlich: Engel sicherte sich mit 1:26.307 die Pole vor Feller und erneut Gounon. Wittmann dagegen kam über Rang 19 nicht hinaus, ein Vorbote dafür, wie unterschiedlich sich Qualifying-Trimm und Renntrimm an diesem Wochenende auswirken sollten.

Rennen eins: Wittmann kontrolliert, Auer kämpft sich von hinten nach vorn

DTM, 13. + 14. Rennen Sachsenring 2026 #11 BMW M4 GT3 Evo, Schubert Motorsport: Marco Wittmann - picture by Gruppe C Photography
DTM, 13. + 14. Rennen Sachsenring 2026 #11 BMW M4 GT3 Evo, Schubert Motorsport: Marco Wittmann – picture by Gruppe C Photography

Wittmann setzte seine Pole im ersten Rennen praktisch eins zu eins um und gewann mit 0,450 Sekunden Vorsprung auf Gounon, Preining komplettierte als Dritter das Podium mit 3,684 Sekunden Rückstand. Die Reihenfolge der ersten drei Startplätze blieb damit nahezu unverändert, van der Linde auf Rang vier und Matteo Cairoli auf Rang sechs bestätigten ihre Quali-Positionen ebenfalls nahezu unverändert.

Die auffälligste Bewegung im Feld kam von ganz hinten: Auer, nach dem Quali-Defekt vom letzten Startplatz losgefahren, arbeitete sich bis auf Rang elf vor. Auch Dörr zeigte früh an, wozu sein Auto im Renntrimm fähig war, er verbesserte sich von Startplatz 15 auf Rang zehn im Ziel. Am anderen Ende der Skala verlor Tom Kalender als Startsiebter sieben Positionen und wurde 14., nachdem es laut Berichten nach einer Positionsrückgabe zu einem harten Duell mit Nicki Thiim gekommen war, bei dem Thiim ihn beim Wiederüberholen aussen an die Kurvenbegrenzung gedrückt haben soll.

Eine Kollision mit mehreren Beteiligten prägte zudem die Mitte des Feldes: Bastian Buus geriet mit Marco Mapelli, Luca Engstler und Timo Glock aneinander und landete im Kiesbett, was eine Safety-Car-Phase auslöste. Da die Sportkommissare Buus keine Schuld an der Kollision zuschrieben, durfte er nach Fremdhilfe weiterfahren, musste sein Auto aber etwa zur Rennhälfte wegen eines weiteren Reifenschadens endgültig abstellen. Mapelli und Engstler mussten nach demselben Vorfall aufgeben. Maximilian Paul, der laut Berichten nach einem schweren Norisring-Unfall im Sommer sein Comeback am Heimstreckenwochenende feierte, schied den Angaben zufolge nach 27 Runden ebenfalls aus, blieb aber ohne Bezug zur Mehrfachkollision.

Rennen zwei: Dörrs Sprung von Startplatz vier und die grossen Renntrimm-Gewinner

Im zweiten Rennen fuhr Dörr von Startplatz vier zum Sieg, 1,219 Sekunden vor Preining, der sich von Startplatz sechs auf Rang zwei verbesserte. Feller komplettierte von Startplatz zwei aus als Dritter das Podium. Die Session zeigte damit erneut, wie wenig sich die Quali-Zeiten in direkte Rennpace übersetzen liessen.

Am deutlichsten wurde das bei Cairoli: Von Startplatz 17 kommend beendete er das Rennen als Vierter, ein Sprung von 13 Positionen und der grösste Positionsgewinn des gesamten Wochenendes. Auch Wittmann (von 19 auf sieben), Thierry Vermeulen (von 18 auf acht) und Arjun Maini (von 21 auf zwölf) fuhren im Renntrimm deutlich konkurrenzfähiger, als es ihre Startplätze vermuten liessen, ein Hinweis darauf, dass die Balance of Performance an diesem Wochenende im Rennen anders wirkte als über eine schnelle Runde. Finn Wiebelhaus rundete das mit der schnellsten Rennrunde von Startplatz 22 aus auf Rang 13 ab.

Zwei Namen mit Blick auf die Meisterschaft fehlten dagegen im Ziel: Van der Linde schied von Startplatz sieben aus, nachdem es laut Berichten zu einem Kontakt mit dem später auf Position fünf klassifizierten Engel in Kurve eins gekommen war. Gounon, von Startplatz drei kommend, fiel ebenfalls aus. Über das gesamte Wochenende gerechnet sammelte Preining mit zwei Podestplätzen und Startplatz zwei im ersten Qualifying die meisten Punkte, dicht gefolgt von Wittmann dank Pole und Sieg in Rennen eins. Dörrs Erfolg im zweiten Lauf bringt ihn ebenfalls in diese vorderste Gruppe und dürfte die Meisterschaft vor dem nächsten Wochenende enger zusammenrücken lassen, während van der Linde und Gounon nach ihren Ausfällen Boden gutmachen müssen.

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