Madring-Premiere: Antonellis achter Sieg und Norris’ bitterste Stunde

MADRID, SPAIN - SEPTEMBER 13: Race winner Andrea Kimi Antonelli of Italy and Mercedes AMG Petronas F1 Team and David Lamb, Chief Engineer Trackside High Performance Powertrains at Mercedes AMG Petronas F1 Team celebrate on the podium with Champagne during the F1 Grand Prix of Spain at Madring on September 13, 2026 in Madrid, Spain. (Photo by Simon Galloway/LAT Images)
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Marco Rossi · F1-Korrespondent

Auf dem neuen Circuito de Madrid entschied nicht der schnellste Wagen über den Sieg, sondern der richtige Moment im Rennverlauf.

Andrea Kimi Antonelli hat den ersten Grossen Preis von Spanien auf dem neu gebauten Madring-Kurs in Madrid gewonnen, seinen mittlerweile achten Saisonsieg 2026, obwohl Lando Norris über weite Strecken des Wochenendes den schnelleren McLaren zu haben schien. Am Sonntag, dem 13. September, entschied ein ungünstig getimtes Virtual Safety Car darüber, wer am Ende ganz oben stand, und Norris war es nicht. Der Mercedes-Pilot nutzte seine Chance mit der Ruhe eines Fahrers, der weiss, dass Geduld manchmal mehr wert ist als das schnellste Auto im Feld.

Mercedes dominiert das Training, Norris antwortet im Qualifying

MADRID, SPAIN - SEPTEMBER 12: Lando Norris of Great Britain driving the (1) McLaren MCL40 Mercedes on track during final practice ahead of the F1 Grand Prix of Spain at Madring on September 12, 2026 in Madrid, Spain. (Photo by Andy Hone/LAT Images)
Lando Norris (1), McLaren MCL40 Mercedes at Madring on September 12, 2026 in Madrid, Spain. (Photo by Andy Hone/LAT Images)

Schon im ersten freien Training deutete sich an, wie das Wochenende laufen würde: George Russell vor Antonelli, mit Ferrari und Red Bull in Reichweite, aber ohne den Speed der Silberpfeile. Im zweiten und dritten Training übernahm Antonelli die Führung der Zeitenlisten komplett, während Norris in FP2 überhaupt keine gewertete Rundenzeit stehen liess und als Letzter geführt wurde, ein Fehlstart in eine Session, aus der er sich am Samstag eindrucksvoll zurückmeldete. Auch Charles Leclerc und Lewis Hamilton hielten sich in allen drei Trainings in Schlagdistanz zur Spitze, ein Signal, dass Ferrari auf dem neuen Strassenkurs von Madrid konkurrenzfähig sein würde.

Im Qualifying kehrte sich das Bild um. Norris fuhr die schnellste Zeit des Wochenendes und sicherte sich die Pole nur 0,011 Sekunden vor Antonelli, ein Vorsprung, der auf dem Papier winzig wirkt und in der Realität doch reichte. Verstappen komplettierte als Dritter die Top drei des Qualifyings, dahinter reihten sich Hamilton und Leclerc auf den Positionen vier und fünf ein. Laut Berichten aus dem Fahrerlager hatte Hamilton im dritten freien Training zudem einen Unfall erlitten, der die Session mit roter Flagge unterbrach, ein Vorfall, der seine Trainingsbilanz beeinträchtigte, seine Qualifying-Form aber offenbar nicht.

Norris’ Führung und das Virtual-Safety-Car-Drama

Von der Pole aus übernahm Norris beim Start sofort die Initiative, Norris und Antonelli lagen dabei laut Berichten vom Rennwochenende in Kurve eins nebeneinander, wobei Antonelli von der Strecke abkam und die Kurve abkürzte. In der Folge zog Norris davon und baute in den ersten Rennphasen einen Vorsprung von über sechs Sekunden auf den zweitplatzierten Mercedes heraus, eine Führung, die für lange Strecken des Rennens wie eine Entscheidung wirkte, es aber nicht war. Ein ungünstig getimtes Virtual Safety Car warf den McLaren-Piloten aus dem Rhythmus und kostete ihn genau jenen Puffer, den er sich zuvor mühsam erarbeitet hatte.

Als Leclerc laut Rennberichten am Ende von Runde 48 an die Box gerufen wurde, entbrannte in den letzten Runden ein Dreikampf um den Sieg zwischen Antonelli, Verstappen und Norris. Am Ende war es Antonelli, der die Nerven behielt und sich vor Verstappen und Norris durchsetzte, ein Ergebnis, das seinen achten Saisonsieg bedeutet und ihn im Titelkampf in eine sehr komfortable Lage bringen dürfte. Laut Berichten wurde gegen Verstappen im Nachgang wegen eines Vorfalls in Kurve 5 ermittelt, bei dem er die Strecke verlassen und sich dabei einen Vorteil verschafft haben soll, ein Detail, das dem Podestplatz vorerst keinen Abbruch tat.

Lawson und Colapinto als Gewinner eines dichten Mittelfelds

MADRID, SPAIN - SEPTEMBER 12: Liam Lawson of New Zealand driving the (30) Oracle Red Bull Racing RB22 Red Bull Ford Powertrains on track during final practice ahead of the F1 Grand Prix of Spain at Madring on September 12, 2026 in Madrid, Spain. (Photo by Clive Mason/Getty Images)
MADRID, SPAIN – SEPTEMBER 12: Liam Lawson of New Zealand driving the (30) Oracle Red Bull Racing RB22 Red Bull Ford Powertrains on track during final practice ahead of the F1 Grand Prix of Spain at Madring on September 12, 2026 in Madrid, Spain. (Photo by Clive Mason/Getty Images)

Während sich vorne die grosse Geschichte abspielte, lohnte sich auch der Blick weiter hinten im Feld. Liam Lawson verbesserte sich von Startplatz acht auf Rang sechs im Ziel und lieferte damit ein starkes Ergebnis für Racing Bulls, während Franco Colapinto im Alpine von Position neun auf sieben vorstiess und damit einen soliden Auftritt ablieferte. Beide Fahrer gewannen im Rennen zwei Positionen und wandelten Qualifying-Chancen tatsächlich in Punkte um, während andere Aufsteiger wie Esteban Ocon und Pierre Gasly zwar ebenfalls je zwei Plätze gutmachten, am Ende aber ausserhalb der Punkteränge blieben.

Auf der anderen Seite des Mittelfelds musste Oscar Piastri einen Platz abgeben und kam nach einer Kollision mit George Russell in der ersten Runde, die laut Berichten seinen Frontflügel beschädigte, nur auf Position acht ins Ziel, ein enttäuschendes Resultat für den McLaren-Piloten angesichts der Ausgangslage von Startplatz sieben. Auch Gabriel Bortoleto verlor im Vergleich zum Qualifying einen Platz. Im Hinterfeld sortierten sich Yuki Tsunoda, Alexander Albon und Oliver Bearman in einem eng zusammengeschobenen Pulk ein, ohne dass sich daraus eine grössere Geschichte ergab, ein ruhiger, aber für die beteiligten Teams keineswegs unwichtiger Kampf um die letzten Punkte, die an diesem Wochenende ausblieben.

Ausfälle, Strafen und ein Blick auf den Titelkampf

Die auffälligste Differenz zwischen Startplatz und Ergebnis lieferte ausgerechnet der Mann auf Position vier im Qualifying: Lewis Hamilton fiel im Rennen aus, nachdem er sich am Samstag noch stark präsentiert hatte. Pikant wird die Geschichte durch einen Funkspruch, den Verstappen laut Berichten während des Rennens absetzte, als Red Bull ihn anwies, seine Position an Hamilton abzutreten, eine Order, die er dem Vernehmen nach als ‘mickey-mouse racing’ bezeichnete. Dass ausgerechnet jener Fahrer, dem er die Position überlassen sollte, das Rennen später nicht beendete, gibt dem Vorfall im Rückblick eine bittere Note.

Auch bei den Heimfahrern lief es nicht rund. Laut Berichten gerieten Carlos Sainz und Fernando Alonso in Kurve 5 aneinander, Sainz erhielt dafür eine Fünf-Sekunden-Strafe, die er bei einem Boxenstopp mit Frontflügelwechsel in Runde 24 absass, ehe ihn ein technisches Problem endgültig aus dem Rennen nahm. Sergio Pérez arbeitete sich laut Berichten von Startplatz 18 bis auf Rang 15 vor, ehe ihn zwischen Runde 31 und 33 ein Problem an der Antriebseinheit zum Aufgeben zwang. Lance Stroll, nach einem Motorwechsel mit 40 Startplätzen Strafe ohnehin chancenlos gestartet, verunglückte laut Berichten auf ungewöhnliche Weise: Nachdem er die Auslaufzone in Kurve 20 befahren hatte, reichte der Platz nicht mehr, um seinen Aston Martin zu wenden und zurück auf die Strecke zu gelangen. Für Mercedes und Antonelli bedeutet der achte Saisonsieg jedenfalls eine machtvolle Ausgangslage im Titelkampf, während Norris nach einem Wochenende, das er über weite Strecken kontrollierte, mit leeren Händen nach Hause fährt, ein Rückschlag, den McLaren so schnell wie möglich verarbeiten dürfte.

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