Klaus Weber · DTM-Korrespondent
Rund zehn Wochen nach einem schweren Unfall beim Saisonauftakt auf dem Norisring sitzt Maximilian Paul wieder im Cockpit – diesmal am Sachsenring.
Maximilian Paul gibt am Sachsenring sein DTM-Comeback für Grasser Racing, rund zehn Wochen nach seinem schweren Unfall beim Saisonauftakt auf dem Norisring, bei dem sich der Dresdner nach einem Kontakt mit dem BMW von Kelvin van der Linde eine Fraktur an einem Lendenwirbel sowie einen Unterschenkelbruch zuzog. Am Sachsenring selbst absolvierte Paul nun einen Comeback-Test, bevor es für ihn wieder um Rennpunkte geht.
Eine Verletzung mit langer Ausfallzeit
Eine Fraktur an einem Lendenwirbel zählt zu den Verletzungen, bei denen die Belastbarkeit der Wirbelsäule im Renncockpit direkt betroffen ist, gerade unter den hohen Querbeschleunigungen und Vibrationen einer Renndistanz. Der zusätzliche Unterschenkelbruch macht deutlich, wie heftig der Kontakt mit van der Lindes BMW tatsächlich war.
Für einen Renningenieur ist an diesem Punkt die Diagnose relevanter als der Unfallhergang selbst. Ein Lendenwirbelbruch bedeutet in der Regel Wochen der Ruhigstellung, bevor überhaupt an eine Rückkehr ins Cockpit zu denken ist. Dass Paul knapp zehn Wochen nach dem Norisring-Unfall wieder fuhr, dürfte damit eher am unteren Rand des üblichen Zeitfensters für eine solche Verletzung liegen.
Zehn Wochen bis zurück ins Cockpit
Die Rückkehr binnen rund zehn Wochen war nach eigener Aussage das Ergebnis intensiver Vorbereitung mit seinem Physiotherapeuten. Rumpf- und Nackenmuskulatur müssen bei einem frisch verheilten Wirbelbruch gezielt aufgebaut werden, weil im DTM-Cockpit über eine Renndistanz erhebliche Querbeschleunigungen auf die Wirbelsäule wirken. Ohne diese Belastbarkeit wäre ein Renneinsatz medizinisch nicht vertretbar gewesen.
Vor dem eigentlichen Renncomeback stand ein Test: 98 Runden absolvierte Paul am Sachsenring. Diese Rundenzahl macht deutlich, dass es sich um einen echten Belastungstest handelte, kein reines Schonprogramm. "Fühle mich super-ready", sagte Paul nach dieser Testarbeit.
Rückhalt von Grasser und Lamborghini
Dass Paul überhaupt wieder ins Cockpit durfte, hängt auch am Vertrauen von Teamchef Gottfried Grasser und von Lamborghini, die beide an der Entscheidung für den Renneinsatz beteiligt waren. Für ein Team bedeutet die Rückkehr eines Stammfahrers nach einer solchen Verletzung eine Abwägung zwischen sportlichem Ehrgeiz und medizinischer Verantwortung, die in diesem Fall zugunsten des Fahrers ausfiel.
Für Grasser Racing ist Pauls Rückkehr über den reinen Sachsenring-Auftritt hinaus von Bedeutung, weil das Team im weiteren Saisonverlauf wieder auf einen eingespielten Stammfahrer setzen kann. Wie belastbar Paul über eine volle Renndistanz tatsächlich ist, wird sich erst im Rennen selbst zeigen, die 98 Testrunden waren dafür nur ein erster Anhaltspunkt.





