Ferrari erbt den Sieg in Austin, als Toyotas Führung zehn Minuten vor Schluss zerbricht

FERRARI 499P #50 CREW
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5–7 Minuten

Henri Dubois · Endurance-Korrespondent

Ein Hydraulikschaden in der Schlussphase entschied in Austin über Sieg und Niederlage, während sich abseits der Spitze zwei sehr unterschiedliche Geschichten von Aufstieg und Absturz abspielten.

Ferrari AF Corse hat das Lone Star Le Mans, den fünften Lauf der FIA-Langstrecken-Weltmeisterschaft, am Sonntag auf dem Circuit of the Americas in Austin gewonnen. Der Ferrari 499P mit Antonio Fuoco, Miguel Molina und Nicklas Nielsen übernahm die Führung, nachdem der bis dahin überlegene Toyota TR010 Hybrid von Mike Conway, Kamui Kobayashi und Nyck de Vries rund zehn bis elf Minuten vor dem Ende der sechs Stunden mit einem Hydraulikausfall und dem damit verbundenen Verlust der Servolenkung von der Strecke abkommen musste. In der LMGT3-Klasse setzte sich das Aston-Martin-Kundenteam Heart of Racing mit Ian James, Zacharie Robichon und Mattia Drudi durch, während das Wochenende in nahezu jedem Streckenbereich des Feldes eigene Geschichten von Form, Konstanz und Rückschlägen schrieb.

Aston Martin und Ferrari prägen das Bild vor dem Rennen

Schon in den freien Trainings deutete sich an, wie eng die Spitze in Austin zusammenliegen würde. Nach einer von Ferrari dominierten ersten Session, in der Alessandro Pier Guidi, James Calado und Antonio Giovinazzi die Bestzeit setzten, übernahm Aston Martin THOR Team mit Harry Tincknell und Tom Gamble sowohl im zweiten als auch im dritten freien Training die Führung, zuletzt mit 1:52.174 Minuten. Diese Konstanz über zwei Sessions hinweg war im Hypercar-Feld an diesem Wochenende keine Selbstverständlichkeit, wie sich später im Rennen bestätigen sollte.

In der Hyperpole sicherte sich dennoch wieder Ferrari die vorderste Position, als Pier Guidi, Calado und Giovinazzi mit 1:52.445 Minuten die Poleposition herausfuhren, hauchdünn vor dem Cadillac von Earl Bamber, Sébastien Bourdais und Jack Aitken mit exakt derselben Rundenzeit. Bemerkenswert war dabei, dass die später siegreiche Ferrari-Besatzung um Fuoco, Molina und Nielsen in derselben Session nur 1:52.873 Minuten stehen liess und damit spürbar hinter ihrem Schwesterauto blieb, ein Detail, das über sechs Stunden Zermürbungsrennen an Bedeutung verlieren sollte.

Sechs Stunden Zermürbung enden mit Toyotas Drama

Lone Star Le Mans AustinTR010 HYBRID
Lone Star Le Mans Austin, TR010 HYBRID – Photo: Toyota Gazoo Racing

Unter wechselnden Bedingungen zwischen abtrocknender und weiterhin feuchter Fahrbahn sorgte der Start für Unruhe im Feld, ehe sich die Ordnung über die folgenden Stunden festigte. Die eigentliche Geschichte des Rennens schrieb der Toyota mit der Startnummer 7: Über mutige Boxenstrategie und starke Stints von Conway, Kobayashi und de Vries arbeitete sich die Crew durch das Feld nach vorn und hatte sich nach einem späten Neustart hinter dem Safety Car in der Schlussphase eine komfortable Führung erarbeitet. Rund zehn bis elf Minuten vor dem Ziel verlor der Wagen jedoch den Hydraulikdruck, was den Ausfall der Servolenkung zur Folge hatte und de Vries zwang, den Toyota von der Strecke zu nehmen. Es war ein Ausfall, der Toyota den womöglich verdientesten Sieg des Rennens kostete und stattdessen dem zu diesem Zeitpunkt zweitplatzierten Ferrari mit Fuoco, Molina und Nielsen den Weg zum Erfolg ebnete.

Fast noch auffälliger als der Sieg selbst war der Kontrast innerhalb des Ferrari-Lagers. Während der Wagen von Fuoco, Molina und Nielsen aus dem Mittelfeld der Hyperpole heraus am Ende ganz oben stand, kam die von der Pole gestartete Schwesterbesatzung um Pier Guidi, Calado und Giovinazzi nur auf Platz elf ins Ziel, mehr als vierzig Sekunden zurück und mit lediglich einem halben Punkt für die Fahrerwertung. Es war die deutlichste Umkehrung des Wochenendes und ein Beleg dafür, wie wenig eine Poleposition über sechs Stunden tatsächlich verspricht. Cadillac Hertz Team Jota rundete das Podium mit Bamber, Bourdais und Aitken nur gut vier Sekunden hinter dem Sieger ab, ein für ein Sechsstundenrennen aussergewöhnlich knapper Rückstand.

Alpine Endurance Team steuerte mit Ferdinand Habsburg, Charles Milesi und António Félix da Costa auf Rang drei sowie Victor Martins, Jules Gounon und Frédéric Makowiecki auf Rang fünf beide Autos in die Top Fünf. Seit der Reform von 2026 zählt für die Herstellerwertung ausschliesslich diese addierte Bilanz beider Werksautos, eine separate Team-Meisterschaft gibt es in der Hypercar-Klasse nicht mehr. Aston Martin THOR Team bestätigte mit Tincknell und Gamble auf Platz vier die über das Wochenende gezeigte Pace, während sich BMW M Team WRT und Peugeot TotalEnergies jeweils in ihre beiden Fahrzeuge aufspalteten: Kevin Magnussen, Raffaele Marciello und Dries Vanthoor wurden Achte, während Robin Frijns, René Rast und Sheldon van der Linde erst auf Platz zwölf folgten. Bei Peugeot trennten Loïc Duval, Malthe Jakobsen und Théo Pourchaire auf Rang zehn und Nick Cassidy, Stoffel Vandoorne und Paul di Resta mit zwei Runden Rückstand auf Rang sechzehn ganze sechs Positionen.

Heart of Racing dominiert eine tief gestaffelte LMGT3-Klasse

In der LMGT3-Klasse sicherte sich Heart of Racing bereits in der Hyperpole die vorderste Reihe: Gray Newell, Eduardo Barrichello und Jonny Adam fuhren mit 2:05.160 Minuten die Klassenbestzeit heraus, nur unwesentlich vor ihren Teamkollegen Ian James, Zacharie Robichon und Mattia Drudi. Über sechs Stunden kehrte sich diese interne Reihenfolge jedoch um: Es war die Besatzung James, Robichon und Drudi, die am Ende den Klassensieg einfuhr, während die von der Pole gestartete Crew um Newell, Barrichello und Adam mit Rang drei zufrieden sein musste, für das Team insgesamt dennoch ein ausserordentlich starkes Wochenende.

Manthey DK Engineering Porsche 911 GT3 R #91
Manthey DK Engineering Porsche 911 GT3 R #91

Manthey DK Engineering bestätigte mit Ayhancan Güven, Timur Boguslavskiy und James Cottingham seine über das Wochenende gewachsene Form und arbeitete sich bis auf Rang zwei vor. Vista AF Corse holte mit François Hériau, Simon Mann und Alessio Rovera Platz vier vor dem Proton-Competition-Trio Sebastian Priaulx, Ben Tuck und Eric Powell auf Rang fünf.

Iron Lynx teilte seine beiden Fahrzeuge auf Rang sechs und sieben auf, Garage 59 kam mit Alexander West, Finn Gehrsitz und Benjamin Goethe auf Platz acht, während die zweite Crew des Teams erst vierzehn Runden dahinter ins Ziel kam. Weiter zurück komplettierten unter anderem Team WRT, TF Sport, Akkodis ASP, Racing Team Turkey by TF und The Bend Manthey das Feld, wobei der zweite Akkodis-ASP-Wagen mit Tom Van Rompuy, Hadrien David und Esteban Masson nach fünfundvierzig Rückstandsrunden nicht mehr in die Wertung aufgenommen wurde.

Was Austin für die Meisterschaft bedeutet

Rechnet man die addierten Herstellerpunkte aus Austin zusammen, zeigt sich ein differenzierteres Bild als der reine Rennsieg vermuten lässt. Ferrari kommt durch Sieg und elften Platz auf 25,5 Zähler, Alpine durch die Ränge drei und fünf auf 25 und liegt damit an diesem Wochenende praktisch gleichauf, Cadillac steuert über Rang zwei und neun 20 Punkte bei. Toyota dagegen bleibt trotz der bis zum Ausfall klar überlegenen Pace des Wagens Nummer 7 nur der Zähler des sechstplatzierten Schwesterautos von Sébastien Buemi, Brendon Hartley und Ryō Hirakawa, acht Punkte insgesamt, ein Ergebnis, das dem tatsächlichen Renntempo der Marke an diesem Sonntag kaum gerecht wird.

Für Toyota dürfte der Ausfall so spät im Rennen, mit dem Sieg bereits fast in Reichweite, besonders schwer wiegen und dürfte die Wochen bis zum nächsten Lauf prägen. Für Heart of Racing wiederum dürfte die Doppelplatzierung vorn in der LMGT3-Klasse, unabhängig davon, welches der beiden eigenen Autos am Ende vorn lag, den Anspruch unterstreichen, das Mass der Dinge in dieser Klasse zu sein, während sich im Mittelfeld beider Klassen bereits die nächsten Geschichten für die kommenden Rennen andeuten.

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