Nur zwölf von 21 im Ziel: Preining kritisiert taktische DTM-Ausfälle am Nürburgring

DTM, 5. + 6. Rennen DEKRA Lausitzring 2026 #91 Porsche 911 GT3 R (992), Manthey: Thomas Preining- picture by Gruppe C Photography
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Klaus Weber · DTM-Korrespondent

Ein Reifenreglement mit Lücke sorgte am Nürburgring für eine Rekordzahl an Ausfällen im Samstagsrennen und eine Debatte, die weit über das Wochenende hinausreicht.

Thomas Preining hat nach dem DTM-Wochenende am Nürburgring das Verhalten mehrerer Teams scharf kritisiert, die ihre Fahrzeuge im Samstagsrennen vorzeitig an der Box abstellten, obwohl kein technischer Defekt vorlag. Nur zwölf von 21 Autos kamen ins Ziel, ein neuer Negativwert für die Serie. Ausgelöst wurde die Debatte durch eine Lücke im Reifenreglement, die Teams einen taktischen Anreiz gibt, aus einem hoffnungslosen Rennen noch Kapital zu schlagen.

Die Reifenlücke im Nürburgring-Reglement

Für das komplette Wochenende, zwei Qualifyings und zwei Rennen, stehen jedem Piloten am Nürburgring nur drei Sätze Reifen zur Verfügung. Diese Begrenzung ist an sich Teil des Konzepts, das Kostenniveau und die Feldstärke eng zu halten. Sie erzeugt aber einen Nebeneffekt, sobald ein Fahrer im Samstagsrennen durch einen Unfall oder eine Zeitstrafe chancenlos ins Hinterfeld zurückfällt.

In diesem Fall lohnt es sich rechnerisch, das Auto vorzeitig abzustellen. Ein frühes Did Not Finish schont einen Reifensatz, der sonst im aussichtslosen Renntrimm verheizt würde. Wer am Samstag aufgibt, geht am Sonntag mit einem frischen Satz und damit einem realen Zeitvorteil ins Rennen. Dass diese Rechnung am Nürburgring gleich mehrfach aufging, zeigt die Ausfallquote: Nur zwölf der 21 gestarteten Autos sahen im Samstagsrennen die Zielflagge.

Preinings Kritik: Fair gegenüber den Fans muss es auch bleiben

Der Manthey-Porsche-Pilot fand nach den Rennen deutliche Worte. „Mir hat das nicht gefallen, dass viele einfach aufgegeben haben, weil sie keine Chance mehr hatten oder ohnehin eine Strafe absitzen mussten“, sagte Preining. „Das ist vor allem für die Fans nicht gut, die zahlen, damit sie hier sein können.“

Preining forderte die DTM-Verantwortlichen auf, gegen die Praxis vorzugehen. „Man muss mehr unter Kontrolle haben, was die Teams machen, beziehungsweise bestrafen, wenn wer abstellt, weil es nicht im Sinne des Sports ist“, sagte er. Zugleich räumte der Österreicher ein, dass das Vorgehen der Rennställe aus rein taktischer Sicht nachvollziehbar sei, solange das Reglement die entsprechende Lücke offen lasse. Diese Einordnung dürfte den Kern des Problems treffen: Nicht die Teams handeln irrational, sondern das Regelwerk setzt einen Anreiz, der dem sportlichen Wert des Rennens entgegenläuft.

Kalender nutzt den Vorteil gegen Preining

DTM, 11. + 12. Rennen Nürburgring 2026 #84 Mercedes-AMG GT3 EVO, Landgraf Motorsport: Tom Kalender - picture by Gruppe C Photography
Tom Kalender at Nüburgring | picture by Gruppe C Photography

Wie die Reifenlücke konkret auf der Strecke wirkt, bekam Preining am eigenen Leib zu spüren. Tom Kalender vom Team Landgraf war am Samstag nach einer Kollision bereits in Runde 7 ausgeschieden und hatte damit einen kompletten Reifensatz für Sonntag übrig. Im Sonntagsrennen setzte er diesen Vorteil im Schlussspurt ein, überholte Preining kurz vor Rennende im Kampf um Platz zwei und setzte anschliessend sogar den führenden Marco Wittmann unter Druck.

Für Preining bedeutete das einen direkten sportlichen Nachteil, den er sich nicht durch eigenes Fehlverhalten am Samstag zuzog, sondern durch eine Regel, die frühes Aufgeben belohnt. Genau an diesem Punkt setzt seine Kritik an: Die Reifenzuteilung sollte einen Ausfall bestrafen, nicht belohnen.

Wittmann schliesst sich an, Reglement vor der Winterpause im Fokus

Preining blieb mit seiner Position nicht allein. BMW-Pilot Marco Wittmann schloss sich der Kritik an und forderte eine Überarbeitung der Regeln in der Winterpause. Es sei aus seiner Sicht unhaltbar, wenn Teams künstliche Gründe vorschieben, um Autos abzustellen und dadurch Reifen zu sparen.

Als mögliche Stellschrauben werden derzeit zwei Ansätze diskutiert: eine Anpassung des Reifenkontingents an Wochenenden mit besonders hoher Belastung sowie strengere Nachweispflichten bei technischen Ausfällen, um echte Defekte von taktischen DNFs unterscheiden zu können. Ob die DTM-Verantwortlichen bis zur kommenden Saison eine Lösung präsentieren, dürfte auch davon abhängen, wie stark sich der Rückhalt in der Fahrerschaft in den kommenden Wochen noch verbreitert.

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