Bobby Travis · NASCAR/IndyCar-Korrespondent
Nach einer Woche voller Aufs und Abs verwandelte Ryan Preece einen 31-Punkte-Rückstand binnen einer Nacht in seinen ersten Cup-Sieg und einen Playoff-Platz.
Beim Coke Zero Sugar 400 am Daytona International Speedway holte sich Ryan Preece am Samstag im No. 60 Ford von RFK Racing seinen ersten Cup-Series-Sieg überhaupt, ausgerechnet im letzten Rennen der regulären Saison 2026 und ausgerechnet mit einem Overtime-Move, der ihn an Shane van Gisbergen vorbei ins Playoff-Feld katapultierte. Was am Freitag im Qualifying mit Ross Chastain auf der Pole begann, endete in einer Nacht voller Führungswechsel, Crashes und einer Punktetabelle, die am Ende komplett anders aussah als beim ersten Green Flag.
Vom Qualifying zur Stage-1-Delle

Ross Chastain sicherte sich mit 48,808 Sekunden die Pole vor Chris Buescher und Austin Hill, dahinter reihten sich Ryan Preece auf Startplatz vier und Shane van Gisbergen auf Rang sechs ein. Auf dem Papier sah das nach einem klassischen Speedway-Samstag aus: schnelle Trackhouse- und RFK-Autos vorne, ein dicht gepacktes Feld bis weit nach hinten, nur 1,25 Sekunden trennten Platz eins von Platz 41 in der Session.
Doch die Nacht nahm schon in Stage 1 eine andere Richtung. Van Gisbergen holte sich zwar den Stage-1-Sieg und damit wichtige Punkte im Kampf um den letzten Playoff-Platz, doch ein Dreier-Crash in dieser Phase brachte Preece linksvorne Blechschaden ein. Sein Team musste früh reparieren, während er sich formell noch weit von der Spitze entfernt befand. Stage 2 gehörte dann Ryan Blaney, der sich durch intensives Pack-Racing nach vorne arbeitete, während Austin Hill über weite Strecken der mittleren Runden die Führung hielt.
Overtime, ein Blockversuch und ein Sieger, der aus dem Nichts kam
Fünf Runden vor dem geplanten Ende löste Carson Hocevar mit einem aggressiven Move in Kurve drei einen Crash aus, der Erik Jones mit hineinzog und die dritte Caution der Nacht brachte. Das Feld ging damit in eine Green-White-Checkered-Overtime, und genau dort kippte das ganze Rennen. Zane Smith führte beim Restart und übernahm die Weisse Flagge an der Spitze, doch auf der letzten Runde versuchte er, Tyler Reddick in Kurve zwei zu blocken. Der Ford wurde herumgerissen und krachte in die Aussenwand, ein Mehrfachcrash durch das nachfolgende Feld war die Folge.
Genau in diesem Moment schob sich Preece, der zuvor auf Spritverbrauch gefahren war und einen späten Boxenstopp bewusst ausgelassen hatte, an Reddick und Smith vorbei. NASCAR fror das Feld unter Gelb ein, mit Preece als offiziellem Führenden. Sein erster Cup-Sieg stand, hauchdünn vor Daniel Suárez. Auch Ryan Blaney blieb von der Schlussrunden-Kollision nicht verschont: Laut Berichten geriet er nach einem Kontakt mit Ricky Stenhouse ins Schleudern und schied aus, trotz seines Stage-2-Erfolgs stand am Ende ein DNF in den Papieren.
Riesenschritte nach vorne, Riesenschritte nach hinten
Wer nur aufs Podium schaut, verpasst die eigentliche Geschichte dieser Nacht. Ricky Stenhouse Jr. startete von Position 32 und fuhr als Fünfter ins Ziel, ein Sprung von 27 Plätzen und einer der stärksten Aufsteiger des gesamten Feldes. Austin Dillon steigerte sich von Startplatz 29 auf Rang sieben, Daniel Suárez kletterte von Position 23 bis auf den zweiten Platz, nur 0,024 Sekunden hinter Preece. Auch Tyler Reddick, der auf der letzten Runde selbst mitten im Blockversuch von Zane Smith stand, rettete von Startplatz 17 noch Rang drei.
Am anderen Ende der Tabelle sah die Nacht deutlich weniger freundlich aus für die Session-Schnellsten. Pole-Setter Ross Chastain fiel von Platz eins im Qualifying bis auf Rang 24 im Rennen zurück, Shane van Gisbergen rutschte von Startplatz sechs auf Position 28 ab und verlor damit exakt den Playoff-Platz, den er die ganze Nacht verteidigt hatte. Noch dramatischer traf es Chris Buescher: Der Qualifying-Zweite kam mit 15 Runden Rückstand als 40. durchs Ziel. Kyle Larson fiel von Startplatz zehn auf Rang 31 zurück, und im Hinterfeld sorgten die Ausfälle von Zane Smith, Ryan Blaney, Ty Gibbs, Cody Ware und Carson Hocevar dafür, dass die Schlusswertung kaum noch etwas mit der Startaufstellung gemein hatte.
Was die Nacht für die Playoffs bedeutet

Für die Meisterschaft war dieses Rennen kein gewöhnlicher Saisonabschluss, sondern die letzte Gelegenheit, sich ins 16-köpfige Playoff-Feld zu retten. Preece ging mit 31 Punkten Rückstand auf van Gisbergen in die Nacht und drehte das Blatt mit seinem Sieg komplett, am Ende trennten die beiden 17 Punkte, nur eben in umgekehrter Reihenfolge. Für van Gisbergen, der sein Rennen bewusst konservativ auf Punkteerhalt ausgelegt hatte, dürfte das ein bitteres Ende der regulären Saison sein, das Chaos der Schlussrunden liess sich offenbar nicht umfahren.
Auch bei den bereits gesicherten Playoff-Teilnehmern verschob sich die Ausgangslage. Ty Gibbs hatte sich seinen Platz über zwei Saisonsiege längst gesichert, geriet aber in den Hocevar-Crash und wurde als 34. abgewinkt, was ihn in der Setzliste hinter Reddick auf den vierten Rang zurückfallen liess. Denny Hamlin dagegen krönte sich als Regular-Season-Champion 2026 und geht damit als Top-Seed in die Playoffs, unabhängig vom eher unauffälligen elften Platz, den er sich von Startplatz 30 aus erarbeitete. Mit dem Auftakt in Darlington vor der Tür ist die Ausgangslage nun klar: ein Feld mit frisch sortierten Seeds, ein überraschender neuer Name im Sieger-Kreis und ein Rennen, das zeigt, wie schnell sich in Daytona eine ganze Saison noch drehen kann.





