Kirkwood fährt zum Sieg beim Chaos-Debüt in Washington, Palou stürzt von der Pole ab

Kyle Kirkwood and Alex Palou - Freedom 250 Grand Prix of Washington D.C. - By: James Black
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Bobby Travis · NASCAR/IndyCar-Korrespondent

Von Freitag bis Sonntag lieferten sich Kyle Kirkwood und Álex Palou ein Duell um die schnellste Zeit, am Ende gewann der eine das Rennen und der andere verlor fast alles.

Beim ersten Freedom 250 Grand Prix of Washington, D.C. am 23. August 2026 gewann Kyle Kirkwood im Andretti Global Honda auf dem neuen 1,7-Meilen-Stadtkurs rund um die National Mall. Er führte 128 der 147 Runden an und liess sich von sechs Cautions und mehreren Zwischenfällen im Feld nicht aus der Ruhe bringen. Was am Ende wie eine klare Angelegenheit aussah, war über das ganze Wochenende betrachtet ein enges Rennen um die Bestzeit, das erst in den letzten Runden richtig kippte, und ein Wochenende, das für einige Fahrer im Feld mit einem herben Rückschlag endete.

Palou schnell im Training, Kirkwood schnell wenn es zählt

Im ersten freien Training setzte Kirkwood die Bestzeit vor Álex Palou, im zweiten Training drehte sich das Bild, Palou fuhr die schnellste Runde des gesamten Wochenendes und schnappte sich anschliessend auch die Pole Position mit 56.899 Sekunden. Kirkwood blieb in FP1, FP2 und im Qualifying stets Erster oder Zweiter, nur im Warm-Up am Sonntagmorgen reichte es ihm lediglich zu Platz vier. Diese Konstanz über das Wochenende hinweg sollte sich als der eigentliche Formindikator herausstellen, nicht die reine Rundenzeit einer einzelnen Session.

Scott McLaughlin - Freedom 250 Grand Prix of Washington D.C. - By: Joe Skibinski
Scott McLaughlin – Freedom 250 Grand Prix of Washington D.C. – By: Joe Skibinski

Scott McLaughlin komplettierte mit Startplatz drei eine starke Quali für Team Penske, dahinter reihten sich Christian Rasmussen auf vier und Marcus Armstrong auf fünf ein. Im Warm-Up am Renntag drehte sich das Kräfteverhältnis nochmals, Josef Newgarden war vor Palou und seinem Teamkollegen David Malukas der Schnellste, während Kirkwood nur Vierter wurde. Wer daraus auf einen starken Penske-Renntag schloss, sollte enttäuscht werden, Newgarden kam am Ende auf Platz acht ins Ziel, Malukas fiel komplett aus.

Cautions, ein Fehlgriff im Restart und eine Strafe, die alles kostete

Das Rennen selbst war von Beginn an unruhig, sechs Gelbphasen unterbrachen den Fluss. Die entscheidende Wendung kam 19 Runden vor Schluss, als Meisterschaftsführender Palou in Kurve drei crashte und damit die Caution auslöste, die das Feld für den finalen Restart zusammenschob.

McLaughlin, zu diesem Zeitpunkt Zweiter direkt hinter Kirkwood, ging beim Restart aggressiv innen in Kurve eins an. Er verschätzte sich beim Grip, blockierte die Reifen und schlug in die Reifenbarriere ein. „Das tut mir leid für mein PPG-Chevrolet-Team, wir haben den ganzen Tag über wirklich einen guten Job gemacht“, sagte McLaughlin nach dem Rennen. Sein Auto war schwer beschädigt, das Rennen für ihn vorbei.

Schon deutlich früher, in Runde 42, hatte es einen weiteren Vorfall gegeben, der das Feld durcheinanderwirbelte. Marcus Armstrong kollidierte mit Christian Rasmussen, dadurch wurde Rinus VeeKay in die Mauer geschickt und schied aus. VeeKay machte im ersten Moment Rasmussen für den Zwischenfall verantwortlich, obwohl die Ursache bei Armstrong lag. Rasmussen selbst kam mit einer Runde Rückstand als 14. ins Ziel, Armstrong wurde 17., beide weit hinter ihren Qualifying-Positionen. Auch Santino Ferrucci hatte kaum eine Chance auf ein normales Rennen, eine Sechs-Positionen-Strafe für einen nicht genehmigten Motorenwechsel schickte ihn ans Ende des Feldes, ein elektronischer Defekt um Runde 20 kostete ihn zusätzlich sieben bis acht Runden in der Box. Am Ende stand Platz 21 mit 15 Runden Rückstand zu Buche.

Simpson von ganz hinten aufs starke fünfte Rennresultat, Palou stürzt ab

Kyffin Simpson - OnlyBulls Grand Prix of Portland - By: Travis Hinkle
Kyffin Simpson – OnlyBulls Grand Prix of Portland – By: Travis Hinkle

Wer das gesamte Klassement durchgeht, findet die eigentliche Geschichte des Wochenendes nicht auf dem Podium, sondern in den Differenzen zwischen Startplatz und Zielposition. Kyffin Simpson qualifizierte sich als Letzter auf Platz 25 und fuhr im Rennen auf Platz fünf, ein Sprung von zwanzig Positionen, der auf diesem engen Stadtkurs mit seinen vielen Cautions bemerkenswert ist. Auch Josef Newgarden legte von Startplatz 16 auf Platz acht deutlich zu, und Nolan Siegel kletterte von zwölf auf sechs. Für Andretti Global war es ein herausragender Renntag im Gesamtbild, mit Kirkwood auf eins, Will Power, der von Startplatz 13 auf das Podium fuhr, und Marcus Ericsson auf vier standen gleich drei Andretti-Wagen in den Top vier, Power und Ericsson jeweils mit deutlichem Sprung nach vorn gegenüber ihrer Startposition. Christian Lundgaard rundete das Bild mit Rang zwei nach Startplatz neun ab, während sein Teamkollege Pato O’Ward von Startplatz sieben auf 16 zurückfiel.

Die andere Seite dieser Geschichte heisst Álex Palou. Von der Pole Position ins Ziel als 20., drei Runden zurück, das ist für den Meisterschaftsführenden ein Wochenende, das er so schnell wie möglich vergessen dürfte. Der Ausfall von McLaughlin im Kampf um die Führung und die Startplatzverluste von Rasmussen und Armstrong deuten darauf hin, wie unversöhnlich dieser neue Stadtkurs mit kleinsten Fehlern umging. Für Kirkwood und Andretti Global war es dagegen ein Wochenende, das mit einer soliden Trainingsform begann und mit einem dominanten Sieg endete, während Palou seinen Vorsprung in der Meisterschaft nach diesem Nachmittag in Washington wohl schrumpfen sehen dürfte. Wie stark dieser Rückschlag am Ende wiegt, wird sich erst auf den kommenden Strecken zeigen, wenn beide Lager wieder aufeinandertreffen.