OnlyBulls Grand Prix of Portland: Palou steuert auf die Vorentscheidung zu

Alex Palou - Borchetta Bourbon Music City Grand Prix presented by OnlyBulls - By: Joe Skibinski
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Bobby Travis · NASCAR/IndyCar-Korrespondent

Der Spanier führt die Meisterschaft mit komfortablem Polster an, doch Penske und Andretti Global wollen in Oregon Druck machen.

Der finale Saisonabschnitt der NTT IndyCar Series 2026 beginnt, und er beginnt mit einem Kurs, der Álex Palou wie ein zweites Wohnzimmer vorkommt. Der OnlyBulls Grand Prix of Portland, das 13. von 18 Saisonrennen, läutet ein brutales Programm ein: sechs Rennen an fünf Wochenenden, keine Zeit zum Verschnaufen, keine Zeit für grosse Reparaturen nach einem Unfall. Auf dem 3,16 Kilometer langen Roadcourse im Portland International Raceway geht es um Punkte, die im engen Titelkampf richtig weh tun können, wenn man sie verschenkt.

Palous Vorsprung und der Zugzwang der Verfolger

457 Punkte stehen für Palou zu Buche, fünf Saisonsiege, sechs Poles. Sein Vorsprung auf David Malukas beträgt 83 Punkte, auf Kyle Kirkwood sind es 87, auf Christian Lundgaard 104. Das ist die Art von Abstand, die eine Meisterschaft rechnerisch offen hält, aber psychologisch längst entschieden aussehen lässt.

Für die Verfolger heisst das: riskieren, und zwar jetzt. Malukas, Kirkwood und Lundgaard können sich keine ruhigen Wochenenden mehr leisten, in denen sie auf Fehler des Spitzenreiters warten. Palou fährt in Portland auf vertrautem Terrain, vier Podien bei fünf Starts, Siege 2021 und 2023. Wenn sein Honda-Paket so hält wie zuletzt, könnte er hier schon eine Vorentscheidung herbeiführen, lange bevor die Saison im Herbst ausläuft.

Wer kann Palou wirklich gefährlich werden

Team Penske bleibt mit neun Siegen das erfolgreichste Team der Portland-Geschichte, und die Zahlen dahinter sind kein Zufall. David Malukas sitzt in der Startnummer 12, dem Auto, mit dem Will Power 2024 und 2025 in Portland gewann. Ein erster IndyCar-Sieg für Malukas wäre keine Überraschung, sondern die logische Konsequenz eines starken Pakets. Scott McLaughlin, Portland-Sieger von 2022, gehört auf flachen Strassenkursen ohnehin zu den verlässlichsten Grössen im Feld.

Will Power selbst ist nicht mehr bei Penske, sondern fährt inzwischen für Andretti Global, und wartet 2026 noch auf seinen ersten Saisonsieg. Ein dritter Portland-Erfolg in Folge würde ihn neben Michael Andretti als einzigen Fahrer mit drei aufeinanderfolgenden Siegen in Oregon stellen, eine Marke mit echtem historischem Gewicht. Bei Arrow McLaren zeigen Christian Lundgaard und Pato O’Ward seit Wochen starke Form auf Roadcourses. Lundgaard braucht dringend einen Sieg, um im Titelkampf überhaupt noch realistisch dranzubleiben, und Portland ist genau die Art von Strecke, auf der er das liefern könnte.

Die Shelton Chicane entscheidet, der Rest ist Reifenmanagement

Wer in Portland gewinnen will, muss zuerst die erste Runde überstehen. Die Shelton Chicane direkt nach der langen Start-Ziel-Geraden ist das Nadelöhr des gesamten Wochenendes: 25 Fahrer kommen mit hohem Tempo an, quetschen sich durch eine enge Rechts-Links-Kombination, und Startkollisionen samt früher Caution gehören hier fast zur Tradition. Wer diese Passage clean durchsteht, hat schon einen Vorteil.

Danach wird es zur Geduldsprobe. Mit nur zwei echten Überholzonen, der Bremszone vor Kurve 1 und der harten Bremsstelle vor Kurve 7, entscheidet die Pit-Strategie über das Rennen mehr als der reine Speed. Der Abbau der Firestone-Reifen über 110 Runden zwingt die Teams zu präzisem Timing bei den Stopps, ein falsches Fenster kann mehrere Positionen kosten, ohne dass ein einziger Fehler am Lenkrad passiert. Genau diese Kombination aus früher Aufregung und später Rechenarbeit macht Portland zu einem Rennen, das Palou eigentlich in die Karten spielt, aber Malukas, Power und Lundgaard genug Angriffspunkte lässt, um es noch einmal spannend zu machen, bevor die IndyCar Series in ihre finale, kräftezehrende Phase geht.