Barcelona in der Gesamtschau: Wie aus einer Genesis-Pole ein Toyota-Titel wurde

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Henri Dubois · Endurance-Korrespondent

Vom ersten Training am Freitag bis zur Zielflagge am Sonntag verschob sich die Hierarchie in Montmeló mehrfach, ehe Toyota mit einem Doppelsieg den Herstellertitel vorzeitig klarmachte.

Bei den 6 Stunden von Barcelona, dem siebten von acht Saisonläufen der WEC, holte sich Toyota Racing am Sonntag mit einem 1-2-Ergebnis der Nummern 8 und 7 den Hersteller-Weltmeistertitel der Hypercar-Klasse, den achten in 14 Saisons, nachdem Genesis Magma Racing das Wochenende noch von der Pole Position aus begonnen hatte. In der LMGT3-Klasse gewann der Manthey-Porsche mit der Startnummer 92, während der Titelanwärter von TF Sport seinen Vorsprung in der Fahrerwertung auf 18 Punkte schrumpfen sah. Zwischen dem ersten freien Training am Freitagvormittag und der Zielflagge am Sonntagnachmittag lag ein Wochenende, das in beiden Klassen zeigte, wie wenig eine einzelne schnelle Runde über sechs Stunden auf unbekanntem Asphalt aussagt.

Von zwei Trainingsführenden zur Genesis-Pole

Der Freitag in Montmeló begann uneinheitlich. Robert Kubica führte das erste freie Training im Ferrari an, Harry Tincknell am Nachmittag im Aston Martin Valkyrie, und sechs Hypercars lagen am Ende des Tages innerhalb von 267 Tausendsteln. Keines der beiden Spitzenautos sollte diese Form über das Wochenende mitnehmen. Stattdessen war es Genesis Magma Racing, das am Samstagnachmittag in der Hyperpole zuschlug: Mathys Jaubert stellte mit der Nummer 17 die erste Pole der Marke in der Langstrecken-WM auf, das Schwesterauto mit der Nummer 19 reihte sich als Drittes ein, dazwischen der Toyota der Nummer 8.

Für Toyota selbst war die Qualifikationsrunde unauffällig gut, nicht spektakulär. Die Nummer 8 ging als Zweite ins Rennen, die Nummer 7 erst als Neunte, nachdem sie sich im Qualifying wie in der Hyperpole stets im Mittelfeld der ersten zehn bewegt hatte. Ferrari, das Toyota den Herstellertitel nur noch mit einem starken Ergebnis streitig machen konnte, startete mit seinem besten Auto, der Nummer 50, von Rang acht, die beiden BMW nur von den Plätzen 14 und 16. Für ein Rennen über sechs Stunden mit einem Wetterwechsel, den Marco Sørensen laut Dailysportscar schon vor dem Start erwartet hatte, war damit wenig entschieden.

Von der Pole auf Platz 16: wie sich die Hypercar-Hierarchie im Rennen drehte

Dass eine Pole Position über sechs Stunden mit hohem Reifenabbau wenig wert sein kann, zeigte sich schon in der ersten Rennrunde. Auf nasser Strecke ging Daniel Juncadella in der Nummer 19 an beiden vor ihm stehenden Autos in Kurve 1 vorbei, rutschte aber noch in derselben Runde in Kurve 5 ins Kiesbett. Die Pole-Nummer 17 fiel früh zurück und kam drei Runden hinter den Siegern als 16. der Hypercar-Wertung ins Ziel, die Nummer 19 als Elfte. Für ein Team, das am Samstag noch die stärkste Einzelrunde des Wochenendes gezeigt hatte, ist das ein Rückschlag, der die Frage aufwirft, ob die Pace über einen einzelnen schnellen Umlauf und die Pace über einen Doppelstint auf dieser Strecke zwei verschiedene Dinge sind.

Am anderen Ende der Bewegung stand die Nummer 7 von Toyota. Von Startplatz neun aus arbeitete sich Nyck de Vries durch das nasse Startphasen-Chaos nach vorn und ging früh in der zweiten Stunde an Miguel Molinas Ferrari vorbei auf Platz zwei. Diesen Platz hielt das Trio mit Mike Conway und Kamui Kobayashi bis ins Ziel, am Ende nur 0,583 Sekunden hinter dem Schwesterauto. Sieben Startplätze gutgemacht zu haben und dennoch nur knapp zu unterliegen, ist für ein Fahrer-Trio, das selbst noch Teil des Toyota-internen Fahrertitelduells ist, eine bemerkenswerte Leistung über eine volle Renndistanz. Noch deutlicher fiel der Sprung bei BMW M Team WRT aus: Das Auto von Dries Vanthoor, Raffaele Marciello und Kevin Magnussen, aus der Qualifikation nur von Rang 16 startend, beendete das Rennen als Siebter, ein Sprung um neun Positionen, während das zweite BMW nach einer 20-Sekunden-Strafe wegen zu niedrigen Reifendrucks gegen René Rast mit zwei Runden Rückstand auf Platz 14 blieb und damit rechnerisch aus dem Titelkampf ausschied.

Rückschritte gab es ebenso deutlich. Der Alpine mit Ferdinand Habsburg und Charles Milesi, der von Startplatz vier ins Rennen gegangen war, wurde in der ersten Runde von Will Stevens im Cadillac umgedreht, der dafür zehn Sekunden Strafe erhielt, und fiel bis auf Platz zehn zurück, während das Schwesterauto von Jules Gounon und Victor Martins, gestartet von Platz sieben, nur einen Platz einbüsste und als Achtes noch in die Punkte fuhr. Die Nummer 50 von Ferrari AF Corse dagegen gewann fünf Positionen und komplettierte, ausgehend von Startplatz acht, das Podium, während das zweite Werksauto mit James Calado, Antonio Giovinazzi und Alessandro Pier Guidi nach Problemen mit dem Geschwindigkeitsbegrenzer drei Runden zurückfiel. Für Toyota selbst war der Doppelsieg mit 0,583 Sekunden Abstand zwischen den eigenen Autos die konsequente Fortsetzung einer Form, die sich über das gesamte Wochenende weniger in einzelnen Bestzeiten als in der Fähigkeit zeigte, Reifen über lange Stints am Leben zu halten, sowohl auf Regen- als auch auf Trockenreifen.

Mittelfeld, Hinterfeld und ein schrumpfender LMGT3-Vorsprung

Auch abseits der Spitze bewegte sich das Hypercar-Feld deutlich. Peugeot, über das ganze Wochenende im hinteren Grid-Drittel zu finden, gewann mit beiden Autos Plätze gut: Die Nummer 93, gestartet von Platz 17, holte fünf Plätze auf, die Nummer 94, von Rang 15 kommend, zwei, am Ende Platz zwölf und 13. Der Aston Martin Valkyrie mit der Nummer 007, besetzt mit Harry Tincknell und Tom Gamble, wurde nach 115 Runden nicht gewertet, während das Schwesterauto mit Alex Riberas und Marco Sørensen, das von Startplatz elf ins Rennen gegangen war, zwei Ränge gutmachte und als Neuntes noch Punkte holte.

In der LMGT3-Klasse übernahm der Porsche 911 GT3 R von The Bend Manthey mit Yasser Shahin, Riccardo Pera und Richard Lietz schon früh die Führung und gab sie über die gesamte Renndistanz nicht mehr ab, am Ende mit 4,750 Sekunden Vorsprung vor dem McLaren von Garage 59, der von der Pole aus gestartet war, einen Reifenschaden verkraften musste und sich auf Platz zwei zurückkämpfte. Der eigentliche Aufsteiger des Feldes stand aber weiter dahinter: Der BMW M4 von Team WRT mit Anthony McIntosh, Parker Thompson und Daniel Harper startete von Rang 15 und beendete das Rennen als Drittes, ein Sprung um zwölf Positionen. Nicht weit dahinter machte der Mercedes-AMG von Iron Lynx mit Johannes Zelger, Matteo Cressoni und Lin Hodenius, ausgehend von Startplatz 17, acht Plätze gut und wurde Neunter der Klasse.

Für die Meisterschaft war der Nachmittag dagegen unbequem. Jonny Edgar, der mit TF Sport als Tabellenführer nach Barcelona gekommen war, startete von der zweiten Reihe, verlor im Rennen aber durch einen verzögerten Reifenwechsel, eine 10-Sekunden-Strafe und in der letzten Runde noch einen Platz an Maxime Martin insgesamt drei Positionen und kam als Siebter der Klasse ins Ziel. Sein Vorsprung auf das Manthey-Trio schrumpfte dadurch auf 18 Punkte. Am anderen Ende des Feldes blieb es für Heart of Racing Team ein zäher Nachmittag: Beide Aston Martin Vantage kämpften sich aus dem hinteren Grid-Drittel nur wenig nach vorn, die Nummer 23 wurde Zehnte, die Nummer 27 nach einem Start vom letzten Platz der Klasse Sechzehnte. Mit zwei offenen Titelentscheidungen, einer im reinen Toyota-internen Fahrerduell und einer in der LMGT3 zwischen TF Sport und Manthey, reist die WEC damit zum Saisonfinale nach Monza, wo sich zeigen wird, ob ein einziges Rennwochenende reicht, um einen Vorsprung von 17 beziehungsweise 18 Punkten noch zu verteidigen oder aufzuholen.