Marco Rossi · F1-Korrespondent
Mit einer Runde, die niemand kommen sah, sicherte sich Pierre Gasly in Monza seine erste Pole-Position der Karriere und schrieb damit ein neues Kapitel für Alpine.
Pierre Gasly hat am Samstag beim Grand Prix von Italien in Monza die Pole-Position geholt, seine erste nach vielen Jahren in der Formel 1. Der Franzose setzte im finalen Q3-Run eine Zeit von 1:21,786 Minuten und liess George Russell im Mercedes nur sechs Hundertstel hinter sich. Für Alpine ist es die erste Pole seit dem Rebranding des Rennstalls, für Gasly persönlich der bislang grösste Erfolg einer Karriere, die zuletzt vor allem im Mittelfeld stattfand.
Sechs Hundertstel, die eine Karriere verändern
Es war eine jener Qualifying-Sessions, die den Kalender rechtfertigen: eng, unberechenbar und am Ende mit einem Ergebnis, das selbst im eigenen Fahrerlager für offene Münder sorgte. Gasly drehte seine schnellste Runde im letzten Versuch von Q3, und der Vorsprung von 0,060 Sekunden auf Russell blieb bis zum letzten Sektor umkämpft. Oscar Piastri komplettierte im McLaren die erste Startreihe mit Startplatz drei, nur 0,180 Sekunden hinter der Bestzeit.
Für Alpine bedeutet die Pole weit mehr als eine gute Rundenzeit. Der Rennstall kämpft seit der Umbenennung mit der Konstanz im Mittelfeld, und ausgerechnet in Monza, wo die geringste Abtriebsmenge des Kalenders gefahren wird, zahlte sich offenbar eine besonders effiziente Abstimmung auf den langen Geraden aus. Franco Colapinto reihte sich im zweiten Alpine auf Startplatz acht ein, ein Ergebnis, das die Erwartungen an den Rennstall für den Rest der Saison zumindest kurzfristig verschieben dürfte.
Ferrari zuhause im Aufwind, Verstappen tastet sich durch

Charles Leclerc und Lewis Hamilton retteten sich beide über enge Q2-Ausscheidungen in die Top 5, Leclerc auf Startplatz vier, Hamilton direkt dahinter auf fünf. Für die Tifosi, die traditionell in Scharen an den Königlichen Park pilgern, ist das ein Achtungserfolg vor dem eigenen Publikum, auch wenn die Pole diesmal an einem anderen Team vorbeizog.
Max Verstappen kam über Startplatz sechs nicht hinaus und zeigte sich nach der Session laut Berichten frustriert über Balance und Leistung seines Red Bull im Vergleich zur Konkurrenz. Nach einem intensiven dritten freien Training, in dem er sich Berichten zufolge kurz mit Hamilton auf der Strecke duellierte, blieb dem Niederländer am Samstag die Fahrposition verwehrt, die seinem Anspruch entsprochen hätte. Für den Titelkampf dürfte das ein Rückstand sein, den er am Sonntag über die Reifenstrategie aufzuholen versuchen muss.
Antonellis Startplatz-Sorgen und der Schatten über Piastri
Während sich Gaslys Geschichte wie ein Märchen liest, drohte parallel dazu ein anderes Drama, das den Sonntag prägen dürfte. Andrea Kimi Antonelli, WM-Spitzenreiter und italienischer Lokalmatador, wechselte seine Antriebseinheit und muss deshalb vom letzten Startplatz aus in sein Heimrennen gehen, trotz einer starken Trainingspace, die ihn zeitweise unter den Top 5 gezeigt hatte. Für die italienischen Fans, die auf einen Heimauftritt ihres WM-Favoriten gehofft hatten, ist das eine bittere Fügung, und für den Titelkampf dürfte es zusätzlichen Druck bedeuten, denn Lando Norris, der laut Berichten zuletzt zwei Rennen in Folge gewann, will einen Vorsprung angreifen, der Berichten zufolge bereits 59 Punkte beträgt. Norris selbst qualifizierte sich nur für Startplatz neun, was seine Aufholjagd zusätzlich erschwert.
Zur Unsicherheit trägt ausserdem eine mögliche Strafe gegen Oscar Piastri bei. Die Stewards prüfen laut Bericht einen Vorfall aus Q2, bei dem Piastri Liam Lawson in der ersten Kurve behindert haben soll, worauf dieser ausschied. Über Teamfunk liess Lawson seinem Ärger freien Lauf: “That’s actually appalling! I can’t believe how bad you just left me out to dry!”, sagte der Neuseeländer laut Funkmitschnitt. Sollte die Untersuchung zu einer Strafe für Piastri führen, könnte sich die gesamte Startaufstellung noch einmal verschieben, und aus Gaslys sauberer Pole-Geschichte würde am Sonntag ein Rennen mit gleich mehreren offenen Fragen: ob der Alpine seine Führungsposition ins Ziel bringt, wie weit sich Antonelli von hinten durcharbeitet und ob Verstappen die Lücke zur Spitze noch schliesst.





