Bobby Travis · NASCAR/IndyCar-Korrespondent
Auf dem brandneuen Stadtkurs rund um die National Mall drehte der Punkteführende die schnellste Runde des Tages, während andere mit Bodenwellen und fehlenden Daten kämpften.
Álex Palou hat sich im Freien Training 2 zum Freedom 250 Grand Prix of Washington, D.C. die Bestzeit gesichert. Der Ganassi-Pilot fuhr am Samstag auf dem neu gebauten 1,7-Meilen-Stadtkurs rund um die National Mall eine 56,6145 Sekunden schnelle Runde und schlug damit Kyle Kirkwood im Andretti-Auto um knapp acht Hundertstel. Es war die zweite von zwei Trainingseinheiten vor dem ersten Rennen überhaupt auf dieser Strecke, die eigens für das 250-jährige Bestehen der USA in der Hauptstadt errichtet wurde.
Palou dreht auf, Kirkwood hält dagegen
Im ersten Training hatte noch Kirkwood die Nase vorn, Palou lag als Zweiter rund zwei Zehntel zurück. Im zweiten Run drehte sich das Bild komplett: Palou fand mehrere Zehntel und setzte mit 56,6145 Sekunden die Tagesbestzeit, Kirkwood blieb mit 56,6911 Sekunden nur knapp dahinter. Der Punkteunterschied zwischen den beiden ist in der Meisterschaft ohnehin gewaltig, Palou führt vor dem Wochenende mit 133 Zählern vor seinem Verfolger, und ein starker Auftritt in D.C. könnte ihm die Tür zum vorzeitigen Titelgewinn weiter aufstossen.
Bemerkenswert dabei: Palou fuhr seine Bestzeit laut Rechercheergebnissen auf den weicheren Alternate-Reifen, während Kirkwood seine Rundenzeit auf den härteren Primary-Reifen erzielte. Das deutet darauf hin, dass die Reifenwahl bei diesem neuen Layout eine grosse Rolle spielen wird, wenn es am Sonntag um die 250 Meilen geht. Scott Dixon komplettierte als Dritter im zweiten Ganassi-Auto ein starkes Trio an der Spitze, mit Nolan Siegel und Pato O’Ward auf den Plätzen vier und fünf nur wenige Zehntel dahinter.
Ein Kurs ohne Erfahrungswerte

Was dieses Wochenende von jedem anderen IndyCar-Rennen unterscheidet: Es gibt schlicht keine historischen Daten zu diesem Kurs. Die Strecke rund um die Pennsylvania Avenue, vorbei am Washington Monument und dem U.S. Capitol, wurde erst vor wenigen Wochen aus dem Boden gestampft. Fahrer berichteten von deutlichen Bodenwellen in Kurve zwei und Kurve sechs sowie von unebenem Asphalt an den Strassenübergängen, wo früher Fussgänger die Pennsylvania Avenue querten.
Christian Lundgaard bekam die Tücken des neuen Layouts laut Rechercheergebnissen hautnah zu spüren, der Arrow-McLaren-Pilot streifte bei seinen Trainingsrunden eine geneigte Mauerpartie und fuhr in der Session letztlich Rang sechs. Sein Teamkollege O’Ward zeigte mit Platz fünf, dass McLaren auf dem neuen Terrain schnell zurechtkam, während Siegel auf Platz vier ebenfalls ein starkes Zeichen setzte.
Newgarden fällt zurück, Penske sucht die Form

Nicht jeder machte im zweiten Training einen Schritt nach vorn. Josef Newgarden, im ersten Training noch Sechster, rutschte in der zweiten Session auf Platz 19 ab und blieb damit deutlich hinter seinen Penske-Teamkollegen Scott McLaughlin (P7) und David Malukas (P11) zurück. Auf einem Kurs ohne Referenzwerte aus der Vergangenheit können solche Rückschritte schnell passieren, wenn das Setup nicht auf Anhieb passt, und mit nur zwei Trainingssessions vor dem Rennen bleibt wenig Zeit zum Nachjustieren.
Für Sonntag bedeutet das: Bei 147 Runden und 250 Meilen, einer der längsten Distanzen, die ein IndyCar-Feld je auf einem Stadtkurs zurückgelegt hat, wird Reifen- und Spritmanagement mindestens so wichtig wie reines Speed. Palou geht mit der schnellsten Zeit und dem Punktepolster im Rücken als klarer Favorit ins Qualifying, doch auf einer Strecke, die selbst die Fahrer noch am Erlernen sind, kann sich das Blatt bis zum Grün am Sonntagnachmittag noch mehrfach wenden.





