Bobby Travis · NASCAR/IndyCar-Korrespondent
Zwischen ausgefallenem Qualifying, einem Fotofinish und einem Trümmerfeld in Kurve zwei zeigte das Bank of America 400 das gesamte Spektrum des Chase.
Chase Briscoe gewann am Sonntag das Bank of America 400, das NASCAR-Rennen in Charlotte, mit 0,029 Sekunden Vorsprung vor seinem Teamkollegen Christopher Bell, dem knappsten Zieleinlauf der Saison 2026, nachdem Regen das komplette Training und Qualifying am Samstag ausradiert hatte und die Startaufstellung stattdessen per Formel ermittelt wurde. Zwischen der Pole Position ohne gefahrene Runde am Samstag und der Zielflagge am Sonntag lag ein Wochenende, das zeigte, wie wenig eine errechnete Startposition über das tatsächliche Renntempo aussagt.
Die Pole aus dem Rechner hielt nicht lange
Kyle Larson ging als Tabellenführer von der Pole ins Rennen, ohne dass dafür eine Zeit auf der Strecke nötig gewesen wäre, Regen hatte Training und Qualifying am Samstag komplett gestrichen, die Startaufstellung kam aus der NASCAR-Formel für ausgefallene Qualifyings. Auf der Strecke bestätigte sich das Startrecht nur bedingt: Larson führte 97 Runden lang, mehr als jeder andere Fahrer, und sicherte sich Stage 1, fiel im Schlussabschnitt aber bis auf Platz sechs zurück, 10,133 Sekunden hinter dem Sieger. Für die Gesamtwertung bleibt das verschmerzbar, Larson führt die Fahrerwertung weiterhin mit 2367 Punkten vor Denny Hamlin und Christopher Bell an und baute seinen Vorsprung auf Hamlin sogar von 40 auf 49 Punkte aus, auch weil Hamlin nach einem Verstoss gegen eine Sicherheitsregel beim ersten Boxenstopp in Stage 1 ohne Punkte blieb.
Chase Briscoe, aus der zweiten Startposition neben Larson, nutzte eine Caution in Runde 205 für einen Positionsgewinn an der Pit-Road und übernahm nach dem Restart in Runde 211 die Führung, die er bis zur Zielflagge nicht mehr abgab, auch wenn Teamkollege Bell in den letzten fünf Runden bis auf 0,029 Sekunden herankam, weil Briscoe im Überrundungsverkehr feststeckte und nach eigener Aussage einen Reifen mit Luftverlust hatte; im Tri-Oval berührten sich die beiden Toyota sogar. Für Briscoe war es der zweite Sieg in Folge nach Las Vegas und bereits der dritte der Saison, ein Resultat, mit dem er in der Fahrerwertung um zwei Plätze auf Rang vier (2302 Punkte) vorrückte. Bell wiederum rückte mit Platz zwei bis auf zwei Punkte an Hamlin auf Rang zwei der Gesamtwertung heran, ein Rückstand, der im weiteren Verlauf des Chase jederzeit kippen kann.
Berry, Heim und Bell: wer vom Grid aus am meisten gewann
Kein Fahrer verbesserte sich vom Formel-Grid zum Zielstrich so deutlich wie Corey Heim. Der 23XI-Pilot ging von Position 37 ins Rennen und beendete es als Elfter, ein Sprung von 26 Plätzen, der ihn zum auffälligsten Mann des Feldes machte. Fast ebenso stark fuhr Josh Berry, der von Startplatz 27 bis auf Rang vier nach vorne kam und damit nur 0,860 Sekunden hinter Blaney auf Platz drei als bester Fahrer ausserhalb des Chase ins Ziel kam.
Auch Christopher Bell gehörte mit einem Sprung von Startplatz 17 auf Rang zwei zu den grossen Gewinnern des Nachmittags, ebenso Connor Zilisch, der von Platz 36 bis auf 21 vorfuhr, und Zane Smith, der sich von Startplatz 34 auf Platz 20 verbesserte. Im Mittelfeld hielten Spire Motorsports mit Daniel Suárez (Platz 13) und Carson Hocevar (Platz 14) sowie RFK Racing mit Chris Buescher (Platz 10) und Ryan Preece (Platz 15) ihre Positionen solide zusammen, während Trackhouse Racing mit Shane van Gisbergen auf Platz sieben deutlich stärker abschnitt als Ross Chastain auf Platz 16.
Am anderen Ende der Skala büsste Austin Cindric zwölf Positionen ein, von Startplatz fünf auf Rang 17, und liegt in der aktuellen Fahrerwertung mit 2222 Punkten hinter Tyler Reddick auf Platz acht. Noch deutlicher traf es Ty Gibbs, der von Startplatz 14 nach einem Unfall in Runde 41 und einer Reparatur, die ihn sieben Runden kostete, am Ende acht Runden im Rückstand auf Position 34 landete, ein Dämpfer für einen Fahrer, der mit 2211 Punkten aktuell auf Rang neun der Gesamtwertung liegt.
Byron und Wallace: der Chase-Rückschlag in Kurve zwei
Das Rennen wurde überschattet vom Unfall in Runde 77, als Alex Bowman am Ausgang von Kurve zwei die Kontrolle verlor und mit William Byron sowie Bubba Wallace kollidierte. Für Byron und Wallace war das Rennen nach 76 Runden beendet, Wallace schlug zusammen mit Bowman hart in die Aussenmauer ein, beide wurden mit 191 Runden Rückstand als Ausfall gewertet, Byron auf Platz 39, Wallace auf Platz 37. Für zwei Chase-Fahrer wiegt das in der Gesamtwertung schwer: Byron liegt nun mit 2159 Punkten auf Rang 13, Wallace mit 2182 auf Rang elf.
Weiter hinten im Feld sorgte die Rückkehr von Gray Gaulding für eine eigene Fussnote: Sein erster Cup-Start seit 124 Rennen endete nach einem Dreher, dem eine leichte Berührung mit Tyler Reddick vorausging; die folgende Caution in Runde 205 entschied das Rennen. Für Hendrick Motorsports ist der Nachmittag insgesamt ambivalent, Larson lieferte die meisten Führungsrunden des Feldes, während Byron und Bowman als Teamkollegen beide vorzeitig ausschieden. Joe Gibbs Racing dagegen bestätigte mit dem Doppelerfolg von Briscoe und Bell seine aktuelle Stärke und schickt mit Hamlin, Bell und Briscoe gleich drei Fahrer unter den ersten vier der Gesamtwertung in die kommenden Rennen. Wie stabil dieser Vorsprung ist, dürfte sich erst zeigen, wenn der Chase enger wird und für Fahrer wie Byron, Wallace oder Cindric jeder Punkt zählt, um den Anschluss nicht zu verlieren.





