Henri Dubois · Endurance-Korrespondent
Der zweifache Le-Mans-Sieger beendet seine professionelle Laufbahn am Saisonende, kämpft aber bis zuletzt um die WEC-Fahrerkrone.
Mike Conway, 43 Jahre alt und seit 2014 bei Toyota, hat kurz vor den letzten beiden Läufen der WEC-Saison 2026 angekündigt, seine Karriere als professioneller Rennfahrer nach dieser Spielzeit zu beenden. Der Brite gab den Schritt am 6. Oktober bekannt, knapp zwei Wochen vor dem vorletzten Saisonlauf in Barcelona. Seine Laufbahn führte ihn über Rückschläge und Verletzungen hinweg zu zwei WEC-Titeln und zwei Gesamtsiegen bei den 24 Stunden von Le Mans.
Abschied mit Blick auf die Familie
Conway sprach in seiner Mitteilung von einer „unglaublichen Reise, die ich für nichts auf der Welt eintauschen würde“. Toyota, für das er 13 Saisons fuhr, sei „wirklich ein Ort, den ich mein Zuhause nennen kann“. Als Grund für den Schritt nannte er seine Familie: „Jetzt ist es Zeit, mich zurückzuziehen und das Leben mit meiner Familie abseits der Rennstrecke zu geniessen.“
Conway sagt, er habe den Entschluss nach seinem zweiten Le-Mans-Sieg im Juni gefasst. Laut Autosport soll Toyota allerdings schon vor dem 24-Stunden-Rennen entschieden haben, seinen Vertrag nicht zu verlängern.
Vom Rückschlag zum zweiten Le-Mans-Triumph
Conways Weg zu diesem Punkt verlief nicht geradlinig. Nach Verletzungen und Rückschlägen in früheren Jahren seiner Laufbahn fand er bei Toyota jene Konstanz, die einen Langstreckenfahrer über eine ganze Saison hinweg auszeichnet, und 2026 krönte er diese zweite Karrierephase mit einem weiteren Gesamtsieg bei den 24 Stunden von Le Mans. Gemeinsam mit Kamui Kobayashi und Nyck de Vries brachte er den Toyota TR010 Hybrid mit der Startnummer 7 nach 24 Stunden als Erster über die Ziellinie, sein zweiter Le-Mans-Erfolg nach 2021.
Die Gesamtbilanz liest sich entsprechend dicht: zwei WEC-Fahrertitel, 2019/20 und 2021, zwei Gesamtsiege in Le Mans sowie genau 20 WEC-Rennsiege seit seinem Wechsel zu Toyota im Jahr 2014. Vor seiner Zeit in der Langstrecke hatte sich Conway bereits im Formelsport einen Namen gemacht, als britischer Formel-3-Meister 2006, als Sieger des Grand Prix von Macau und mit Stationen in GP2 und IndyCar, wo ihm vier Siege gelangen. Es ist eine Laufbahn, die mehrere Disziplinen verbindet, bevor sie sich endgültig in der Langstrecke festsetzte.
Ein letzter Titelkampf und die Frage nach der Nachfolge
Ein leiser Abschied ist das nicht, denn Conway tritt die verbleibenden Rennen der Saison nicht als Auslaufen einer Karriere an, sondern als Fortsetzung eines laufenden Titelkampfs. Gemeinsam mit Kobayashi und de Vries kämpft er in den letzten beiden WEC-Läufen weiterhin um die Fahrer-Weltmeisterschaft. Vor dem Lauf in Barcelona am 18. Oktober liegt das Trio auf Rang zwei der Fahrerwertung, 10 Punkte hinter dem Schwesterauto mit der Nummer 8. Gerade weil Zermürbungsrennen wie die Langstrecke selten von einem einzelnen Moment entschieden werden, dürfte sich dieser Kampf bis in die Schlussphase der Saison ziehen.
Einen Nachfolger hat Toyota noch nicht genannt. Laut Autosport soll Kevin Estre 2027 seinen Platz übernehmen, ausgeliehen von Porsche. Für das Team ist das mehr als eine Personalie, denn Conway gehörte über ein Jahrzehnt lang zu den konstantesten Fahrern in der Topklasse der WEC. Für die kommenden Wochen zählt zunächst etwas anderes: der Versuch, die Laufbahn mit einem Titel zu beschliessen statt mit einer blossen Ehrenrunde.




